Salzstreuung
Aufgrund der höheren Feinstaubentwicklung bei Verwendung von abstumpfenden Streumittel wird vor allem im innerstädtischen Bereich und auf Straßen mit höherem durchschnittlichem täglichem Verkehr (DTV) – mehr als 3.000 Fahrzeuge pro Tag – der Einsatz von auftauenden Streumitteln empfohlen.
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Wie Winterdienst umweltfreundlicher wird

Winterdienst sorgt in der kalten Jahreszeit für sichere Straßenverhältnisse. Die Auswirkungen auf die Umwelt dürfen jedoch nicht außer Acht gelassen werden.

Der Winterdienst mit Salzstreuung gewährleistet eine hohe Verkehrssicherheit. Sofern Salz jedoch nicht über eine Kanalisation gezielt abgeführt wird, gelangt es unweigerlich von der Straße in die umliegende Natur und schädigt die Vegetation. Solchen Schäden kann durch die Pflanzung von salztoleranten Pflanzen begegnet werden.

Das Salz sickert aber auch ins Grundwasser, sodass es während des Winters zu einem Anstieg des Chloridgehalts kommen kann, der sich jedoch in der warmen Jahreszeit meist wieder normalisiert.

Die Nachteile der Splittstreuung

Bei der Verwendung von abstumpfenden Streumitteln (Splitt) ist neben der im Frühjahr virulent werdenden Problematik der Entsorgung vor allem die Bildung von Feinstaub zu beachten. Nach derzeitigem Wissensstand führen abstumpfende Streumittel zu etwa doppelt so hohen Feinstaubemissionen durch Abrieb als auftauende Streumittel.

Auf stark befahrenen Straßen mit einem durchschnittlichen täglichen Verkehr (DTV) von mehr als 3000 Fahrzeugen lassen auftauende Streumittel (Salz) deutlich geringere Emissionen erwarten als abstumpfende Streumittel.

Auf Straßen mit einem DTV von weniger als 3000 Fahrzeugen hat die Art des Streumittels praktisch keinen Einfluss auf die Feinstaubemissionen. Eine Nullstreuung auf diesen Straßen lässt daher nur geringe Reduktionen bei der Feinstaubbelastung erwarten.

Salz vs. Splitt in der Ökobilanz

Das im deutschen Beckmann-Verlag erschienen „Handbuch Winterdienst“ bewertet den volkswirtschaftlichen Nutzen der Salzstreuung als sehr gut. Die Einsatzkosten beim Splitt seien jedoch unter Berücksichtigung auch der indirekten Kosten (Straßenreinigung, Entsorgung sowie Zusatzkosten für Kanal- und Sandfangreinigung) als extrem hoch einzustufen.

Der Einsatz von Splitt und Sand sollte daher auf Geh- und Radwege begrenzt sein. Lediglich in Einzelfällen (Schutz von wertvollen Baumbeständen oder bei Temperaturen unter minus 15 Grad) können abstumpfende Streustoffe auch im Straßenbereich sinnvoll sein.

Aus Ökobilanzen für deutsche Großstädte habe sich ergeben, dass bei den Umweltauswirkungen des Winterdienstes die Emissionen und der Energieverbrauch bei der Herstellung und dem Antransport der Streustoffe sowie beim Betrieb der Winterdienstfahrzeuge ins Gewicht fallen. Es wird empfohlen, heißt es im Handbuch, dass energieintensive hergestellte Streustoffe, wie z. B. Blähbeton, nur sparsam eingesetzt werden und die Streustoffe möglichst nur über kurze Distanzen antransportiert werden.

Primäre Möglichkeit zur Minimierung des Salzverbrauchs ist natürlich die mechanische Räumung. Je mehr Schnee und Eis mechanisch von der Straße entfernt werden, umso weniger muss auf physikalisch-chemischen Weg weggetraut werden. Beim „aggressiven Räumen“ mit Pflügen wird mit hohem Anpressdruck gearbeitet. Dafür sind verschleißfeste Stahlschürfleisten oder spezielle Kunststoffschürfleisten notwendig.

