Wanderer im Zillertal
Tirol soll Vorreiter für nachhaltige und gästeorientierte Tourismusmobilität werden.
© Henry Czauderna - stock.adobe.com

Europaweite Suche nach Lösungen für klimafreundliche Anreise und Mobilität

5. Juni 2026
Das Land Tirol startet gemeinsam mit der Tirol Werbung, dem Verkehrsverbund Tirol (VVT) sowie den Unternehmen POINT& und vionmo eine europaweite Initiative für nachhaltige Tourismusmobilität. Unter dem Titel „Mobility & Tourism Innovations Tirol“ werden Unternehmen und Startups gesucht, die marktreife Lösungen für eine klimafreundlichere Anreise und Mobilität vor Ort anbieten. Die Bewerbungsphase läuft bis 13. Juli 2026.

Tirol verfolgt das Ziel, den Tourismus nachhaltiger zu gestalten. Dabei spielt die Mobilität eine zentrale Rolle. Neben dem Transitverkehr tragen auch die Anreisen von Gästen zum Verkehrsaufkommen im Bundesland bei.

Die Initiatoren wollen deshalb Lösungen finden, die eine Anreise ohne eigenes Auto erleichtern und die Mobilität am Urlaubsort verbessern. Im Fokus stehen Angebote, die sowohl Gästen als auch der Bevölkerung zugutekommen.

Laut Mobilitäts- und Nachhaltigkeitslandesrat René Zumtobel sollen intelligente Lösungen helfen, Tirol als Vorbild für klimafreundliche Tourismusmobilität zu positionieren. Dazu zählen etwa Angebote für die sogenannte letzte Meile, der Transport von Gepäck oder einfache digitale Buchungsmöglichkeiten.

Auch Tourismuslandesrat Mario Gerber betont die Bedeutung marktreifer Lösungen, die Reisen einfacher, komfortabler und digitaler machen.

Hoher Anteil an Pkw-Anreisen

Mit knapp 50 Millionen Nächtigungen und 12,8 Millionen Gästen pro Jahr zählt der Tourismus zu den wichtigsten Wirtschaftsfaktoren Tirols. Gleichzeitig zeigt sich der hohe Stellenwert des Autos: Neun von zehn Gästen reisen derzeit mit dem Pkw an.

Als Gründe werden häufig Gepäck, Zeitersparnis und mehr Flexibilität genannt. Die Initiative soll genau an diesen Punkten ansetzen und Lösungen aus Österreich und anderen europäischen Ländern nach Tirol bringen. Geplant sind Pilotprojekte und konkrete Umsetzungen gemeinsam mit Akteuren aus Tourismus, Mobilität und öffentlichem Verkehr.

Eine aktuelle Studie der Tirol Werbung am deutschen Markt zeigt laut Geschäftsführerin Karin Seiler, dass viele Gäste grundsätzlich bereit sind, klimafreundlicher zu reisen. Ein Teil der Befragten würde dafür auch längere Reisezeiten akzeptieren.

Vier Herausforderungen für die Tourismusmobilität

Die Ausschreibung konzentriert sich auf vier Themenbereiche:

  1. Gepäck neu denken: Transport & intelligente Lösungen für stressfreie Reisen
    Gesucht werden umsetzungsreife Angebote, die den Transport, die Aufbewahrung oder das Handling von Gepäck erleichtern. Auch Verleihsysteme für autofreies Reisen können eingereicht werden.
     
  2. Intelligente Last-Mile-Lösungen vor Ort: schnelles, flexibles und emissionsfreies Reisen in Tirol
    Im Mittelpunkt stehen barrierefreie und emissionsfreie Mobilitätsangebote, die Bahnhöfe und andere Verkehrsknoten mit Unterkünften, Ausflugszielen und Tourismusregionen verbinden. Dazu zählen etwa Shuttleangebote, Sharing-Modelle oder On-Demand-Dienste.
     
  3. Informationen von Tür zu Tür: nahtlose Buchung und Wegführung für die gesamte Reise
    Gesucht werden digitale, persönliche oder kombinierte Services, die Informationen, Buchung, Orientierung und Echtzeitdaten entlang der gesamten Reisekette bereitstellen.
     
  4. Wild Card: zusätzliche Lösungen für nachhaltige Tourismusmobilität
    Auch weitere innovative Konzepte können eingereicht werden, wenn sie einen Beitrag zur nachhaltigen Tourismusmobilität leisten und regionale Herausforderungen adressieren.

Vernetzung mit regionalen Partnern

Bewerben können sich Unternehmen und Startups mit marktreifen Lösungen. Die Einreichung erfolgt online über die Projektwebsite. Am 1. Juli 2026 ist eine digitale Informationsveranstaltung geplant, bei der Fragen zur Ausschreibung beantwortet werden.

Ausgewählte Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden am 28. Oktober 2026 zu einem Vernetzungstreffen nach Innsbruck eingeladen. Dort sollen Kontakte zu Organisationen aus den Bereichen Mobilität, Tourismus und öffentlicher Verkehr geknüpft werden. Ziel ist es, geeignete Projekte gemeinsam mit regionalen Partnern weiterzuentwickeln und umzusetzen.

Angebot für Bahnreisende wurde ausgebaut

Tirol arbeitet bereits seit 2012 mit dem Projekt „Tirol auf Schiene“ am Ausbau der Bahnverbindungen für Touristinnen und Touristen. Beteiligt sind das Land Tirol, die Tirol Werbung, die ÖBB, die Deutsche Bahn, die Schweizerischen Bundesbahnen, der Verkehrsverbund Tirol sowie Tourismusverbände.

Nach Angaben des Landes bestehen inzwischen mehr als 400 Direktverbindungen pro Woche aus dem deutschsprachigen Raum nach Tirol. Hinzu kommen täglich fünf Nachtzugverbindungen.

Vor Ort ergänzt der Verkehrsverbund Tirol das Angebot mit rund 350 Regiobuslinien und mehr als 3.300 Bushaltestellen. Auch das Angebot an E-Carsharing und Carsharing wird laufend erweitert. Derzeit gibt es mehr als 50 Standorte im Bundesland.