Roman Häußl, Franz Rupp, Walter Zimper und Franz Romeder

So kam es zur Gründung von KOMMUNAL

26. September 2019
1989 – das war das Jahr eines Umbruchs von weltgeschichtlicher Dimension, es war das Jahr, in dem die Berliner Mauer und der Eiserne Vorhang fielen - der Anfang vom Ende des kommunistischen Ostblocks.

Es war auch das Jahr einer wichtigen Weichenstellung für Österreich – das Beitrittsansuchen zur Europäischen Gemeinschaft wurde in Brüssel abgegeben. Und es begann auch für den Österreichischen Gemeindebund mit einer Entscheidung von großer Tragweite: Am 24. Jänner beschloss der Bundesvorstand nach langen und schwierigen Verhandlungen die Herausgabe einer eigenen Zeitung, des „kommunal-journals“.

Die Idee war natürlich nicht neu, ganz im Gegenteil. Schon 1948, ein Jahr nach der Gründung der kommunalen Interessenvertretung, hielt der Geschäftsführer Regierungsrat Alfred Sponner in seinem ersten Jahresbericht fest: „Nicht zuletzt wendete der Vorstand seine Aufmerksamkeit dem Pressewesen zu. In einzelnen Bundesländern haben sich die Verbände selbst schon Organe geschaffen, die sich bereits eingelebt haben und ihren Zweck, Aufklärungsarbeit und Erleichterung der Tätigkeit der Bürgermeister, voll erfüllen. Ohne an dem Bestand dieser Mitteilungsblätter rütteln zu wollen, ist es aber doch die Ansicht des Vorstandes, dass Fragen allgemeiner und grundsätzlicher Natur in einem vom Gemeindebund ausgehenden Organ behandelt werden sollten. Doch kam der Vorstand über die Form zu keinem Beschluss, da bis jetzt die Vorfragen, insbesondere die finanzieller Natur, einer Bereinigung nicht zugeführt werden konnten. Ich hoffe aber, dass es dem gewählten Vorstand in absehbarer Zeit gelingen wird, auch diesem Programmpunkt des Österreichischen Gemeindebundes zur Verwirklichung zu verhelfen.“

Die „absehbare Zeit“ sollte vier Jahrzehnte dauern. Zwar wurde das Thema immer wieder – manchmal mehr, manchmal weniger leidenschaftlich – diskutiert, aber vor allem die „Fragen finanzieller Natur“ erwiesen sich jedes Mal als unüberwindliche Hürden.

Skeptische Landesverbände

1988/89 aber war die Zeit reif! Im Gemeindebund, der seinen Sitz damals in der Johannesgasse im 1. Wiener Gemeindebezirk hatte, agierte ein verhältnismäßig junges „Duo“ mit entsprechendem Elan: Präsident Franz Romeder war seit 1987 im Amt, Generalsekretär Robert Hink erst seit Juli 1988.

Mit der Bundes-Verfassungsgesetznovelle 1988, mit der der Gemeindebund und der Städtebund in der Verfassung verankert wurden, hatten die österreichischen Gemeinden und ihre Interessenvertretungen eine rechtliche Stellung erlangt, die europa-, ja weltweit einzigartig und vorbildlich war. Umso unverständlicher musste es erscheinen, dass eine derart starke Organisation über kein eigenes mediales Sprachrohr verfügte.

Auf wenig Begeisterung stießen die Pläne aber bei den mächtigen Landesverbänden. Präsident Franz Romeder erinnert sich: „Sie hatten ihre eigenen Mitteilungsblätter und fürchteten, diese würden neben einem Zentralorgan an Einfluss und Bedeutung verlieren.“

Und Generalsekretär a. D. Robert Hink meint schmunzelnd: „Es gab dort wohl auch die Versuchung, Erfolge für die Gemeinden auf den Einsatz der eigenen Landesorganisation zurückzuführen, aber bei Misserfolgen auf ‚die in Wien‘ zu zeigen.“  

Keine Kosten als Bedingung

Auf keinen Fall, signalisierten die Landesverbände, dürften zusätzliche Kosten entstehen.

