Moritz Mittermann
© Thomas Max

Bundesrats-Enquete

Moritz Mittermann: Beteiligung junger Menschen an regionalen Entscheidungen

11. Mai 2026
74 Prozent der Jugendlichen in Österreich wollen sich an politischen Prozessen beteiligen. Das zeigt die SORA-Jugendstudie 2026. Gleichzeitig hat das Vertrauen junger Menschen, von der Politik repräsentiert zu werden, seit 2021 von zwei Dritteln auf ein Drittel abgenommen. Das ist kein Jugendproblem, das ist ein Demokratieproblem. Und es ist eines, bei dessen Lösung Gemeinden eine Schlüsselrolle spielen können.

Im ländlichen Raum sind die Anliegen von Jugendlichen konkret und greifbar: Wo gehe ich in die Schule? Gibt es einen Spielplatz? Einen Treffpunkt am Nachmittag oder Abend? All das passiert buchstäblich vor der Haustür, und Veränderungen sind schneller spürbar als auf Bundes- oder Landesebene. Genau das schafft Selbstwirksamkeit, also das Gefühl, dass die eigene Stimme tatsächlich etwas bewirkt. Mittermann bezeichnete Selbstwirksamkeit als den stärksten Motor für dauerhaftes politisches Engagement. Keine App der Welt kann dieses Gefühl ersetzen.

Was echte Beteiligung ausmacht

Mittermann brachte klare Qualitätsprinzipien auf den Punkt: Ein direkter Dialog muss möglich sein, ob auf Social Media oder im persönlichen Gespräch. Das Thema, über das mitgeredet werden soll, muss klar und konkret benannt sein. Und entscheidend: Jugendliche müssen eine verbindliche Rückmeldung bekommen, was mit ihren Ideen passiert. Wenn junge Menschen merken, dass ihre Meinung nur für das Foto nach dem Workshop gebraucht wurde, beteiligen sie sich kein zweites Mal. Diese Erfahrung macht das Vertrauen in die Demokratie insgesamt mürbe.

Hürden im ländlichen Raum und wie man sie überwindet

Drei Faktoren schließen viele Jugendliche im ländlichen Raum von Beteiligungsprozessen aus: fehlende Mobilität im öffentlichen Verkehr, digitale Ungleichheit durch lückenhafte Netzabdeckung und ein Mangel an physischen Räumen für Jugendorganisationen. Die Lösung liegt oft näher als gedacht: Bestehende Strukturen nutzen und fördern, Jugendorganisationen mit Internetanschluss und Treffpunkten ausstatten und Beteiligungsformate zu Zeiten und an Orten anbieten, die für Jugendliche erreichbar sind.

Jugendgemeinderäte und Kindergemeinderäte als Praxismodelle

Mittermann stellte zwei Praxismodelle vor, die sofort übernommen werden können. Jugendgemeinderätinnen und Jugendgemeinderäte als direkte Ansprechpersonen für junge Menschen in der Gemeinde schaffen einen klar definierten Kanal für Anliegen und Ideen. Kindergemeinderäte, wie sie in der Steiermark bereits erprobt werden, ermöglichen auch den Jüngsten, Themen zu setzen, zu diskutieren und abzustimmen. Das sind keine aufwendigen Programme, aber sie senden ein starkes Signal: Eure Stimme zählt hier.

Das nehmen Gemeinden mit

Jugendbeteiligung ist keine Kostenstelle, sondern eine Investition in Demokratievertrauen und Identifikation mit dem Heimatort. Konkret empfiehlt sich: Jugendgemeinderätinnen einrichten, Jugendzentren offenhalten und mit digitaler Infrastruktur ausstatten sowie bei Planungsvorhaben, ob Spielplatz, Freizeitareal oder Ortsentwicklung, Jugendliche von Anfang an einbinden. Nicht als letzten Schritt und nicht fürs Foto.

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