Anton Mattle im Bundesrat

Bundesrats-Enquete

Anton Mattle: Zukunftsfähige Regionen im Wandel

11. Mai 2026
Regionen sind kein statisches Gebilde. Sie unterliegen konstantem Wandel in wirtschaftlicher, demografischer und gesellschaftlicher Hinsicht. Mattles Botschaft ist klar: Wer aktiv gestaltet statt nur zu verwalten, wer Chancengleichheit zwischen Stadt und Land schafft und auf die spezifischen Stärken einer Region setzt, legt den Grundstein für eine lebendige Zukunft. Als Beleg für diesen Anspruch diente Tirol selbst, das er von einem historisch ärmlichen Land zu einem der wachstumsstarksten Bundesländer Österreichs beschrieb.

Landeshauptmann Mattle greift in seiner täglichen Arbeit auf zwei persönliche Kennzahlen zurück: den Wanderungssaldo und den Geburtensaldo. Sind beide positiv, zeigt das, dass eine Gemeinde ähnliche Lebensbedingungen bietet wie die Stadt. Genau das ist das eigentliche Ziel regionaler Politik: nicht irgendwelche Verwaltungskennzahlen zu erfüllen, sondern den Menschen das Gefühl zu geben, dass sie bleiben wollen, weil es sich lohnt. Beide Indikatoren sind für jede Gemeinde über das Statistische Amt abrufbar und können als einfacher Kompass für kommunalpolitische Entscheidungen dienen.

Glasfaser als Grundrecht verstehen

Tirol hat den Breitbandausbau konsequent in die Planungsverbände und Gemeinden ausgelagert und dadurch flächendeckend realisiert. Das entscheidende Prinzip dabei: Nicht mit technischen Details überzeugen, sondern Begeisterung wecken. Die Sehnsucht nach dem weltweiten Netz müsse vor dem Bagger kommen, wie Mattle es mit einem leicht abgewandelten Zitat von Antoine de Saint-Exupéry formulierte. Das Ergebnis: Heute kann ein Datenabruf aus dem kleinsten Tiroler Bergdorf genauso schnell erfolgen wie aus der Landeshauptstadt Innsbruck. Das ist Chancengleichheit im digitalen Zeitalter.

Kinderbetreuung als zentraler Standortfaktor

Junge Familien entscheiden sich für einen Wohnort nach zwei Kriterien: einem attraktiven Arbeitsplatz und einer verlässlichen Kinderbetreuung. Tirol setzt deshalb ab Herbst 2026 einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz um, unterstützt durch eine digitale Anmeldeplattform, die bereits fertiggestellt ist. Mattle machte keinen Hehl daraus, dass diese Maßnahme bundesweiter Standard werden sollte. Gemeinden, die in Elementarpädagogik und Kinderbetreuung investieren, investieren damit auch in ihre eigene demografische Zukunft.

Gemeindekooperationen und Energiewende als Einheit denken

Regionale Energieunabhängigkeit durch erneuerbare Energien ist für Mattle keine Frage der Ideologie, sondern der wirtschaftlichen Vernunft. Gleichzeitig plädierte er nachdrücklich für Gemeindekooperationen als kommunales Gegenstück zum wirtschaftlichen Clustermodell: Jede Gemeinde brauche einen politischen Kopf, könne Aufgaben aber gemeinsam wahrnehmen und damit Ressourcen bündeln. Besonders ärgerlich sei dabei nach wie vor die Mehrwertsteuerproblematik bei öffentlich-öffentlicher Zusammenarbeit, die endlich gelöst werden müsse.

Ehrenamt neu denken

Tirol hat 2026 zum „Jahr des Ehrenamts“ erklärt. Der Landeshauptmann beobachtet dabei einen klaren Wandel: Junge Menschen wollen sich engagieren, aber in projektbezogenen Formen statt in dauerhaften Vereinsfunktionen mit Wochenendverpflichtungen. Gemeinden sollten daher neue Angebotsformate schaffen und vor allem sichtbar Wertschätzung zeigen. Wer das Ehrenamt als selbstverständlich hinnimmt, wird es mittelfristig verlieren.

Das nehmen Gemeinden mit

Das Tiroler Modell zeigt, dass Regionen Wandel aktiv gestalten können, wenn sie entschlossen handeln. Entscheidend sind: Glasfaser flächendeckend als Daseinsvorsorge, ein verbindlicher Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung, Gemeindekooperationen für geteilte Aufgaben sowie eine lebendige Ehrenamtskultur mit neuen projektbezogenen Formen. Als einfacher kommunalpolitischer Kompass eignen sich Wanderungs- und Geburtensaldo.

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