Gemeindebundpräsident Johannes Pressl, Eva Zirkler, Geschäftsführerin des GDA Amstetten, und Martin Leonhardsberger, Obmann des GVU Melk und Bürgermeister der Gemeinde Mank
Gemeindebundpräsident Johannes Pressl, Eva Zirkler, Geschäftsführerin des GDA Amstetten, und Martin Leonhardsberger, Obmann des GVU Melk und Bürgermeister der Gemeinde Mank, erläuterten die Vorteile von Gemeindekooperationen.

Gemeindeverbände helfen beim Sparen

24. Februar 2026
Steigende Kosten, wachsende Aufgaben und zunehmende rechtliche Anforderungen setzen Österreichs Gemeinden massiv unter Druck. Der Gemeindebund setzt daher auf eine konsequente Stärkung der interkommunalen Kooperation, um Leistungen effizient zu bündeln und Gemeinden spürbar zu entlasten. Wie das in der Praxis funktioniert, zeigen erfolgreiche Beispiele aus den Bezirken Amstetten und Melk.

Steigende Kosten, immer mehr Aufgaben und wachsende rechtliche Anforderungen bringen viele Gemeinden unter Druck. Gleichzeitig erwarten Bürgerinnen und Bürger zu Recht, dass Leistungen vor Ort verlässlich funktionieren – von Kinderbetreuung und Wasserversorgung, über Abfallwirtschaft & Gebühren bis hin zu Digitalisierung und Infrastruktur.

Jede Gemeinde in Österreich arbeitet mit ihrer Nachbargemeinde zusammen – über Schul- und Standesamtsverbände, Musikschulen, Kinderbetreuung, Wasser/Abwasser, Bauhöfe oder gemeinsame Beschaffung. 

„Kooperation gibt es seit Jahrzehnten – und wir wollen sie jetzt systematisch stärken und rechtlich vereinfachen. Unser Ziel: Mehrzweck-Dienstleistungsverbände als Angebot in allen Bezirken in ganz Österreich, die Gemeinden je nach Bedarf Leistungen, wie Buchhaltung, Abgabeneinhebung, IT-Dienstleistungen usw. abnehmen können“, betont Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl. Für ihn ist Kooperation auch die richtige Antwort auf den immer wieder aufkommenden Ruf nach Zusammenlegungen: „Wir sagen ganz klar: Die Gemeinde ist nicht die kleinste Verwaltungseinheit. Sie ist demokratiepolitischer Nahversorger und Heimat. Zusammenarbeiten statt zusammenlegen – das ist unser Zugang mit Hausverstand. Zwangszusammenlegungen lösen kein Finanzproblem: Aus drei finanzschwachen Gemeinden wird nicht automatisch eine finanzstarke.“

Im Rahmen eines Pressegesprächs stellt der Gemeindebund zwei konkrete Modelle vor, die zeigen, wie Kooperation in der Praxis läuft – und warum sie Gemeinden spürbar entlastet.

Beispiel 1: GDA Amstetten 

Der Gemeinde Dienstleistungsverband Region Amstetten für Umweltschutz und Abgaben (GDA Amstetten) bündelt Leistungen für 38 Mitgliedsgemeinden (je nach Bereich bis zu 47 Gemeinden) mit insgesamt 29 Mitarbeitern. 

Der Verband zeigt, wie breit Kooperation aufgestellt sein kann: von der Abfallwirtschaft mit Hausabholung, Sammelzentren und Logistik über Abgabeneinhebung und Verwaltungsleistungen zur Entlastung der Gemeindeämter und rechtssicheren Abwicklung bis hin zu Digitalisierung (etwa WebGIS als gemeinsame Infrastruktur) sowie Energie- und Klimaleistungen wie Energiebuchhaltung. 

