Die 1. RURASMUS-Konferenz „Zam Zam Zam“ rückte das neue Modell einer Zusammenarbeit von Gemeinden, Wissenschaft und Studierenden ins Licht der Öffentlichkeit.
© Christoph Kleinsasser
Frische Impulse für die Zukunftsgestaltung ländlicher Gemeinden
Wie können Gemeinden in Zeiten knapper Ressourcen neue Handlungsspielräume gewinnen? Die erste RURASMUS-Konferenz zeigte, welchen Mehrwert Studierende im Rahmen eines „Aufs-Land-Semesters“ für die kommunale Entwicklung schaffen. Gemeinden, Wissenschaft und Studierende diskutierten darüber, welche Chancen sich dadurch für die Zukunft des ländlichen Raums ergeben.
Die Gemeinden im ländlichen Raum stehen vor großen Herausforderungen. Leerstände in Ortskernen, der Druck auf Boden und Landschaft, Fragen rund um Mobilität, Klimawandelanpassung und leistbares Wohnen beschäftigen viele Gemeinderät:innen und Bürgermeister:innen tagtäglich. Doch oft fehlt im kommunalen Alltag das, was für echte Veränderung nötig wäre: Zeit zum Nachdenken, Raum für Experimente und Personen, die mit frischem Blick auf vermeintlich Offensichtliches schauen.
Genau hier setzt RURASMUS an – ein Programm, das Gemeinden und Studierende im Rahmen eines Aufs-Land-Semesters zusammenbringt. Fünf Jahre Erfahrung zeigen, dass wenn junge Menschen für ein Semester vor Ort leben und arbeiten, entstehen Ideen und Lösungsvorschläge, die Gemeinden konkret weiterbringen und gleichzeitig eine neue Beziehung von jungen Menschen zum ländlichen Raum schaffen.
Die 1. RURASMUS-Konferenz „Zam Zam Zam“, die am 20. November 2025 im Offenen Kulturhaus Vöcklabruck stattfand, rückte das neue Modell einer Zusammenarbeit von Gemeinden, Wissenschaft und Studierenden ins Licht der Öffentlichkeit.
Zukunft gestalten, bevor der erste Plan entsteht
Auftakt der Konferenz war eine Baukultur-Projektwerkstatt, die ein praxisnahes Thema in den Mittelpunkt rückte, das in kommunalen Abläufen oft keine Aufmerksamkeit erhält: die „Phase Minus 1“.
„Wir meinen damit jene Phase, die vor dem eigentlichen Planungsauftrag liegen sollte“, so Isabel Stumfol, Vorstand bei RURASMUS und Teil des Projektteams „Baukultur geht Aufs Land Semester“, das vom BMWKMS, Sektion Kunst & Kultur, gefördert wurde. „Viele Konflikte lassen sich vermeiden, wenn Ziele und Erwartungen frühzeitig geklärt werden und nicht erst in der Detailplanung, wenn grundlegende Entscheidungen faktisch schon gefallen sind. Das gilt auch für Beteiligungsprozesse“, so Stumfol.
Unter der Leitfrage „Wie gelingt gemeinsames Denken und eine Zieldefinition am Anfang?“ wurden Ideen gesammelt und Lösungsvorschläge diskutiert. „Wer die Phase Minus Eins bewusst gestaltet, schafft Orientierung, erhöht die Akzeptanz vor Ort und legt die Basis für tragfähige Lösungen“, so Katharina Spanlang vom Verein Leischn und Teil des Projektteams, über die Ergebnisse des Workshops.
Menschen als Expert:innen ihres Lebensraums
Anschließend sprach Elisabeth Leitner über die Relevanz von Baukultur im ländlichen Raum. Sie forscht an der Technischen Universität zu „Bau- und Planungskultur im ländlichen Raum“ und ist Mitgründerin von RURASMUS. Leitner fordert ein neues Verständnis für Bestand – nicht als Altlast, sondern als Ressource für die Zukunft. Planerische Arbeit dürfe sich nicht in Paragrafen erschöpfen, sondern müsse soziale, ökologische und emotionale Aspekte vereinen. „Wir brauchen Umbauordnung, statt Bauordnung“, so ihr Plädoyer. Ihr Vorschlag dazu ist ein „Gebäudetyp E“, wobei das „E“ für „Einfach“ oder „Experimentell“ steht und in Deutschland bereits bald eingeführt werden soll.