Das künftige Gemeindebund-Sprachrohr sollte sich also durch Inserateneinnahmen selbst finanzieren, und es galt, dafür einen Partner zu finden, einen Verleger, der bereit war, dieses Abenteuer zu wagen.

„Eine ganz große Hilfe“, so Romeder, „war mir dabei der damalige Geschäftsführer des niederösterreichischen VP-Verbandes, Roman Häußl.“ Er stellte die Verbindung zu dem Journalisten Karl-Heinz „Ali“ Richter und dessen Verlag KHR-Publikationen Ges.m.b.H. her. Man wurde sich einig, und damit war auch der Weg zum Beschluss vom 24. Jänner 1989 frei.

Der Startschuss fällt

Bereits im März wurde zunächst eine Art Probenummer des „kommunal-journal“ aus dem Boden gestampft, eine Sonderausgabe über die Hilfsaktion des  Gemeindebundes für die Opfer des Erdbebens in Armenien, das im Dezember 1988 25.000 Menschenleben gefordert und Hunderttausende obdachlos gemacht hatte.

Mit berechtigtem Stolz wurde berichtet, dass durch die Solidarität der österreichischen Gemeinden bereits drei Wohnhäuser errichtet werden konnten und ständig neue Spenden einlangen. Schon kurz darauf lag die erste richtige Ausgabe des „offiziellen Organs des Österreichischen Gemeindebundes“ auf dem Tisch – mit einer Reihe gewichtiger Themen, die widerspiegeln, in welchem herausfordernden Umfeld die Kommunen 1989 agierten.

Titelgeschichte war der „Weg nach Europa“

Die österreichischen Kommunen und der Gemeindebund waren immer Verfechter des Europagedankens, aber es gab nun, da sich konkrete Beitrittsgespräche abzeichneten,  doch auch Befürchtungen, die Finanzhoheit  der Kommunen und damit  letztlich die Gemeindeautonomie könnten unter die Räder kommen.

Im „kommunal-journal“ nahmen dazu hochrangige Akteure Stellung: Finanzminister Ferdinand Lacina („Auch wenn es nicht zu einem Vertrag kommt, werden wir dazu gezwungen sein, unser Steuersystem an europäische Standards anzupassen, dieser Zwang trifft Bund, Länder und Gemeinden in gleichen Maßen“) und Kanzleramtsminister Heinrich Neisser („Auch innerhalb der EG selbst wird immer wieder beteuert, dass die EG nicht zu einem Zentralismus führen darf, sondern dass die Stärke auch in Zukunft in der Vielfalt, in der kleinen Einheit liegt.“

Das europäische Engagement der kommunalen Interessenvertretung dokumentiert auch der Bericht über  die Studienreise einer hochrangigen Gemeindebund-Delegation nach Baden-Württemberg zu eingehenden Gesprächen über die Erfahrungen der deutschen Gemeinden in der EG.

Dass sich das neue Magazin hochgesteckte Ziele gesetzt hatte, zeigt auch eine ausführliche Auseinandersetzung mit der Bundes-Verfassungsgesetznovelle 1988, für die einer der renommiertesten Verfassungsjuristen des Landes gewonnen werden konnte: Univ.-Prof. Herbert Schambeck, Vizepräsident des Bundesrates.

Steirisches KOMMUNAL-Urgestein

Weitere Artikel befassten sich  u. a. mit dem Finanzausgleich und der Büro-Kommunikation – erst 60 Prozent der österreichischen Gemeinden nutzten in irgendeiner Form den Computer. Und besonders fällt ein Autorennamen auf:

Dietmar Pilz schrieb über „Steuern & Abgaben“. Diesem ersten Beitrag folgten unzählige weitere, auch heute schreibt der unbestrittene Experte für Gemeindefinanzen beim Österreichischen und beim Steiermärkischen Gemeindebund für das KOMMUNAL. Pilz ist damit der dienstälteste freie Mitarbeiter der Zeitschrift, ja man kann ihn mit Fug und Recht als „steirisches KOMMUNAL-Urgestein“ bezeichnen.

