Sandra Frank
„Partizipative Planung ermöglicht es, die vielfältigen Perspektiven zu integrieren und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die im Alltag wirklich funktionieren“, sagt Architekturstudentin Sandra Frank. Ihre Hündin Koda begleitete sie während ihres RURASMUS-Semesters in Taufkirchen.
© RURASMUS

Aufs-Land-Semester für Studierende

Zukunftspicknick: Ein neues Kirchplatz‘l für Taufkirchen

9. Juni 2026
In der oberösterreichischen Gemeinde Taufkirchen an der Trattnach erforschte Architekturstudentin Sandra Frank von der FH Kärnten im Rahmen ihres RURASMUS-Semesters, wie der zentral gelegene Parkplatz neben der Kirche wieder zu einer lebendigen Ortsmitte werden kann. Unter Beteiligung der Bevölkerung entwickelte sie ein Konzept zur Neugestaltung des „Kirchplatzls”, um aus der vernachlässigten Fläche wieder einen Treffpunkt für alle Taufkirchner:innen zu machen.
Studentin Sandra Frank gemeinsam mit ihrem RURASMUS-Buddy Rudi Burgstaller. „Bei Sandras Abschlusspräsentation kamen fast 100 Menschen aus dem Ort zusammen. Das hat wirklich etwas ausgelöst. Für Gemeinden, die etwas bewegen wollen, ist RURASMUS eine echte Chance“, sagt Burgstaller.

Die Gemeinde Taufkirchen an der Trattnach steht vor einer Frage, die viele Ortszentren in ländlichen Regionen kennen: Was tun mit einer zentralen Fläche, die ihr Potenzial verloren hat? Wo einst die alte Volksschule und das Kaufhaus mitten im Ort standen, befindet sich heute eine provisorische Parkfläche. Seitdem die beiden Gebäude abgebrochen wurden, verhinderten fehlende finanzielle Mittel eine Weiterentwicklung. Mit dem Kirchplatzl schlummert mitten im Ort eine rund 2.000 Quadratmeter große Potenzialfläche, die mit den Ideen von Architekturstudentin Sandra Frank neu belebt werden soll.

Fragen statt Antworten

Sandra Frank brachte genau jenen Blick von außen mit, den es für solche Themen braucht. Bei ihrer ersten Auseinandersetzung mit dem Ort entwickelte sie drei Leitfragen, die den Rahmen für ihr RURASMUS-Projekt bildeten: Wie kann der Raum rund um die Kirche zu einem generationsübergreifenden Mittelpunkt werden? Welche Nutzungen fehlen im Ort und könnten hier Platz finden? Und wie lassen sich Aufenthaltsqualität, Identität und Alltagstauglichkeit verbinden? Bevor sie selbst Antworten suchte, wollte sie die Menschen vor Ort hören.

Zukunftspicknick
= Beim Zukunftspicknick am Kirchplatzl diskutierten Bürger:innen aller Altersgruppen gemeinsam mit Vertreter:innen der Landjugend und des Gemeinderats über die Zukunft des Ortszentrums von Taufkirchen an der Trattnach. 

Wo einst Autos standen

Um möglichst viele Stimmen der Bevölkerung zu erfassen, lud Sandra Frank jeden Haushalt persönlich zum Zukunftspicknick ein. Das offene Beteiligungsformat fand direkt am Kirchplatzl statt. 

Der Parkplatz wurde dafür eigens gesperrt. Ein symbolischer Schritt, der zeigte, dass dieser Ort mehr sein kann als eine Abstellfläche. Mit ausgelegten Luftbildern und Plänen zum Einzeichnen entstanden lebhafte Diskussionen. Dabei zeigte sich, dass die Wünsche der Bevölkerung über den Kirchplatzl hinausreichten. Der Wunsch nach mehr Grünflächen, Begrünung und Sitzgelegenheiten war ebenso präsent wie die Erkenntnis, dass auch angrenzende Leerstände in die Planung miteinbezogen werden sollten.

Grundlage für die Zukunft

Die Ergebnisse des Zukunftspicknicks flossen direkt in den Entwurf ein. Das entstandene Konzept reicht vom Möbel über die Außenraumgestaltung bis hin zu einer möglichen Bebauung und liegt der Gemeinde nun als Grundlage für künftige Planungsschritte vor. „Sandra hat bei uns etwas angestoßen. Sie hat Ideen eingebracht, die nicht nur auf dem Papier gut aussehen, sondern die wir auch umsetzen können“, sagt Rudi Burgstaller, Gemeinderat und RURASMUS-Buddy von Sandra.

Was ist das Aufs-Land-Semester von RURASMUS? 

Das RURASMUS-Programm, dessen Name sich aus den Begriffen „rural“ und „Erasmus“ zusammensetzt, verbindet den ländlichen Raum mit dem etablierten Erasmus-Studierendenaustauschprogramm. Studierende verbringen ein Semester in einer ländlichen Gemeinde. Sie beschäftigen mit konkreten lokalen Zukunftsfragen – gemeinsam mit Politik, Verwaltung und engagierten Menschen vor Ort.

Was haben Gemeinden und Regionen davon?
Studierende kommen nicht als „Besserwisser“, sondern als Forschende in die Gemeinde. Sie bringen Methoden und Know-how mit. Ihr Beitrag soll die Gemeinden unterstützen.  
In kleinen Verwaltungen sind viele Strukturen historisch gewachsen. Der Blick von außen hilft, frischen Wind in bekannte und festgefahrene Herausforderungen zu bringen. 
Gleichzeitig lernen junge Menschen den ländlichen Raum als Gestaltungs- und Arbeitsort kennen.

Wer kann mitmachen?
Gemeinden und Regionen, die an einem RURASMUS-Semester interessiert sind, finden Informationen auf der Website oder können direkt Kontakt aufnehmen. Es werden laufend neue Partner aufgenommen.

www.rurasmus.eu
office@rurasmus.eu