Fritz Zefferer
„Der Erfolg eines Bürgermeisters liegt nicht im politischen Handeln, sondern im Bemühen für ALLE Bürgerinnen und Bürger über die Parteigrenzen hinaus da zu sein.“ Fritz Zefferer über sein politisches Selbstverständnis.

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Im Takt der schwarzen Zahlen

Bürgermeister, Musiker, Justizprofi: Friedrich Zefferer aus Mitterberg-Sankt Martin ist ein Mann mit ungewöhnlichem Werdegang – und einer ebenso ungewöhnlichen Gemeindebilanz.

Mitterberg - Sankt Martin. So heißt die einizge schuldenfreie Gemeinde in der Steiermark. Ihr Bürgermeister, Friedrich Zefferer, erzählte Mitte Februar in einem vielbeachteten Artikel von Eva Schubert, wie das der dörflichen Kommune am Fuße des Grimming gelang. Grund genug, um sich den Mann und seinen Heimatort ein wenig genauer anzusehen. 

Mitterberg
Das Gemeindegebiet umfasst rund 55 km² mit über 70 km an Gemeindestraßen. Deren Erhaltung benötigt einen signifikanten Anteil des Gemeindebudgets. Foto: Gemeinde Mitterberg-Sankt Martin


 Mitterberg-Sankt Martin liegt im steirischen Ennstal, in der Tourismusregion Schladming-Dachstein und ist insbesondere von der Landwirtschaft und dem Tourismus geprägt. Inmitten des Ennstals liegt der Mitterberg, ein Hochplateau, und im Norden der massive Grimming, als höchster freistehender Berg Europas. 

Das Gemeindegebiet bietet einen einzigartigen geologischen Querschnitt in den Alpen. Im Süden das Urgebirge mit Marmorvorkommen, in der Mitte der Mitterberg, dessen Kern aus Schiefer besteht, bis hin zum nördlich gelegenen Kalkgebirge mit der Kammspitze und dem Grimming. 

Grimming
Der Grimming ist ein isolierter Gebirgsstock und zählt zum Dachsteingebirge. Früher als „Mons Styriae altissimus“, (höchster Berg der Steiermark) bezeichnet, dominiert der Grimming mit seiner Höhe von 2.531 m ü. A. und vor allem wegen seiner markanten Einzellage, das Panorama von Mitterberg-Sankt Martin.  

Auf Grund seiner besonderen Lage auf ca. 800 Höhenmetern ist Mitterberg mit dem Prädikat „Heilklimatischer Kurort“ ausgezeichnet. Genaugenommen besteht die Kommune eigentlich aus 23 Ortschaften. Nur zwei davon haben mehr als 200 Einwohner. Mitterberg - Sankt Martin wirkt wie eine kleine Gemeinde, in der die Welt noch in Ordnung ist.

Dabei gibt es die Gemeinde in dieser Form noch gar nicht so lange. Zefferer war bereits zehnJahre Bürgermeister von Mitterberg, bevor durch die Gemeindezusammenlegung im Zuge der Steiermärkischen Strukturreform die jetzige Neugemeinde entstand. Dieser steht er nun ebenfalls schon seit zehn Jahren vor. 

Der Weg in die Politik

Angefangen mit der Politik hat das 1999. Da wurde Zefferer von mehreren Fraktionen gefragt, ob er als Gemeinderat kandidieren möchte. Als Vorsteher der Geschäftsstelle des Bezirksgerichtes Irdning und als Revisor beim Landesgericht Leoben war er jedoch voll ausgelastet und lehnte ab. Weil sein Großvater ÖVP-Bürgermeister war und sein Vater SPÖ-Gemeinderat, konnte sich Zefferer ohnehin nicht wirklich entscheiden: „Für mich gab es damals für keine Partei eine Präferenz.“ Schließlich wurde er doch noch überredet, als parteifreier Kandidat auf der Gemeinderatsliste der SPÖ zu kandidieren. Daraufhin legte die Fraktion im Jahr 2000 von einem Mandat ausgehend auf vier zu, und bei der Gemeinderatswahl danach nochmals auf sieben Mandate. Somit wurde Zefferer im Jahre 2005 zum Bürgermeister gewählt, und die Mandate danach nochmals auf zehn erhöht.  

