M. Scharner, F. Flotzinger, G. Humer, M. Kasper-Furtner, P. Breitenauer, B. Michetschläger, R. Lenzenweger, J. Meinhart, M. Pleiner, D. Mitringer, H. Silber, K. Büchel-Kapeller
M. Scharner, F. Flotzinger, G. Humer, M. Kasper-Furtner, P. Breitenauer, B. Michetschläger, R. Lenzenweger, J. Meinhart, M. Pleiner, D. Mitringer, H. Silber, K. Büchel-Kapeller
© Zukunft Oberösterreich

Krisenfest

Soziale Resilienz als Zukunftsstrategie für Gemeinden

23. März 2026
Angesichts wachsender Herausforderungen wie demografischem Wandel, wirtschaftlichen Umbrüchen, Klimadruck und zunehmender Polarisierung geraten Gemeinden unter steigenden Handlungsdruck. Beim Kommunalen Zukunftsgespräch der Oö. Zukunftsakademie in Linz wurde deutlich, dass die Fähigkeit einer Kommune, auch unter unsicheren Rahmenbedingungen handlungsfähig zu bleiben, entscheidend ist.

Experten und Vertreter aus Kommunen diskutierten, wie soziale Resilienz zum strategischen Zukunftskapital für Gemeinden wird.

Kriemhild Büchel-Kapeller, Expertin für Bürgerbeteiligung und Regionalentwicklung aus Vorarlberg, eröffnete die Fachveranstaltung mit einer zentralen These: Gemeinden stehen gleichzeitig vor mehreren strukturellen Herausforderungen – demografischer Wandel, veränderte Arbeitswelt, Künstliche Intelligenz, gesellschaftliche Polarisierung sowie Klima- und Budgetdruck. Entscheidend sei, wie Gemeinden als Ganzes handlungsfähig bleiben.

„Soziale Resilienz entsteht, wo Menschen sich zugehörig fühlen, mitgestalten dürfen, einander vertrauen und Zukunft gemeinsam gestalten", betonte Büchel-Kapeller. Sie unterschied dabei klar zwischen individueller und kollektiver Resilienz: Soziale Resilienz bezeichne die gemeinschaftliche Krisenfestigkeit einer ganzen Gemeinde.

Büchel-Kapeller definierte sechs Kennzeichen von Gemeinden mit hoher sozialer Resilienz:

  1. Gemeindeidentität mit klaren gemeinsamen Zielen und Werten
  2. Vertrauen zwischen Bürgerinnen, Bürgern, Politik und Verwaltung
  3. Kooperationen über Sektorengrenzen hinweg, denn systemisch-vernetzte Probleme lassen sich nur systemisch und nicht isoliert lösen
  4. Echte Mitgestaltung (Beteiligungskultur) statt symbolischer Beteiligung
  5. Fokus auf vorhandene Stärken und Potenziale
  6. Lern- und Experimentierfreude sowie Anpassungsfähigkeit und Neuausrichtung in Krisen

Vertrauen als entscheidende Ressource

Dalilah Mitringer vom KDZ -  Zentrum für Verwaltungsforschung Wien ergänzte die theoretische Grundlage: Ein resilientes Gemeinwesen zeichne sich dadurch aus, dass Menschen in Stresssituationen bereit sind, Informationen, Ressourcen und Know-how zu teilen. „Vertrauen ist der Grundstein für soziale Resilienz", so Mitringer. Dieses Vertrauen entstehe durch echten, ehrlichen und wiederholten Kontakt auf Augenhöhe – zwischen Bürgerinnen und Bürgern, Politik und Verwaltung.

Forschungen aus verschiedenen Disziplinen belegen laut Mitringer, dass Gemeinschaften mit starkem Zusammenhalt kreative Lösungspotenziale entwickeln, wo alte Muster versagen.

Vier Praxisbeispiele 

Die Veranstaltung präsentierte vier konkrete Umsetzungsbeispiele sozialer Resilienz:

  • Social Impact HUB Kitzbüheler Alpen: Michaela Kasper-Furtner vom Regionalmanagement Kitzbüheler Alpen stellte Tirols erste partizipative Innovationsplattform vor. Der Hub vernetzt 26 Gemeinden, 80 soziale Einrichtungen und 200 Freiwillige. 2025 wurde das Projekt beim Österreichischen Staatspreis für freiwilliges Engagement in der Kategorie Innovation ausgezeichnet.
     
  • KUM – Kümmern ums Miteinander (Kirchberg-Thening): Projektinitiatorin Brigitta Michetschläger und Bürgermeister Peter Michael Breitenauer stellten die Sorgekultur-Initiative vor, die Einsamkeit älterer Menschen bekämpft. Ehrenamtliche werden zu Generationenbegleiter:innen ausgebildet; derzeit entsteht ein ehrenamtlicher Fahrdienst. „Wir bauen eine Sorgekultur auf. Wir schauen aufeinander", fasste Michetschläger die Wirkung zusammen.
     
  • Färberhaus Zwettl an der Rodl: Projektinitiator Rainer Lenzenweger schilderte, wie ein Leerstand durch Kooperation zwischen Einheimischen, Externen und dem Gebäudeeigentümer wiederbelebt wurde. Seit 2024 beheimatet das Haus die Kulturplattform ARTifex, seit 2025 den „Feinen Laden" mit regionalen Lebensmitteln auf Selbstbedienungsbasis.
     
  • Steilstufenwirt St. Oswald bei Haslach: Bürgermeisterin Heidemarie Silber präsentierte, wie eine Bürger:innengenossenschaft ein leerstehendes Gebäude in ein Begegnungszentrum verwandelte. „Was eine(r) nicht schafft, das schaffen viele", lautet das Leitprinzip des Vorzeigeprojekts für bürgerschaftliches Engagement im ländlichen Raum.

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