Bürgermeister Peter Klar mit dem EAMS-Projektleiter und Gemeinderat Markus Aschauer.
Digitalisierung
Weniger Wasserverbrauch durch Datenanalyse
Die Gemeinde Laab im Walde betreibt auf ihrem Internetauftritt ein Dashboard, um den Wasserverbrauch zu überwachen und zu regulieren. Mit wenigen Klicks erhält man einen Überblick über den Gesamtverbrauch oder den Verbrauch in den einzelnen Haushalten.
Das gesamte Ortsgebiet wurde in Zonen eingeteilt, und diese Zonen wurden Wasserzählern zugeordnet. So kann der Wasserverbrauch mit der eingespeisten Wassermenge verglichen werden und man erhält eine Übersicht, wie die Verbräuche in den einzelnen Zonen aussehen. Wenn über einen Zeitraum von 48 Stunden ungewöhnlich viel Wasser verbraucht wird, erhält die Gemeinde automatisch einen Alarm, denn ein hoher Verbrauch deutet häufig auf ein Leck hin.
Die betroffenen Haushalte werden dann kontaktiert und können nachschauen, ob es etwa einen Rohrbruch gibt. „Das schützt die Bürgerinnen und Bürger vor hohen Rechnungen und die Gemeinde vor Ausgaben, denn bei sehr hohen Rechnungen muss man ja oft eine Kulanzregelung finden, und die Gemeinde bleibt dann zumindest auf einem Teil der Kosten sitzen“, erklärt Bürgermeister Peter Klar. „Wir hatten etwa den Fall einer Grundstücksbesitzerin, die den Wasserhahn bewusst leicht geöffnet ließ, um die Leitung ,durchzuspülen‘. Wenn sie das längere Zeit gemacht hätte, hätte das eine Wasserrechnung von rund 20.000 Euro verursacht. Durch das digitale Monitoring konnten wir rechtzeitig eingreifen. Digitalisierung bedeutet hier also nicht nur Technik, sondern auch Bewusstseinsbildung!“
Insgesamt ist es durch den Einsatz neuer Technologien gelungen, die Leckagen-Rate von 20 bis 30 Prozent auf bis zu 5 bis 10 Prozent zu reduzieren. Neben den massiven umwelttechnischen Vorteilen bei der Erkennung von Wasserverlust kann die Gemeinde somit Einsparungen von rund 100.000 Euro pro Jahr durch nicht versickertes Wasser erreichen. Auch konnten bereits rund 40 Rohrbrüche in privaten Haushalten verhindert werden.
Ausbau scheitert am Geld
Im Endausbau soll das Dashboard auch einen Überblick über die Stromversorgung und die Nutzung der Straßenbeleuchtung ermöglichen. Die Daten werden bereits erfasst und gespeichert, aber derzeit fehlen die finanziellen Mittel, um sie umfassend zu analysieren und visuell aufzubereiten. Geplant ist, das Projekt gemeinsam mit der gemdat innerhalb des nächsten Jahres voranzutreiben.
Großes Interesse an WhatsApp-Kanal
In Laab wird auch in anderen Bereichen die Digitalisierung vorangetrieben. So betreibt die Gemeinde auch einen WhatsApp-Kanal mit Push-Nachrichten. Das Interesse der Bevölkerung ist erstaunlich hoch, nahezu jeder zweite Einwohner nutzt den Kanal. Informiert wird dort über Straßensperren, Veranstaltungen, Ausfälle, Sicherheitshinweise und andere aktuelle Themen. Bürgermeister Klar: „Das zeigt: Wenn der Nutzen klar ist, werden digitale Angebote sehr stark angenommen.“
Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein
Bei allen Digitalisierungsschritten gehe es darum, so Peter Klar, das Service-Level zu erhöhen: „Also mehr Service bei weniger bürokratischem Aufwand. Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein. Sie muss eine konkrete Erleichterung bringen.“
Allerdings passiert das nicht automatisch. „Digitalisierung bedeutet Veränderung, und Veränderung braucht Begleitung. Man muss bestehende Strukturen und Abläufe kritisch hinterfragen: Funktioniert ein Prozess überhaupt noch sinnvoll? Ist er digital geeignet? Und ist es sinnvoll, ihn zu digitalisieren? Ein analoger Prozess, der schon im normalen Ablauf nicht gut funktioniert, wird digital in der Regel auch nicht besser.“ Deshalb sei die eigentliche Herausforderung nicht, einen Prozess einfach „von A nach B“ zu übertragen, sondern ihn grundlegend zu überdenken. „Manchmal bedeutet Digitalisierung auch, Dinge zu vereinfachen oder ganz wegzulassen. Das Ziel ist immer ein echter Mehrwert für die Menschen.“
Der Beitrag erschien in der NÖ Gemeinde 3/2026.