Gleichzeitig sprach sie sich für eine neue Form der Beteiligung aus, die über klassische Planungsverfahren hinausgeht. Die Zukunft gehört laut Leitner der „Allianz von Alltagswissen und Fachkompetenz“ in der Bürger:innen als Expert:innen ihres Lebensraums anerkannt werden.
Ins Tun kommen statt Problemtrance
In seinem Impuls spannte Günther Humer, Leiter des Referats Regionale Zukunftsgestaltung beim Land Oberösterreich, den Bogen von großen Zukunftsbildern hin zum konkreten Handeln in Gemeinden und stellte dazu klar: „Gemeinwesen, Regionen, Gemeinden funktionieren nicht wie ein Motorrad, sondern wie lebendige Organismen. Entwicklung lässt sich nicht einfach steuern, sondern braucht Rahmenbedingungen, in denen Selbstorganisation möglich wird“, so Humer. Entscheidend ist für ihn, aus der „Problemtrance“ auszusteigen und konsequent auf vorhandene Potenziale zu schauen. Orientierung gebe dabei der Blick aufs größere Ganze – etwa durch Megatrends und die SDGs – und gleichzeitig eine Beteiligungskultur, die nicht bei Ideen bleibt, sondern rasch ins Tun führt. Denn erst wenn Menschen Verbundenheit und Selbstwirksamkeit erleben, entsteht die Energie, Veränderung langfristig als Prozess zu tragen.
Aufs-Land-Semester in der Praxis
Highlight der Konferenz war das sogenannte Impulsfeuerwerk von Gemeindevertretern und Studierenden, die bereits am RURASMUS-Programm teilgenommen haben. Sie berichteten von Ergebnissen, Erfahrungswerten und davon, was vier Monate intensive Arbeit vor Ort für strategische Entscheidungen in Gemeinden bewirken können.
Lukas Hegendörfer analysierte in St. Konrad (Oberösterreich) die Zukunft von leerstehenden Vierkanthöfen und sensibilisierte die Gemeinde für die Bedeutung dieser einzigartigen Bautypologie. Sein Projekt führte zu einem Umdenken in der Gemeindepolitik: Statt Abriss nun Umbau – mit neuem Nutzungskonzept. Der anwesende Bürgermeister Herbert Schönberger machte den Kern der Zusammenarbeit greifbar: „Danke Lukas, du hast mir meinen Horizont erweitert.“
Chantal Zankow entwickelte für und mit der Stadtgemeinde Althofen (Kärnten) ein integriertes Grünraumkonzept. Sie verknüpfte Natur, Tourismus und Lebensqualität, identifizierte Potenziale und erarbeitete konkrete Gestaltungsvorschläge – etwa für jugendgerechte Freiräume oder neue Wanderwege.
Lena Keresztes, Sandra Frank und Charlotte vom Kolke forschten im Rahmen ihres Aufs-Land-Semesters in der LEADER-Region Mostlandl-Hausruck (Oberösterreich) zu den Themen Regionales Leerstandsmanagement, Ortskernentwicklung und Bürgerbeteiligungspraxis. Daraus entstanden wertvolle Gestaltungs- und Umsetzungsideen.
Semesters in der LEADER-Region Mostlandl-Hausruck (Oberösterreich) zu den Themen Regionales Leerstandsmanagement, Ortskernentwicklung und Bürgerbeteiligungspraxis forschten.
