„Ein leerstehendes Gebäude ist vielleicht nichts, aber es kann noch alles werden“, sagt Lena Keresztes, die Raumforschung an der Uni Wien studiert. Ihre positive Einstellung behielt sie vom Start ihres Aufs-Land-Semesters bis zum Vortrag bei der RURASMUS-Konferenz bei.
© C. Kleinsasser © RURASMUS
Aufs-Land-Semester für Studierende
Leerstand nutzen: Pionier:innen von gestern für morgen
In der oberösterreichischen LEADER-Region Mostlandl Hausruck zeigt das RURASMUS-Projekt „Mostlandl Hausruck Pionier:innen“ von Lena Keresztes, unter welchen Rahmenbedingungen aus leerstehenden Gebäuden Neues entsteht. Sie dokumentiert, wie Menschen Leerstand bereits aktiv genutzt haben und liefert Impulse für nachhaltiges Leerstandsmanagement.
Die LEADER-Region Mostlandl Hausruck zählt 33 Mitgliedsgemeinden, keine davon hat mehr als 5.000 Einwohner. Wie in vielen ländlichen Regionen ist auch hier Leerstand ein Symptom größerer Probleme. Wirtshäuser und Geschäfte schließen und während am Ortsrand gebaut wird, verlieren die Ortskerne an Leben. Auswirkungen sind nicht nur die sichtbare Verödung der Ortsmitten, sondern auch der Verlust ihrer bisherigen sozialen Funktionen. Das LEADER-Büro sieht in der Leerstandsthematik eine wichtige Chance für die nachhaltige Entwicklung der Region und ihrer Gemeinden.
Vom Problem zur Chance
Leerstand ist für Gemeinden oft ein mit Scham und Frust behaftetes Thema. Es ist notwendig, diese Perspektive zu
ändern, denn „ein positiver, optimistischer Blick auf Leerstand als Potenzialraum ist grundlegend für die kommunale Entwicklung“, erklärt Lena Keresztes, die Raumforschung an der Uni Wien studiert. Genau diesen positiven Blick von außen wollte die Wienerin einnehmen und die Menschen aus der Region als Expertinnen und Experten einbinden. Aus diesem Ansatz entstand die Idee, Pionier:innen aus der Region als inspirierende Positivbeispiele sichtbar zu machen.
Acht Pionier:innen
Im Rahmen ihrer Recherche fand Keresztes acht Pionier:innen in der Region. Sie alle haben Leerstände bereits auf vielfältige Weise aktiviert, beispielsweise als Pop-up-Store für Handwerksarbeiten, zur Direktvermarktung von lokalem Obst und Gemüse oder sie reaktivierten gemeinsam mit ihrer Gemeinde eine Gastwirtschaft.
Mit diesen Akteur:innen führte sie Gespräche über deren persönliche Motivation, aber auch darüber, unter welchen Rahmenbedingungen die Aktivierung stattgefunden hat: Projektdauer, Eigentumsverhältnisse, Zustand der Immobilie, Nutzungsmöglichkeiten. Die Ergebnisse hielt sie in Steckbriefen fest, die zeigen, was den Kern jeder Reaktivierung ausmacht.
Vom Impuls zum Netzwerk
Die Präsentation von Keresztes‘ Ergebnissen fand im passenden Rahmen statt: in der Spezerei in Weibern, einer ehemaligen Postfiliale, die heute ein monatliches Regionalladencafé beherbergt. Im Zentrum der Diskussion standen fehlende Treffpunkte in Ortskernen, erfolgreiche Leerstandsaktivierungen und die Wünsche an ein regionales Leerstandsmanagement.
Genau das, was Keresztes erreichen wollte, trat ein: Die Veranstaltung wurde zum Austausch und zur Verknüpfung genutzt. „Jemand, der die Menschen direkt anspricht und in den Prozess einbindet – das macht etwas mit den Leuten. Sie beginnen dann selbst nachzudenken“, freut sich LEADER-Manager Christoph Mader über das Ergebnis der Zusammenarbeit mit der RURASMUS-Studentin.
Was ist das Aufs-Land-Semester von RURASMUS?
Das RURASMUS-Programm, dessen Name sich aus den Begriffen „rural“ und „Erasmus“ zusammensetzt, verbindet den ländlichen Raum mit der Idee des seit mehreren Jahrzehnten bestehenden europäischen Erasmus-Studierendenaustauschprogramm. Bei Erasmus gehen die Studierenden in die Metropolen, bei RURASMUS verbringen sie ein Semester in einer ländlichen Gemeinde. Sie beschäftigen sich mit konkreten lokalen Zukunftsfragen – gemeinsam mit Politik, Verwaltung und engagierten Menschen vor Ort.
Was haben Gemeinden und Regionen davon?
„Die RURASMUS-Studierenden kommen nicht als ‚Besserwisser‘, sondern als Forschende in die Gemeinde und blicken über Tellerränder. Sie bringen ihren frischen Blick von außen mit, unterstützen mit neuen Methoden und eröffnen neue Perspektiven für bekannte Herausforderungen in Gemeinden. Gleichzeitig lernen junge Menschen den ländlichen Raum als Gestaltungs- und Arbeitsort und somit als attraktiven Zukunftsraum kennen“, so Roland Gruber, Vorsitzender des RURASMUS Forschungsinstituts.
Wer kann mitmachen?
Gemeinden und Regionen, die an einem RURASMUS-Semester interessiert sind, finden Informationen auf der Website oder können direkt Kontakt aufnehmen. Es werden laufend neue Partner aufgenommen.
office@rurasmus.eu