Alternative gar nicht streuen?

Bei Untersuchungen in deutschen Städten hat sich gezeigt, dass auf Nebenstraßen mit geringem Geschwindigkeitsniveau und ohne besondere Gefahrenstellen auch ohne Streuung ein gutes Sicherheitsniveau erreicht wird, da die Verkehrsteilnehmer hier weniger und wenn, dann vorsichtiger fahren. Insbesondere im Vergleich zur Splittstreuung ist die Nullstreuung auf diesen Straßen aus verkehrlicher Sicht mindestens gleich gut. Hinsichtlich der Kosten und der Umweltbelastung ist die Nullstreuung naturgemäß der Ausbringung von Streustoffen überlegen.

Umweltauswirkungen minimieren

Ein Merkblatt des Verkehrsministeriums gibt Tipps, wie die Umweltauswirkungen des Winterdienstes minimiert werden können:

  • Grundsätzlich sollte aus ökologischer Sicht so wenig wie möglich, aus verkehrsicherheitstechnischer Sicht so viel wie nötig an Streumittel aufgebracht werden.
  • Aufgrund der höheren Feinstaubentwicklung bei Verwendung von abstumpfenden Streumittel wird vor allem im innerstädtischen Bereich und auf Straßen mit höherem durchschnittlichem täglichem Verkehr (DTV) – mehr als 3.000 Fahrzeuge pro Tag – der Einsatz von auftauenden Streumitteln empfohlen. Der Einsatz von Feuchtsalz ist dem Einsatz von Trockensalz vorzuziehen.
  • Die Streumenge beim vorbeugenden Aufbringen von auftauenden Streumitteln sollte 5 g/m² (bezogen auf NaCl) nicht überschreiten.
  • Bei der Verwendung von auftauenden Streumitteln wird empfohlen, dass der Anteil an unlöslichen Rückständen möglichst gering ist, jedenfalls aber nicht mehr als 2,5 Prozent beträgt.
  • Beim Einsatz von abstumpfenden Streumitteln werden aus lufthygienischer Sicht Basalt bzw. basaltvergleichbare Hartgesteine (nicht quarzhältige) und Dolomit empfohlen. Der Einsatz von quarzhältigen abstumpfenden Streumitteln (z. B. Quarzsplitt und gegebenenfalls Recyclingmaterial) ist nicht zulässig.
  • Der Einsatz von Gemischen abstumpfender und auftauender Streumitteln ist nur in Sonderfällen zu verwenden.
  • Die Reinigung insbesondere jener Straßen, welche mit abstumpfenden Streumittel behandelt werden, wird in städtischen Bereichen im Winterhalbjahr empfohlen (z. B. auch durch den vermehrten Einsatz von Solekehrmaschinen).
  • Die Benützung von Frontsprühanlagen bei Kehrfahrzeugen wird empfohlen. Weiters soll das Kehren an trockenen Tagen im Februar und März ohne Frontsprühanlagen vor allem im Siedlungsraum eingeschränkt werden, um die in diesen Monaten häufigen Feinstaubspitzen zu reduzieren.
  • Die ausgebrachten Streumittelmengen (bzw. Nullstreustrecken) sollen in den Einsatzberichten nachvollziehbar aufgezeichnet sein.

Antibackmittel reduzieren

Empfohlen wird neuerdings, den Anteil von Antibackmitteln - Mitteln, die dem Streusalz beigegeben werden, um zu verhindern, dass es verklumpt - von bisher 0,2 Gramm pro Kilo auf 0,125 Gramm zu reduzieren. Studien zeigen, dass sich dadurch keine negativen Auswirkungen auf Rieselfähigkeit oder Tauleistung ergeben.