alte Frau und Pflegerin
Die meisten Menschen wollen auch im Alter in den eigenen vier Wänden leben.
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Ein Plan für das Altern von morgen

12. Mai 2026
Das Land Oberösterreich hat gemeinsam mit dem Städtebund und dem Gemeindebund die „Betreuungsarchitektur 2040" vorgestellt. Das Konzept soll die Pflege und Betreuung älterer Menschen langfristig sichern – mit einem flexiblen Baukastensystem für Gemeinden und Sozialhilfeverbände.

Ausgangspunkt ist der starke demografische Wandel, der auch von Oberösterreich nicht haltmacht. Bereits heute leben rund 42.000 Menschen über 85 Jahre im Land. Bis 2040 wird diese Zahl um etwa 29.000 steigen. Gleichzeitig verändern sich Familienstrukturen und Erwerbsbiografien. Immer mehr ältere Menschen leben allein. Angehörige stehen seltener für Pflege zur Verfügung. Damit seit klar, dass das bestehende System an seine Grenzen stoße, meint Soziallandesrat Christian Dörfel.

Ein Baukastensystem für die Regionen

Die „Betreuungsarchitektur 2040" ist das Ergebnis eines Gemeinschaftsprojekts zwischen dem Sozialressort des Landes, dem OÖ Städtebund und dem OÖ Gemeindebund. Im Erarbeitungsprozess wurden über 300 mögliche Konzepte und Modelle eingemeldet, analysiert und auf ihre Umsetzbarkeit geprüft.

Das Ergebnis ist ein flexibles Baukastensystem. Regionale Träger sozialer Hilfe – also Sozialhilfeverbände und Magistrate – sollen damit die Pflege- und Betreuungslandschaft in ihrem Gebiet gezielt weiterentwickeln können. Der Leitsatz lautet: „So viel Selbstständigkeit wie möglich, so viel Unterstützung wie nötig."

Christian Mader, Präsident des OÖ Gemeindebunds, betonte die Mitverantwortung der Gemeinden: „Die Sicherstellung einer guten Pflege und Betreuung ist eine gemeinsame Aufgabe von Land und Gemeinden – und wir stehen zu dieser Verantwortung." Zugleich verwies er auf die finanzielle Dimension: Die Gemeinden tragen bereits heute einen wesentlichen Teil der Kosten.

Zehn Handlungsfelder

Die Betreuungsarchitektur gliedert sich in zehn Handlungsfelder. Im Mittelpunkt steht der Wunsch der Bevölkerung: Laut einer aktuellen Studie möchten rund 90 Prozent der Menschen im Alter in den eigenen vier Wänden bleiben. Dafür braucht es jedoch geeignete Wohnverhältnisse, eine möglichst gute Gesundheit und ein unterstützendes Umfeld.

Die zehn Handlungsfelder reichen von der Eigenvorsorge – etwa durch Information zu Gesundheit und Wohnraumanpassung – über die Unterstützung pflegender Angehöriger bis hin zu neuen Wohnmodellen und digitalen Technologien. Konkret vorgesehen sind unter anderem:

  • Sorgende Gemeinschaften: Gemeinden können freiwilliges Engagement und ehrenamtliche Angebote mit professionellen Strukturen vernetzen.
  • Wohnen mit Betreuung: Altersgerechte Wohnformen mit Betreuungsangeboten als Alternative zum Heimaufenthalt.
  • Mobile Dienste: Individuelle Bedarfserhebung, passgenaue Maßnahmenpakete und neue Stützpunkte für Betreuung und Pflege.
  • Teilstationäre Angebote: Tagesbetreuung und Kurzzeitbetreuung zur Entlastung von Familien.
  • Wohnen mit Pflege: Selbstbestimmtes, barrierefreies Wohnen mit planbarer pflegerischer Unterstützung für Personen mit mittlerem und höherem Pflegebedarf.
  • Heim der Zukunft: Alten- und Pflegeheime als Kompetenzzentren mit breitem Leistungsangebot, eingebunden in den Sozialraum.
  • Neue Technologien: Digitalisierung der Pflegedokumentation, Sprachdokumentation, Sturzprävention, Telemedizin und KI-gestützte Systeme sollen Mitarbeitende entlasten und Qualität sichern.

Konkrete nächste Schritte

Die Betreuungsarchitektur 2040 versteht sich als Startpunkt, nicht als Abschluss. Mehrere Maßnahmen sind bereits angelaufen oder in Vorbereitung.

Auf digitaler Ebene soll die Pflegedokumentation bei mobilen Diensten vereinfacht werden. Der Pflegetechnologiefonds wird 2027 neu aufgelegt. Die Verblisterung von Medikamenten – also die individuelle Verpackung nach Einnahmezeiten – soll schrittweise flächendeckend eingeführt werden.

Neue Betreuungsmodelle starten: Dazu zählen etwa die gemeinschaftliche Nutzung von 24-Stunden-Betreuung durch mehrere Personen, Alltagshilfen zur Erhaltung der Selbstständigkeit sowie eine aktivierende Kurzzeitpflege nach Krankenhausaufenthalten.

Als Folgeprojekte sind unter anderem eine erweiterte Senioren-Karte mit digitalen Funktionen, ein Leitsystem zur Orientierung im Pflege- und Betreuungsangebot sowie ein zentrales Infoportal geplant.

Bedarfs- und Entwicklungsplan folgt noch 2026

Noch in diesem Jahr wird auf Basis der Betreuungsarchitektur ein neuer Bedarfs- und Entwicklungsplan erarbeitet. Erstmals werden dabei die Bedarfe nicht nur landes- und bezirksweit, sondern auch überregional dargestellt. Der Plan soll laufend evaluiert und angepasst werden. Eine Übersicht über die erprobten Modelle, Pilotprojekte und Konzepte ist unter betreuungsarchitektur.ooe.gv.at abrufbar.

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