Soziales
Wenn Nachbarn füreinander da sind
In vielen Gemeinden wächst die Zahl älterer Menschen, während gleichzeitig familiäre Unterstützungsstrukturen schwächer werden. Einpersonenhaushalte nehmen zu, Angehörige sind oft berufstätig oder nicht in der Nähe. Das burgenländische Projekt „Nachbarschaftshilfe Plus" setzt an genau diesem Punkt an: Ehrenamtliche übernehmen einfache, alltägliche Aufgaben – damit ältere Menschen länger selbständig zu Hause leben können.
Das Modell bei einem Workshop am Kommunalwirtschaftsforum präsentierte Projekt ist seit 2014 aktiv. Inzwischen sind 19 Gemeinden beteiligt. Im Jahr 2025 leisteten 592 Freiwillige Unterstützung für 927 Klientinnen und Klienten. Seit dem Start des Projekts wurden insgesamt 100.000 Hilfeleistungen erbracht.
Was das Angebot umfasst
„Die Dienste sind kostenlos und niederschwellig“, erläuterte Projektleiterin Astrid Rainer beim Kommunalwirtschaftsforum. „Freiwillige begleiten ältere Menschen zu Arztbesuchen, Behörden oder zum Einkauf. Sie erledigen Besorgungen wie das Mitbringen von Medikamenten. Sie besuchen Menschen zu Hause – zum Plaudern oder für ein Kartenspiel.“ Es gibt auch Spaziergehdienste, etwa eine Begleitung zur Kirche oder zur nächsten Bank. Dazu kommen Veranstaltungen wie gemeinsame Mittagstische unter dem Titel „Mahlzeit Miteinander" oder das „Bankerlsitzen".
Was das Angebot ausdrücklich nicht umfasst: Pflege und hauswirtschaftliche Dienste. Hier soll kein Ersatz für professionelle Betreuung entstehen, sondern eine Ergänzung im Alltag.
Freiwillige mit klaren Rahmenbedingungen
Im Durchschnitt sind pro Gemeinde 40 Freiwillige aktiv, die meisten davon über 60 Jahre. Die Fluktuation ist niedrig. Das Projekt legt Wert auf klare Spielregeln: Ehrenamtliche entscheiden selbst, was, wann und wie viel sie tun möchten. Sie können jederzeit „Nein" sagen. „Die Ehrenamtlichen sagen, wir brauchen nichts Anderes als ein Danke“, sagt Astrid Rainer.
Für ihre Tätigkeit erhalten die Freiwilligen einen Fahrtkostenersatz von 0,42 Euro pro Kilometer. Sie sind unfall- und haftpflichtversichert. Es gibt eine Basisschulung mit Erste-Hilfe-Kurs sowie regelmäßige Weiterbildungen zu Themen wie Digitalisierung und Gesundheit. Außerdem werden die Freiwilligen von einer Standort-Koordinatorin begleitet und können sich bei Veranstaltungen mit anderen Ehrenamtlichen austauschen. „Die Ehrenamtlichen sagen, wir brauchen nichts Anderes als ein Danke“, sagt Astrid Rainer.
Die Koordination als Dreh- und Angelpunkt
Jede teilnehmende Gemeinde beschäftigt eine angestellte Teilzeitmitarbeiterin mit zehn Wochenstunden. Sie ist die Ansprechperson für Klientinnen, Klienten und Freiwillige. Sie koordiniert die Dienste, dokumentiert die Einsätze, organisiert Veranstaltungen und pflegt Kontakte zu Multiplikatorinnen und Multiplikatoren – etwa Schulen, sozialen Einrichtungen und Ortsteilen. Außerdem ist sie das Bindeglied zwischen Projekt und Gemeindeverwaltung.
Verpflichtende Analysephase vor dem Start
Bevor eine Gemeinde einsteigt, durchläuft sie eine verpflichtende Analysephase von rund einem halben Jahr. In dieser Zeit wird das Projekt dem Gemeinderat vorgestellt, eine Haushaltsbefragung durchgeführt und das soziale Angebot vor Ort erfasst. Die Kosten für diese Phase betragen 2.000 Euro pro Gemeinde. Erst danach entscheidet der Gemeinderat, ob das Projekt umgesetzt wird.
Im ersten Umsetzungsjahr rechnet die Gemeinde mit Eigenmitteln von rund 27.000 Euro. Nach Abzug von Förderungen, Spenden und Sponsoring bleiben laufende Kosten von etwa 17.000 Euro pro Jahr.
Erfolgsfaktoren laut Projektbeschreibung
Als wesentlich für das Gelingen gelten die überparteiliche Unterstützung durch Bürgermeisterinnen, Bürgermeister und Gemeinderat sowie die Bereitschaft zur Zusammenarbeit zwischen Partnergemeinden. Ebenso wichtig: eine gesicherte Finanzierung, die Einbindung in die Landesstrategie und die Auswahl der richtigen Koordinationsmitarbeiterinnen. Wertschätzung im Umgang mit den Freiwilligen wird ausdrücklich als Schlüsselfaktor genannt – sie seien „das Herzstück" des Projekts.