Alexandra Fuchsbichler: „Ich versuche zu vermitteln, dass Krankheit keine Scham kennt.“
© Sabine Omann
Role Models im Spiegel
Von der Pack in die Präsidentschaft
Alexandra Fuchsbichler leitet ihre eigene Apotheke in Voitsberg und ist Präsidentin der Apothekerkammer Steiermark. Über Apotheken als letzte Bastionen der Menschlichkeit, den inneren Steinbock und die Frage, warum Frauen sich öfter infrage stellen als Männer.
Aufgewachsen im Gasthaus ihrer Eltern auf der Pack, erlebte Alexandra Fuchsbichler früh, was dezentrale Gesundheitsversorgung bedeutet. Es gab damals eine Hebamme im Ort, eine Kräuterspezialistin mit der größten Gesundheitskompetenz weit und breit. Der nächste Arzt war weit weg und schwer erreichbar, wie es am Land damals oft war. Die Hebamme zeigte dem Mädchen ihren riesigen Kräutergarten und was sie für ihre Behandlungen nutzt.
„Da entstand in mir die Idee, Apothekerin zu werden, weil ich mit Gesundheit zu tun haben und das Wissen um Kräuter und die Herstellung von Medikamenten verbinden wollte“, erinnert sich Fuchsbichler zurück. Da Wien für sie ein absolutes No-Go war – „eine Großstadt und so weit weg von zu Hause“ - studierte sie schlussendlich in Graz.
Krankheit kennt keine Scham
Schon als angestellte Apothekerin versuchte Fuchsbichler, Wissen leicht zugänglich zu vermitteln. Sie schrieb für Zeitungen, hielt Kurse. „Ich bin von einem Gasthaus zum anderen gedingelt und habe mich mit Bäuerinnen zusammengesetzt.
Heute leitet die 61-Jährige ihre eigene Apotheke in Voitsberg. Ein regionaler Dreh- und Angelpunkt: „Die Apotheken sind durch das große Netzwerk die Basis der Gesundheitsversorgung.“ Gerade in Zeiten, in denen Arztpraxen am Land schwerer zu finden sind, gewinnen Apotheken an Bedeutung. „Da wir so niederschwellig erreichbar sind und bei uns einfach wirklich alle reinkommen können, sollten wir das Angebot in den Apotheken vorantreiben, und die Politik sollte diese Option auch nutzen und zulassen.“
Die Apotheke sieht sie als „eine der letzten Bastionen, wo Menschen ihr Herz ausschütten können und man sich auf einer sehr persönlichen Ebene begegnet. Bei uns läuft keine Stoppuhr; ein Lächeln ist oft heilsamer als jede Kapsel oder Tablette.“ Für viele sind Apotheken Kummerkasten und Beratungsstelle zugleich. Menschen kommen nicht nur wegen Medikamenten, sondern auch für Rat. „Wir sind die Eintrittspforte ins Haus der Gesundheit“, wie es Fuchsbichler zusammenfasst. Nach über 30 Jahren Berufserfahrung überrascht sie kaum noch etwas. „Eventuell ist es meine unkomplizierte Art. Ich versuche zu vermitteln, dass Krankheit keine Scham kennt.“
Der innere Steinbock. Fuchsbichler ist vom Sternzeichen Steinbock. „Und mein innerer Steinbock versucht immer wieder, Mauern, die meiner Meinung nach zu Unrecht aufgebaut wurden, zum Einsturz zu bringen. In solchen Situationen bin ich dann auch sehr hartnäckig und gebe selten auf.“
Der Weg in die Kammer
Ihr Vorgänger, der ehemalige steirische Apothekerkammer-Präsident Gerhard Kobinger, holte sie deshalb in die Standespolitik. „Zuerst habe ich mich nicht wirklich wohlgefühlt mit dem Gedanken, aber die Idee, Entwicklungen für die Apotheken zu beeinflussen, wenn man sich einbringt, hat mich dann überzeugt.“
Es ging schnell: Sie wurde als Vertreterin der Selbstständigen gewählt und übernahm bereits ein halbes Jahr später als Präsidentin die gesamte Apothekerkammer in der Steiermark. Auch hier hatte sie zunächst Zweifel. „Das ist ganz normal. Was uns Frauen ausmacht, ist, dass wir uns öfter infrage stellen, als Männer das tun.“ Ein Freund und Kollege sagte damals zu ihr: „Du hast Lebenserfahrung. Du weißt, was wichtig ist im Leben. Du hast Prinzipien.“
Die Apothekerkammer ist dual aufgebaut. Sie vertritt Selbstständige und Angestellte. Bei den Selbstständigen sind von 18 Vorständen nur zwei Frauen.
„Der Prozentsatz entspricht nicht dem Verhältnis an Frauen, die eine Apotheke leiten“, stellt die Präsidentin fest. „Die selbstständige Frau, die sich für standespolitische Arbeit entscheidet, braucht ein Netzwerk hinter sich. Die eigene Apotheke muss neben der Kammerfunktion weiterlaufen.“ Bei den Angestellten ist nur einer von 18 Sitzen männlich besetzt. Insgesamt sind 85 Prozent der Apotheker:innen Frauen. „Vielleicht, weil der Job sich gut mit Familie vereinbaren lässt – von acht Stunden pro Woche bis zu 40 Stunden ist alles möglich.“
Biografie
Als Präsidentin der Steirischen Apothekerkammer und erfahrene Apothekerin blickt sie auf ein Pharmaziestudium in Graz sowie über 30 Jahre Tätigkeit in der Apotheke zurück – seit 14 Jahren als selbstständige Inhaberin ihrer eigenen Apotheke. Sie ist Mutter zweier erwachsener Töchter, einer Pharmazeutin und einer Ärztin, und führt ein Team von 26 Mitarbeiterinnen, viele davon im Teildienst. Vier junge Frauen befinden sich derzeit bei ihr in Ausbildung. Die Liebe zum Beruf weiterzugeben und zukünftige Kolleginnen bestmöglich zu begleiten, ist ihr ein großes Anliegen.