Manuel Ortlechner
Manuel Ortlechner: „Beim Sport spielen Herkunft, Rasse oder Religion keine Rolle."
© Jürg Christandl

Sport als Aufgabe der Gemeinde

Manuel Ortlechner kennt beide Seiten des Sports. Der gebürtige Innviertler spielte als Profi mehr als 20 Jahre Fußball, vertrat Österreich auf internationalem Niveau und war zuletzt im Top-Management von Austria Wien tätig. Mit 46 Jahren hat er diesen Weg bewusst abgeschlossen – und spricht heute über das, was ihn antreibt: die Rolle des Sports in Gemeinden.

Ortlechner wuchs in einem kleinen Ort im Innkreis auf. Dort gab es ein Athletenheim und einen Fußballverein – und dort zog er seine ersten Fußballschuhe an. Weil kein bestehender Verein zur eigenen Vorstellung passte, gründete er gemeinsam mit seinem Onkel kurzerhand einen neuen. „Das war meine erste echte Heimat", sagt er. „Dort habe ich Zusammenhalt und Zugehörigkeit erlebt."

Dieser Weg führte ihn über den Profifußball bis in die Champions League. Nach seiner aktiven Karriere leitete er Projekte, engagierte sich im Start-up-Bereich und gründete ein Mädchenfußballprojekt mit. Zuletzt war er Sportdirektor bei der Wiener Austria.

Training mit Ortlechner
Manuel Ortlechner lud die Teilnehmenden des Kommunalwirtschaftsforums zum Morgensport.

Sportanlagen, die verfallen

Was Ortlechner bei Besuchen in seiner Heimat beobachtet, bereitet ihm Sorgen. „Mir blutet das Herz, wenn ich heim ins Innviertel fahre und sehe, dass Sportanlagen verkommen oder dass die Kinder gar keine Möglichkeit haben, Fußball zu spielen."

Dabei, so betont er, müsse es kein Luxus sein. Kindern sei es gleichgültig, ob die Anlage perfekt aussehe. Entscheidend sei der Ort der Begegnung – ein Platz, an dem sie sich treffen, bewegen und gemeinsam etwas erleben könnten.

Vereine als gesellschaftlicher Mehrwert

In Österreich gibt es rund 125.000 Vereine, davon etwa 15.000 Sportvereine. Rund 26 Prozent der österreichischen Bevölkerung engagieren sich aktiv in Vereinen. Der gesellschaftliche Mehrwert sei enorm: Jeder investierte Euro bringe ein Vielfaches zurück.

Ortlechner hebt besonders die Bedeutung für Kinder und Jugendliche hervor. Im Sport lernten sie soziale Kompetenzen – Teamfähigkeit, Disziplin, Rücksichtnahme. „Den Kids ist es ja gar nicht wichtig, dass alles glänzt, aber sie brauchen Möglichkeiten, Sport zu machen und sich in den Vereinen zu treffen." Diese Fähigkeiten seien es, die später im Berufsleben zählten.

Integration und Resilienz

Sport funktioniere auch als Integrationsinstrument. „Beim Sport spielen Herkunft, Rasse oder Religion keine Rolle." Am Spielfeld seien alle gleich. Das sei eine der stärksten Botschaften, die Sport vermitteln könne.

Darüber hinaus lernten Kinder und Jugendliche im Sport, mit Niederlagen umzugehen, durchzuhalten und wieder aufzustehen. Diese Resilienz werde in Zukunft immer wichtiger.

Gesundheit und Ehrenamt

Studien zeigen, dass regelmäßige Bewegung die Gesundheitskosten deutlich senken kann. Mehr Bewegung bedeute weniger Krankheiten und weniger Arztbesuche – langfristig eine gesündere Gesellschaft.

Ohne ehrenamtliche Helferinnen und Helfer würde das Vereinssystem nicht funktionieren. Trainerinnen und Trainer, Betreuer und Betreuerinnen sowie Platzwarte seien Vorbilder – sie sorgten dafür, dass Kinder gerne zum Sport kämen.

Was Gemeinden tun können

Ortlechner plädiert für gute – nicht zwingend perfekte – Infrastruktur und engagierte Menschen. Sportstätten seien reale Begegnungsräume, die gerade in einer zunehmend digitalisierten Welt an Bedeutung gewönnen. Sie trügen zur Gesundheit bei, ermöglichten Gemeinschaft und förderten die Persönlichkeitsentwicklung.

Gemeinden hätten dabei eine besondere Verantwortung – für den Nachwuchs, gegen Abwanderung und für ein Zugehörigkeitsgefühl, das Menschen ein Leben lang präge.

Schlagwörter