Selbstbedienungskasse
Selbstbedienungsläden, teilautomatisierte Gastronomie, SB-Bäckereien, Abholstationen und digitale Serviceangebote gewinnen an Bedeutung.
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Handel im Umbruch

Selbstbedienung wächst, traditionelle Formate schrumpfen

Die Handelslandschaft in Österreich verändert sich weiter. Das zeigt die aktuelle Expansionsanalyse von RegioData Research, die mehr als 680 aktive Vertriebslinien untersucht hat. Während einige Unternehmen neue Standorte eröffnen, schließen andere Filialen oder verschwinden ganz.

Zu den Gewinnern zählen Selbstbedienungskonzepte. Immer mehr Handels-, Gastronomie- und Dienstleistungsbetriebe setzen auf reduziertes Personal, automatisierte Abläufe und eigenständige Nutzung durch die Kundinnen und Kunden. Selbstbedienungsläden, teilautomatisierte Gastronomie, SB-Bäckereien, Abholstationen und digitale Serviceangebote gewinnen an Bedeutung. Was lange eine Nische war, wird zunehmend zum Standard.

Besonders stark wachsen Non-Food-Discounter. Woolworth baute sein Filialnetz um 48 Standorte aus und ist damit der stärkste Expandierer am österreichischen Markt. Auch NKD eröffnete 16 neue Filialen. Action setzte seinen Markteintrittskurs fort und kam auf ein Plus von 7 Standorten. Neue Filialen entstehen dabei nicht nur in Ballungsräumen, sondern zunehmend auch in kleineren Städten und peripheren Lagen.

Im Lebensmittelhandel ist vor allem SPAR gewachsen. Die Handelsgruppe eröffnete netto 17 neue Standorte. Gleichzeitig verstärkt sich die Marktkonzentration: Wachstum findet vor allem bei großen, kapitalstarken Unternehmen statt, während kleinere und mittlere Anbieterinnen und Anbieter Marktanteile und Standorte verlieren.

Etablierte Ketten schließen Dutzende Filialen

Auf der anderen Seite stehen deutliche Verluste. Unimarkt reduzierte sein Filialnetz um 53 Standorte. Der Buch- und Medienhändler Libro schloss 35 Filialen. KiK verlor netto 23 Standorte, Flying Tiger 9. Die Bäckerei Baguette von MPreis schloss 14 Filialen.

Der Bekleidungs- und Schuhhandel steht weiter unter Druck. Monolabel-Konzepte, die im Vorjahr noch vereinzelt expandierten, verzeichnen nun vermehrt Filialschließungen. Auch im Möbelhandel bleibt die Lage verhalten. Kurzfristige Trendkonzepte wie Bubble-Tea-Stores oder Food-Trend-Pop-ups verlieren ebenfalls an Bedeutung. Formate, die in den vergangenen Jahren rasch expandierten, bauen ihre Standortnetze nun wieder ab.

Gleiches Konzept, unterschiedlicher Erfolg

Im preisorientierten Textilhandel zeigt sich ein gemischtes Bild: NKD und s'Oliver (plus 8 Standorte netto) wachsen, während der Markt insgesamt schrumpft. Das zeigt, dass nicht das Segment allein entscheidend ist, sondern Positionierung, Sortiment und Standortqualität.

Auffällig ist, dass es selbst innerhalb vergleichbarer Konzepte zu sehr unterschiedlichen Entwicklungen kommt. Während etwa Woolworth und NKD expandieren, schrumpfen KiK und Flying Tiger mit ähnlichen Sortimenten und Zielgruppen. Nicht das Konzept allein entscheide über Erfolg oder Misserfolg, so die Analyse, sondern Umsetzung, Kostenstruktur, Standortqualität und Markenstärke.

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