Von der Polizei zum Bezirksgericht

Der Werdegang Zefferers ist bemerkenswert. Ursprünglich Polizist, hatte er im Jahre 1980 einen schweren Verkehrsunfall und musste seinen Job in Salzburg schon kurz nach Absolvierung der Polizeischule aufgeben. Aufgrund seiner guten schulischen Erfolge in der Polizeischule holte ihn der damalige Polizeidirektor als seinen Chefsekretär in die Polizeidirektion. Nach der Abendmatura landete Zefferer schließlich im Jahre 1983 bei der Justiz. 

Beim Bezirksgericht Irdning begann er als Kanzleibediensteter in der Exekutionsabteilung, stieg auf zum Exekutions-, Zivilprozess und Privatkonkursrechtspfleger und zum Rechtspfleger in Grundbuchssachen. „Ich wurde sodann zum Vorsteher der Geschäftsstelle des Bezirksgerichtes Irdning bestellt und gleich danach zum Revisor des Landesgerichtes Leoben. Meine berufliche Ausbildung bei der Polizei und später in der Justiz hat mich bestimmt wesentlich geprägt und mir ein gutes Rüstzeug für die Ausübung meines Bürgermeisteramtes gebracht.“ 

Zweifellos haben Zefferers Argusaugen auf die schwarzen Zahlen damit zu tun, dass er einen Gutteil seiner beruflichen Laufbahn tagtäglich miterlebt hat, wozu Schulden führen können.  

Dabei ist Zefferer weit davon entfernt, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Ihm ist durchaus bewusst, dass Schulden einer Gemeinde in der Regel keine Frage des Unvermögens sind, sondern schlicht den Umständen geschuldet. „Wenn eine Schule nach 60 Jahren saniert werden muss, oder eine Lawine ganze Hänge zerstört und die Verbauung ein paar Millionen kostet – dann wird es auch für die sparsamste Gemeinde zu eng“, sagt er. Naturkatastrophen, unvorhergesehene Infrastrukturausgaben, plötzliche Preissteigerungen: All das kann eine Gemeindekasse in Schieflage bringen, ohne dass irgendjemand schlecht gewirtschaftet hätte.

Erfolgreicher Musiker

Wer sich Zefferer nun als trockenen Bürokraten und Paragraphenreiter vorstellt, liegt falsch. Der begeisterte Ski- und Langläufer war vor seiner Bürgermeisterzeit auch musikalisch hochaktiv. Mit über 100 Eigenkompositionen und seiner Band kam er in ganz Europa und Amerika herum. An seiner Wand erinnert eine goldene Schallplatte an diese Zeit. In Kopenhagen etwa spielte er vor 20.000 Menschen: „Ich habe damals schon gelernt auf der Bühne zu stehen, vor vielen Leuten, diese zu unterhalten und zu moderieren.“ Als Bürgermeister ist das auch heute noch hilfreich.

Friedrich Zefferer
Die goldene Schallplatte an der Wand ist eine Erinnerung des Bürgermeisters an seine erfolgreiche Vergangenheit als Musiker. 

Gefragt nach den Schwerpunkten seiner Politik antwortet Zefferer: „Ich denke, der Erfolg eines Bürgermeisters liegt nicht im politischen Handeln, sondern im Bemühen für ALLE Bürgerinnen und Bürger über die Parteigrenzen hinaus da zu sein. Daraus ergeben sich die Schwerpunkte in den verschiedenen Bereichen wie Schaffung von Arbeitsplätzen, Schaffung von Wohnraum, Förderung der Wirtschafts- und Tourismusbetriebe sowie der Landwirtschaft, weiters das Bereitstellen von guten Bedingungen in den Bildungseinrichtungen wie Volksschule (Ganztagsschule) und Kindergarten (Alterserweitere Gruppen). Wichtig ist auch die Vereinsförderung – insbesondere für unsere Vereinsjugend.“