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Ausbau von Breitband und Glasfaser – als ländliche Infrastruktur in öffentlicher Hand und als offenes Netz. „Unsere Aufgabe ist es, Gemeinden professionell zu entlasten – damit vor Ort wieder mehr Zeit für das bleibt, was nur die Gemeinde kann: Nähe, Service, Verantwortung“, sagt Eva Zirkler, Geschäftsführerin des GDA Amstetten. „Kooperation ist für uns kein Projekt, sondern ein funktionierendes Betriebsmodell.“

Beispiel 2: GVU Melk 

Der Gemeindeverband für Umweltschutz und Abgabeneinhebung im Bezirk Melk (GVU Melk) umfasst alle 40 Gemeinden im Bezirk sowie zusätzlich fünf Gemeinden außerhalb. Der Verband betreut rund 80.000 Einwohner, etwa 33.000 Haushalte und arbeitet mit 28 Mitarbeitern. Das Modell steht auf drei Säulen: Abgabeneinhebung, Abfallwirtschaft und Gemeindedienstleistungen.

Der größte Einsparungshebel liegt in der Abgabeneinhebung: Kooperation bringt Gebührengerechtigkeit für die Bürgerinnen und Bürger und spürbare Kostenvorteile für Gemeinden, weil Prozesse professionalisiert und Daten laufend aktuell gehalten werden. Gleichzeitig entlastet der Verband seine Mitgliedsgemeinden bei neuen gesetzlichen Anforderungen: Ob Datenschutzgrundverordnung, Informationsfreiheitsgesetz oder Energieeffizienzgesetz – der GVU schnürt dafür ein Dienstleistungspaket, damit nicht jede Gemeinde das Rad neu erfinden muss.

„Kooperation heißt für uns: einheitliche Standards, professionelle Abläufe und echte Entlastung – ohne, dass jede Gemeinde alles allein stemmen muss. Wenn Leistungen gebündelt vergeben werden, entstehen bessere Konditionen als bei Einzelbeauftragungen – etwa bei Homepages, WebGIS, Spielplatzüberprüfungen, Baumkontrollen oder Wildbachbegehungen“, sagt Martin Leonhardsberger, Obmann des GVU Melk und Bürgermeister von Mank. „Das Ergebnis ist spürbar: weniger Reibungsverluste, mehr Planbarkeit und stabilere Kosten.“

Kooperation als Erfolgsrezept

„Wie viel Kooperation bringen kann, zeigt sich auch in meiner eigenen Gemeinde Ardagger“, sagt Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl. „Wir lassen die Einhebung wichtiger Abgaben – von Grundsteuer über Wasser und Kanal bis zur Kommunalsteuer – über eine gemeinsame Struktur abwickeln. 

Das jährliche Aufkommen liegt bei rund 1,6 Millionen Euro. Früher hatten wir dafür deutlich höhere Verwaltungskosten, heute liegen wir bei rund zwei Prozent. Das ist jedes Jahr ein sechsstelliger Betrag, der nicht in Bürokratie fließt, sondern direkt in Leistungen für die Menschen vor Ort.“

Blick nach vorne: Kooperationen erleichtern

Der Gemeindebund will die Kooperation der Gemeinden systematisch stärken und rechtlich vereinfachen – mit einem klaren Zielbild: Mehrzweck-Dienstleistungsverbände als Angebot in allen Bezirken, die Gemeinden je nach Bedarf Leistungen wie Buchhaltung, Abgaben, IT, technische Dienste oder Prüf- und Kontrollaufgaben bündeln können. Damit eine verstärkte interkommunale Zusammenarbeit gelingt, müssen bestehende Barrieren abgebaut werden – insbesondere umsatzsteuerliche Hürden.

„Kooperation stärkt Heimat: Der Service bleibt nah – die Leistung wird professioneller“, betont Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl. „Die Menschen wollen, dass es funktioniert – verlässlich, leistbar und transparent. Genau das liefern Gemeindeverbände: Bündelung von Know-how, Standards und Infrastruktur – ohne dass Gemeinden ihre Identität verlieren.“