Martin Dammayr, Bürgermeister von Michaelnbach, freut sich: „Charlotte hat sich unglaublich schnell und aktiv in unsere Gemeinde eingefügt – das war richtig erfrischend! Sie hat sich mit großem Engagement in Vereine und Organisationen eingebracht und war überall dort, wo etwas los war. Dieses Engagement hat nicht nur spürbare Impulse gesetzt, sondern auch dazu geführt, dass sie sich entschieden hat, nach dem RURASMUS-Semester bei uns zu bleiben und in der Region zu arbeiten.“
Europäisches Aufs-Land-Semester als Vision
Die RURASMUS-Semester wurden von Teilnehmenden als „Mikrowerkstätten der Zuversicht“ beschrieben. Aus kleinen, konkreten Projekten entsteht Vertrauen, Beteiligung und letztlich Transformation. Die abschließende Diskussion zeigte, dass sich aus diesem partizipativen Spirit eine europäische Vision entwickeln lässt.
Roland Gruber, Mitgründer und RURASMUS-Vorstand, präsentierte die europäische Mission: „Stellt euch vor, in jeder der rund 140.000 Gemeinden Europas lebt jedes Semester ein junger, motivierter Mensch, der eine wesentliche Aufgabe für die Zukunft bearbeitet. Das würde eine enorme Kraft in die Entwicklung des Lebensraums Land bringen. Unsere Vision ist es, ein europäisches Austauschprogramm für den ländlichen Raum, getragen von Gemeinden, Hochschulen und Studierenden gleichermaßen langfristig zu schaffen.“
Was ist das Aufs-Land-Semester von RURASMUS?
Das RURASMUS-Programm, dessen Name sich aus den Begriffen „rural“ und „Erasmus“ zusammensetzt, verbindet den ländlichen Raum mit dem etablierten Erasmus-Studierendenaustauschprogramm. Studierende verbringen ein Semester in einer ländlichen Gemeinde. Sie beschäftigen mit konkreten lokalen Zukunftsfragen – gemeinsam mit Politik, Verwaltung und engagierten Menschen vor Ort.
Was haben Gemeinden und Regionen davon?
Studierende kommen nicht als „Besserwisser“, sondern als Forschende in die Gemeinde. Sie bringen Methoden und Know-how mit. Ihr Beitrag soll die Gemeinden unterstützen.
In kleinen Verwaltungen sind viele Strukturen historisch gewachsen. Der Blick von außen hilft, frischen Wind in bekannte und festgefahrene Herausforderungen zu bringen.
Gleichzeitig lernen junge Menschen den ländlichen Raum als Gestaltungs- und Arbeitsort kennen.
Wer kann mitmachen?
Gemeinden und Regionen, die an einem RURASMUS-Semester interessiert sind, finden Informationen auf der Website oder können direkt Kontakt aufnehmen. Es werden laufend neue Partner aufgenommen.
www.rurasmus.eu
office@rurasmus.eu
Das RURASMUS-Programm, dessen Name sich aus den Begriffen „rural“ und „Erasmus“ zusammensetzt, verbindet den ländlichen Raum mit dem etablierten Erasmus-Studierendenaustauschprogramm. Studierende verbringen ein Semester in einer ländlichen Gemeinde. Sie beschäftigen mit konkreten lokalen Zukunftsfragen – gemeinsam mit Politik, Verwaltung und engagierten Menschen vor Ort.
Was haben Gemeinden und Regionen davon?
Studierende kommen nicht als „Besserwisser“, sondern als Forschende in die Gemeinde. Sie bringen Methoden und Know-how mit. Ihr Beitrag soll die Gemeinden unterstützen.
In kleinen Verwaltungen sind viele Strukturen historisch gewachsen. Der Blick von außen hilft, frischen Wind in bekannte und festgefahrene Herausforderungen zu bringen.
Gleichzeitig lernen junge Menschen den ländlichen Raum als Gestaltungs- und Arbeitsort kennen.
Wer kann mitmachen?
Gemeinden und Regionen, die an einem RURASMUS-Semester interessiert sind, finden Informationen auf der Website oder können direkt Kontakt aufnehmen. Es werden laufend neue Partner aufgenommen.
www.rurasmus.eu
office@rurasmus.eu