Blick auf ein Dorf
Nicht jede Gemeinde ist gleich. Pauschale Lösungen scheitern daher oft.
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Ein Projekt sucht Antworten für den ländlichen Raum

23. Juni 2026
Ländliche Regionen in Europa befinden sich im Wandel. Bevölkerungsverschiebungen, digitale Veränderungen und wirtschaftliche Umbrüche prägen viele Gemeinden. Das EU-Forschungsprojekt RURALITIC will verstehen, was diese Regionen lebens- und arbeitswert macht, und konkrete Grundlagen für politische Entscheidungen schaffen. Die Universität für Weiterbildung Krems ist an dem Projekt beteiligt.

„Ländlich" ist kein einheitlicher Begriff. Manche Regionen wachsen, andere verlieren Bevölkerung. Manche profitieren von der Nähe zu Städten, andere kämpfen mit Abwanderung und Überalterung. RURALITIC will diesen Unterschieden gerecht werden. Dafür entwickelt das Projekt eine neue Typologie ländlicher Räume, die neben wirtschaftlichen und räumlichen auch soziale Faktoren berücksichtigt: Lebensstile, Geschlecht, Erwerbsformen und Wohlbefinden. „Es geht nicht nur um statistische Kategorien, sondern auch um Wahrnehmungen, soziale Gruppen und die Dynamiken vor Ort“, sagt Lydia Rössl-Grobbauer von der Universität für Weiterbildung Krems.

Die Covid-19-Pandemie hat laut Rössl-Grobbauer deutlich gemacht, wie verletzlich manche Regionen sind. Besonders in der Landwirtschaft fehlten plötzlich saisonale Arbeitskräfte. Das habe gezeigt, wie stark bestimmte Wirtschafts- und Versorgungssysteme von Mobilität und Arbeitsmigration abhängen.

Orientierung für Gemeinden und Politik

Die Universität für Weiterbildung Krems leitet im Rahmen von RURALITIC das Arbeitspaket zu Governance und Public Policy. Das Team analysiert, welche politischen Handlungsspielräume ländliche Räume haben, wer an Entscheidungsprozessen beteiligt ist und wie vorhandene Kapazitäten genutzt werden. Interviews und Fokusgruppen mit Expertinnen und Experten, politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern sowie lokalen Akteurinnen und Akteuren liefern dafür die Grundlage.

Als konkrete Ergebnisse sind eine öffentlich zugängliche „Rural Attractiveness Policy Database“ sowie eine „Library of Initiatives" geplant. Beides soll Gemeinden und Verwaltungen Orientierung geben, welche Maßnahmen in vergleichbaren Regionen wirken.

Was ländliche Regionen attraktiv macht

Eine zentrale Frage des Projekts ist, was den ländlichen Raum als Lebens- und Arbeitsort attraktiv macht. Dazu zählen Faktoren wie Arbeitsmarkt, Bildungsangebote, Verkehrsanbindung, digitale Infrastruktur, kulturelles Leben und Landschaftsqualität. Welche dieser Faktoren besonders wichtig sind, hängt von den jeweiligen regionalen Bedingungen ab. „Wenn wir ländliche Entwicklung und Attraktivität ernsthaft stärken wollen, brauchen wir ein viel breiteres Verständnis dafür, welche Maßnahmen und Initiativen tatsächlich wirken und warum", so Rössl-Grobbauer.

Wanderungsbewegungen sichtbar gemacht

Das Projektteam hat auch das Online-Tool „PopFlows“ entwickelt. Es zeigt Migrations- und Mobilitätsdaten aus zehn europäischen Ländern, darunter Österreich, und deckt je nach Land einen Zeitraum von bis zu drei Jahrzehnten ab. Für Österreich zeigt sich: Städte und gut erreichbare Umlandregionen wachsen, abgelegenere Gebiete stehen demografisch stärker unter Druck.

Besonders deutlich ist diese Entwicklung im Raum Wien und Niederösterreich. Wien bleibt ein zentrales Ziel für Ausbildung, Arbeit und internationale Zuwanderung. Gleichzeitig zieht es viele Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohner in das Umland, vor allem nach Niederösterreich.

Interdisziplinäre Methoden

RURALITIC verbindet Geografie, Soziologie, Ökonomie und Politikwissenschaft. Fallstudien, Befragungen, quantitative Analysen und räumliche Projektionen ergänzen sich. Ziel ist nicht nur eine Beschreibung von Entwicklungen, sondern eine belastbare Grundlage für künftige Förderinstrumente, Infrastrukturprogramme und Integrationsmaßnahmen. 

Das Projekt läuft von Jänner 2025 bis Dezember 2028 und wird von der EU im Rahmen von Horizon Europe gefördert. Koordiniert wird es vom französischen Forschungsinstitut INRAE.

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