Heute erinnert sich Pilz: „Ich hatte damals sehr oft in Wien zu tun und so bin auch einmal in der Johannesgasse mit Generalsekretär Hink und Ali Richter zusammengesessen und es wurde vereinbart, dass ich einen Beitrag für die künftige Gemeindebund-Zeitschrift verfasse. Dass daraus eine 30jährige Zusammenarbeit werden sollte, konnte ich nicht ahnen. Es hat mir auf jeden Fall immer sehr viel Freude gemacht. Die Gemeinden waren immer meine besondere Leidenschaft, ich bin also einer der glücklichen Menschen, denen es gelungen ist, ihr Hobby zum Beruf zu machen.“

Die neue Zeitschrift erschien vierteljährlich in einer Auflage von 10.000 Stück, sie wurde kostenlos an alle Bürgermeister, Vizebürgermeister und die leitenden Bediensteten der Gemeinden verschickt. Und sie kam von Anfang an gut an, Kommunalpolitiker aller politischen Parteien  und aus allen Regionen lobten die ausgewogene und sachliche Berichterstattung sowie die Themenvielfalt. So ist es nach einigen Anfangsschwierigkeiten  relativ rasch gelungen, das „kommunal-journal“ auf dem Fachzeitschriftenmarkt zu etablieren.

Ein „schlampertes Genie“

Aber es war kein Höhenflug ohne Turbulenzen. „Ali“ Richter war zweifellos ein vielseitiger, erfahrener, kreativer und origineller Journalist und darüber hinaus ein liebenswerter, immer freundlicher und zumindestens nach außen stets fröhlicher Mensch, dem keiner böse sein konnte. Aber er war, erinnert sich Präsident Romeder, „kein Unternehmer“. „Ali“ Richter hatte brillante Ideen, war aber auch, was man hierzulande ein „schlampertes Genie“ nennt. Und er hatte vor allem massive gesundheitliche Probleme.   

Am 8. Juli 1993 verstarb Karl Heinz Richter, noch keine 50 Jahre alt. Damit stand die Zukunft des Gemeindebund-Zentralorgans auf der Kippe. Präsident Romeder begann sofort mit der Suche nach einem neuen Verleger und fand eine Ideallösung: Walter Zimper und die Wiener Neustädter NÖ Zeitungs Verlags Ges.m.b.H. 

Der unvergessliche – 2008 viel zu früh verstorbene -  Walter Zimper war ein Medien-Profi, der das Journalistenhandwerk von der Pike auf gelernt hatte, und zugleich als Erfolgs- und Volksbürgermeister der Gemeinde Piesting und als Vizepräsident des NÖ Gemeindevertreterverbandes der ÖVP ein erfahrener Kommunalpolitiker. Keiner konnte besser wissen, welche Informationen Bürgermeister brauchen und wie diese Informationen optimal aufzubereiten sind.

Rasanter Aufstieg

Mit Walter Zimper folgte auf das „kommunal-journal“ das „KOMMUNAL-Magazin“ und es begann ein rasanter Aufstieg. Bereits 1997 hatte die Auflage 30.000 erreicht und es folgte der Übergang zum monatlichen Erscheinen. Das offizielle Organ des Österreichischen Gemeindebundes war auf dem Weg zu dem, was es heute ist – zur unbestrittenen Nr. 1 der Kommunalpresse.  

Text: Herbert Waldhauser. Er ist freier Journalist und ab 1978 im Presseamt der nö. Landesregierung, dessen Leitung er 1995 übernahm.

Herbert Waldhauser

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