Arbeiter an einer Maschine
Die Indsustriestrategie nennt den Fachkräftemangel als Problem. In den Schlüsseltechnologien sollen neue Lehrberufe geschaffen werden.
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Wirtschaft

Was die Industriestrategie für Gemeinden bedeutet

20. Januar 2026
Die Bundesregierung hat die „Industriestrategie Österreich 2035“ vorgestellt. Das Papier umfasst sechs Ziele und 114 Maßnahmen. Die Strategie soll die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie stärken und Investitionen unterstützen. Für Gemeinden kann diese Strategie in mehreren Bereichen spürbar werden.

Industrie- und Gewerbebetriebe brauchen Flächen, Zufahrten, Energie und verlässliche Genehmigungen. Gemeinden sind oft die erste Anlaufstelle, wenn neue Betriebe kommen oder bestehende Betriebe erweitern wollen. 

Die Industriestrategie plant vereinfachte Genehmigungsverfahren. Betroffen sind unter anderem das Betriebsanlagenrecht, das allgemeine Verwaltungsverfahren und die Gewerbeordnung. Ein geplantes Schlüsseltechnologie-Beschleunigungsgesetz soll die Verfahrensdauern reduzieren. Wenn Verfahren schneller werden sollen, steigt der Druck, Abläufe gut zu organisieren. Das betrifft Bauverfahren, Raumordnung und Abstimmungen mit Land und Bund.

Neun Schlüsseltechnologien

Die Strategie definiert neun Schlüsseltechnologien und Stärkefelder. Dazu gehören Künstliche Intelligenz, Chips und elektronische Komponenten, fortgeschrittene Produktionstechnologien, Quantentechnologie, neue Werkstoffe, Life-Sciences, Energie- und Umwelttechnologien, Mobilitätstechnologien sowie Weltraum- und Luftfahrttechnologien. Für diese Bereiche stehen bis 2029 insgesamt 2,6 Milliarden Euro aus dem Forschungs-, Technologie- und Innovationspakt bereit. Betriebe aus diesen Branchen könnten verstärkt Ansiedlungsanfragen an Gemeinden stellen.

Energieversorgung wird wichtiger

Industrie braucht viel Strom und oft auch Prozesswärme. Wenn die Bundesregierung Investitionen in Produktion, Umstieg auf neue Technik oder klimafreundliche Prozesse fördern will, steigt der Bedarf an Netzen und an erneuerbarer Energie. 

Ab 1. Jänner 2027 ist ein staatlich subventionierter Industriestrompreis geplant. Dieser soll energieintensive Betriebe entlasten. Die Strompreiskompensation wird verlängert. Auch die Energiekosten für Bahnstrom sollen sinken. Gemeinden sind dabei häufig beteiligt, etwa über lokale Infrastruktur, Flächen für Energieanlagen oder als Partner bei Projekten.

Verkehr und Logistik

Die Strategie enthält eine Logistikstandortstrategie. Geplant sind gezielte Infrastrukturinvestitionen in den Bereichen Digitalisierung, Klimaschutz und Innovation. Der Güter- und Personenverkehr auf der Schiene soll gestärkt werden. 

Wo Produktion wächst, steigt meist auch der Transport von Waren. Gemeinden können dadurch mehr Schwerverkehr erleben. Das kann Auswirkungen auf Straßen, Lärmschutz und Sicherheit haben. Gleichzeitig können Investitionen in Schiene, Straßen oder Logistik neue Chancen für Gewerbegebiete bringen.

Innovation und regionale Netzwerke

Die Strategie setzt auf Innovation und Forschung. Für Gemeinden mit Betrieben im Technologie- oder Zulieferbereich kann das bedeuten, dass neue Förderprogramme oder Pilotprojekte entstehen. Das kann regionale Netzwerke stärken, zum Beispiel zwischen Betrieben, Fachhochschulen und Ausbildungseinrichtungen. Gemeinden sind dann oft als Unterstützer bei Standortfragen oder bei der Ansiedlung von Einrichtungen gefragt.

Öffentliche Beschaffung wird neu geregelt

Ein zentraler Punkt betrifft die öffentliche Beschaffung. Die Strategie sieht einen Aktionsplan zur strategischen öffentlichen Beschaffung vor. Dieser soll eine Handlungsanleitung für die öffentliche Verwaltung schaffen. Das neue Leitprinzip lautet „Made in Europe & Partner Countries“. Damit sollen Steuergelder verstärkt in die heimische und europäische Wertschöpfung fließen. Die öffentliche Beschaffung soll künftig nicht nur den günstigsten Preis berücksichtigen, sondern auch Innovation fördern.

Fachkräfte und Wohnen

Die Strategie nennt den Fachkräftemangel als Problem. In den Schlüsseltechnologien sollen neue Lehrberufe geschaffen werden. Lehrpläne werden angepasst. Die Rot-Weiß-Rot-Karte und die Mangelberufsliste sollen reformiert werden, um die Anwerbung von Fachkräften zu erleichtern. Volljährigen Lehrlingen aus Drittstaaten soll ein Pilotprojekt den Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglichen. 

Wenn Betriebe mehr Personal suchen, wird Wohnen zum Standortfaktor. Gemeinden können stärker gefordert sein, leistbaren Wohnraum zu schaffen und die soziale Infrastruktur auszubauen. Dazu zählen Kinderbetreuung, Schulen, öffentlicher Verkehr und Gesundheitsangebote. Auch Berufsschulen und Weiterbildung können in der Region an Bedeutung gewinnen.

Resilienz und Rückverlagerung

Die Industriestrategie spricht von „Resilienz". Gemeint ist, dass Produktion und Lieferketten weniger anfällig für Krisen sein sollen. Für Gemeinden kann das bedeuten, dass mehr Betriebe Teile ihrer Produktion in Europa halten oder zurückholen wollen. Das kann neue Ansiedlungen bringen. Gleichzeitig kann es bei Krisen stärker um die Versorgungssicherheit gehen, etwa bei Energie oder wichtigen Gütern.

Überwachung der Umsetzung

Eine neue Taskforce Industrie wird die Umsetzung beobachten. Sie besteht aus Wirtschafts-, Infrastruktur- und Außenministerium sowie Sozialpartnerinnen und Sozialpartnern, der Industriellenvereinigung und Expertinnen und Experten. Die Bundesregierung legt jährlich einen Bericht zur Umsetzung vor. Alle drei Jahre erfolgt eine externe wissenschaftliche Evaluierung durch den Produktivitätsrat.

Ziele bis 2035

Die Strategie strebt an, den Wertschöpfungsanteil der Industrie von derzeit 16,9 Prozent auf 20 Prozent zu steigern. Österreich soll in die Top-10 der OECD-Länder bei der Industrieproduktion aufsteigen.

Unterschiedliche Auswirkungen

Nicht jede Gemeinde wird gleich betroffen sein. In Industriegemeinden können neue Projekte, Umbauten und Investitionen schneller sichtbar werden. In ländlichen Gemeinden kann die Strategie über Zulieferbetriebe, neue Energieprojekte oder regionale Arbeitsplätze wirken. In beiden Fällen hängt vieles davon ab, welche Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden und wie Förderungen und Genehmigungen in der Praxis aussehen.

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