Gemeindefusion verlief gut

Auf zwei Dinge ist Zefferer besonders stolz: „Seit ich Bürgermeister bin, haben wir auf unserem Gemeindekonto nie eine rote Zahl geschrieben und mussten trotz vieler Investitionen kein Darlehen aufnehmen.“ Besonders erfreulich ist für den Alt- und Neu-Bürgermeister auch die Tatsache, dass im Rahmen der steirischen Gemeindezusammenlegungen im Jahr 2015 die Fusion der Altgemeinden St. Martin am Grimming und Mitterberg zur Neugemeinde Mitterberg-Sankt Martin sehr gut gelungen ist. Bekanntlich war das leider keineswegs überall der Fall.

Schwierige Straßenerhaltung

Herausforderungen und wiederkehrende Probleme gibt es natürlich auch in Mitterberg. Auf Grund des ausgedehnten Gemeindegebietes ergeben sich mehr als siebzig Kilometer Gemeindestraßen. Die Erhaltung dieser Straßen ist ein Dauerthema in den jährlichen Budgets. Je nach Witterungsverhältnissen (Sommer und/oder Winter) können überraschend zusätzliche Kosten für die Straßensanierungen entstehen.

Tourismusprojekte

In der kleinen Gemeinde im oberen Ennstal geht aber auch viel weiter. Für 2026 ist eine weitere Sanierung des Schwimmbades geplant. Zusätzlich sollen umfassende Straßensanierungsmaßnahmen und Gehsteigerrichtungen stattfinden. Die Anschaffung eines neuen Böschungsmähgerätes ist ebenso vorgesehen. 

„Als Tourismusprojekt möchten wir einen Kurpark mit Kinderspielplatz errichten. Die Infrastruktur für die Vereinsfeste auf der Festwiese wird ebenfalls verbessert. Bei einem Gesamtbudget von ca. 3,5 Millionen Euro werden in unserer Gemeinde jährlich ca. 1 Million Euro in die Verbesserung der Infrastruktur investiert“, erklärt der Bürgermeister. 

Gemeindeübergreifende Zusammenarbeit

Positiv ist auch die gute Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden. Mitterberg-Sankt Martin ist in mehreren Verbänden organisiert – vom Müll- und Abwasserverband bis zum Pflegeverband, in dem Zefferer als Obmann-Stellvertreter fungiert. Ergänzt wird das durch die Kleinregion Gröbming, einen informellen Zusammenschluss von fünf Bürgermeistern, der sich alle drei Monate trifft. Man leiht sich Geräte, kauft gemeinsam ein, wenn es sich lohnt – etwa bei der Umrüstung der Straßenlaternen, wo die Bündelung der Bestellmengen allen Beteiligten deutlich bessere Konditionen brachte. Es sind keine großen Gesten, aber es ist konsequente Zusammenarbeit im Kleinen – und genau das ist es, was am Ende zählt.

Zefferer denkt und handelt strukturiert. Die Jahre in der Justiz haben ihn gelehrt, dass klare Abläufe der Schlüssel zu einem funktionierenden Betrieb sind – egal ob Gericht oder Gemeindeamt. „In der Justiz ist alles genau vorgegeben“, sagt er. Wichtige Termine werden konsequent im Kalender vermerkt, Verantwortlichkeiten klar definiert, Ausgaben sorgfältig abgewogen. Diese Strukturiertheit hat sich für Zefferer besten bewährt. 

Und wenn er mit der steirischen Harmonika in der Hand beim Nightrace in Schladming für Stimmung sorgt, sieht man, dass hinter der strukturierten Fassade auch ein Mensch steckt, dem seine Gemeinde und ihre Menschen am Herzen liegen – nicht nur die Zahlen. 

Friedrich „Fritz“ Zefferer

Alter: 68
Gemeinde:  Mitterberg - Sankt Martin
Einwohnerzahl: 1.975 (1. Jänner 2025)
Bürgermeister seit: 20. April 2005
Partei: SPÖ

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