Dass die Stadt Wien von der Statistik als Bundesland auch allen Gemeinden zugerechnet wird, verzerrt das Bild.
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Finanzen
Gemeinden reduzierten ihr Defizit am stärksten
Die Statistik Austria hat die endgültigen Budgetzahlen für das Jahr 2025 veröffentlicht. Das gesamtstaatliche Defizit lag bei 4,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – besser als erwartet. Ein genauerer Blick in die Detailergebnisse zeigt: Die Gemeinden und Städte ohne Wien haben ihr Defizit deutlich stärker reduziert als alle anderen Ebenen.
Das gesamtstaatliche Defizit lag 2025 bei 21,5 Milliarden Euro – das entspricht 4,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Damit wurde das vom Finanzministerium angestrebte Ziel von 4,5 Prozent sogar noch übertroffen. Im Herbst war noch ein Wert von bis zu 4,9 Prozent befürchtet worden.
Die Staatseinnahmen stiegen 2025 um 4,5 Prozent auf 261,5 Milliarden Euro, die Staatsausgaben erhöhten sich um 3,6 Prozent auf 283 Milliarden Euro. Ausschlaggebend für die günstigere Entwicklung war, dass die Einnahmen kräftiger stiegen als die Ausgaben. Der moderatere Anstieg der Staatsausgaben war geprägt durch eine geringere inflationsbedingte Anpassung der Löhne und Gehälter im öffentlichen Dienst und Rückgänge krisenbedingter Maßnahmen, erklärte Manuela Lenk, Generaldirektorin der Statistik Austria.
Die Staatsschuldenquote stieg von 80 auf 81,5 Prozent des BIP, blieb jedoch unter dem EU-Schnitt von 82,8 Prozent. Die Maastricht-Grenze von drei Prozent Defizit ist damit weiterhin deutlich verfehlt.
Gemeinden ohne Wien sparten am meisten
Die Gesamtzahl verdeckt erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ebenen. Betrachtet man die Detailergebnisse, ergibt sich ein differenzierteres Bild – vor allem für die Gemeinden und Städte ohne die Stadt Wien.
Die österreichischen Gemeinden und Städte ohne Wien haben ihr Defizit von 2024 auf 2025 um 25 Prozent reduziert: von –1,2 Milliarden auf –904 Millionen Euro. Der Bund hat sein Defizit im selben Zeitraum um 9 Prozent verringert, die Länder ohne Wien um 1,2 Prozent. Die Stadt Wien hingegen steigerte ihr Defizit um mehr als 31 Prozent – von –1,8 Milliarden auf –2,37 Milliarden Euro.
Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl kritisiert, dass diese Unterschiede in der Gesamtdarstellung der Statistik Austria nicht sichtbar werden. „Im Vergleich mit den anderen Ebenen waren die Gemeinden und Städte ohne Wien die Sparmeister der Nation. Leider ist die Gesamtdarstellung der Statistik Austria, wo die Stadt Wien als Bundesland auch allen Gemeinden zugerechnet wird, irreführend", sagt Pressl.
Pressl fordert Ehrlichkeit bei der Darstellung
Durch die statistische Zuordnung der Stadt Wien zur Gruppe der Gemeinden entsteht in der Gesamtschau der Eindruck, das Defizit der Gemeinden sei gestiegen. Dabei liegt das Defizit allein der Bundeshauptstadt bei –2,37 Milliarden Euro.
Pressl übt deutliche Kritik an dieser Darstellung. „In der Debatte um die Einhaltung des Stabilitätspakts brauchen wir auch Ehrlichkeit in der Darstellung der Zahlen. Seitens der Gemeinden haben wir alles getan, um die Stabilitätspaktkriterien zu erfüllen. Es schmerzt, wenn aufgrund einer irreführenden Darstellung unberechtigte Kritik an den 2.091 Gemeinden ohne Wien geübt wird."
Die Gemeinden und Städte ohne Wien hätten im vergangenen Jahr massiv in Vorleistung gegangen, ihre Budgets durchforstet und in vielen Bereichen gespart. In vielen Gemeinden seien Investitionen zurückgestellt oder gestrichen worden.
Stabilitätspakt als Maßstab
Der Bund konnte sein Defizit von 3,4 auf 3,0 Prozent des BIP reduzieren, die Länder ohne Wien ihres von 0,5 auf 0,4 Prozent. Damit haben alle Ebenen außer Wien Fortschritte in Richtung Stabilitätspakt erzielt. Der Stabilitätspakt regelt die Aufteilung des gesamtstaatlichen Defizits auf Bund, Länder und Gemeinden.
Der Gemeindebund pochte zuletzt darauf, dass die Sparleistung der Gemeinden bei den laufenden Verhandlungen über die Budgetkonsolidierung angemessen berücksichtigt wird. Pressl betont, dass die Kommunen ihre Verantwortung gegenüber dem Steuergeld ernst nähmen – und das auch mit Zahlen belegen könnten.