Hofer ist mit 220 Standorten weiterhin der häufigste Filialist in Fachmarktagglomerationen.
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Wirtschaft
Fachmarktgebiete bleiben wichtig, stehen aber unter Druck
Österreich zählt derzeit 300 Fachmarktagglomerationen. Dazu gehören Fachmarktgebiete und Retail Parks. Gemeinsam verfügen sie über 6,58 Quadratkilometer Verkaufsfläche. Aktiv genutzt werden davon 5,91 Quadratkilometer.
Die Zahl der Standorte ist gestiegen. Gleichzeitig ist die Gesamtfläche zuletzt leicht gesunken. Ein wichtiger Grund dafür sind Leerstände nach der Insolvenz von kika/Leiner
In den Fachmarktagglomerationen wurden 9.124 Geschäftsflächen gezählt. Davon stehen 683 leer. Die Leerstandsquote liegt damit bei 10,2 Prozent. Das ist laut einer Studie der STANDORT + MARKT Beratungsgesellschaft der höchste Wert seit Beginn der Erhebung.
Besonders betroffen sind klassische Fachmarktgebiete. Dort liegt die Leerstandsquote bei 11 Prozent. Retail Parks bleiben mit rund 4 Prozent deutlich stabiler.
Alltagseinkauf gewinnt an Bedeutung
Der Branchenmix verändert sich. Lebensmittel- und Drogeriemärkte werden wichtiger. In Fachmarktgebieten hat sich der Anteil des Kurzfristbedarfs seit 2004/2005 von 11 auf 21 Prozent fast verdoppelt. In Retail Parks stieg er von 15 auf 23 Prozent.
Die Modebranche verliert dagegen an Bedeutung. Auch große Möbelhäuser prägen viele Standorte weniger stark als früher. Baumärkte haben Einrichtungshäuser bei der Verkaufsfläche erstmals überholt.
Diskonter prägen die Standorte
Diskonter bleiben ein wichtiger Teil der Fachmarktgebiete und Retail Parks. Hofer ist mit 220 Standorten weiterhin der häufigste Filialist in Fachmarktagglomerationen. Danach folgen dm, Billa und kik.
Woolworth legte zuletzt stark zu. Auch Action und TEDi wachsen. Dagegen gingen bei kik, Hervis und Depot Filialen verloren.
Marktanteil leicht gesunken
Fachmarktagglomerationen binden weiterhin rund 26 Prozent der einzelhandelsrelevanten Kaufkraft. 2023/24 waren es 26,7 Prozent. Der Rückgang hängt vor allem mit Leerständen und strukturellen Veränderungen zusammen.
Trotzdem bleibt ihre Rolle im Handel groß. Ihr Umsatzpotenzial im Einzelhandel liegt bei 18,4 Milliarden Euro. Einschließlich einzelhandelsnaher Angebote sind es 20,1 Milliarden Euro.
Revitalisierung statt Neubau
Brigitte Moser und Roman Schwarzenecker von STANDORT + MARKT betonen in der Studie: „Die Zukunft der Fachmarktagglomerationen liegt weniger in der Flächenexpansion als in der Optimierung bestehender Areale.“ Ein Großteil der Handelsentwicklung findet bereits auf revitalisierten Standorten statt – ein Trend, der auch raumplanerischen Zielsetzungen zur Reduzierung von Bodenversiegelung entspricht. Die gesamte Fachmarktagglomeration-Verkaufsfläche von 6,58 km² entspricht lediglich 0,01 % der österreichischen Landesfläche.
Ausblick
Die sechs zentralen Trends 2025/26 laut Studie:
- strukturelle Marktbereinigung durch kika/Leiner,
- wachsender Kurzfristbedarf,
- Rückgang großflächiger Formate,
- Aufstieg der Diskontformate,
- Revitalisierung statt Neubau sowie
- ein erst beginnender Trend zur Multifunktionalität.
Makroökonomisch bleibt die Konsumstimmung verhalten; die Expansionsbereitschaft vieler Filialisten ist selektiver geworden. Unter den Voraussetzungen flexibler Flächennutzung und weiterer Mischnutzungen sehen die Studienautoren gute Chancen, dass Fachmarktagglomerationen ihre starke Marktstellung im österreichischen Einzelhandel behaupten können.