2 Männer begutachten ein Grundwasserreservoir
Längere Trockenperioden, steigende Temperaturen und veränderte Niederschlagsmuster wirken sich zunehmend auf die Neubildung und Qualität der Wasserressourcen aus.
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Wassermangel

Weniger Grundwasser durch Klimawandel

18. Mai 2026
Der Klimawandel beeinflusst in Österreich zunehmend die Verfügbarkeit und die Qualität des Grundwassers. Der Klimastatusbericht 2025 zeigt, dass sich der geringere Niederschlag in Form von Schnee besonders stark auswirkt, wobei der gefallene Schnee auch weniger lange liegen bleibt. Insgesamt führen somit steigende Temperaturen und dadurch höhere Verdunstungsraten, veränderte Niederschlagsmuster und häufigere Extremwetterereignisse dazu, dass weniger Wasser in tiefe Bodenzonen versickert und weniger Grundwasser neu gebildet wird.

Starkregen fließt oft rasch oberflächlich ab und geringe Niederschläge werden in der Vegetationsperiode von Pflanzen in Anspruch genommen oder verdunsten. Zusätzlich geht durch das Abschmelzen der Gletscher langfristig eine weitere Wasserreserve verloren. Diese Entwicklungen verringern die Neubildung von Grundwasser und verschärfen die Situation vor allem in sensiblen Regionen.

In vielen Regionen wird daher künftig weniger Grundwasser zur Verfügung stehen. Prognosen zufolge könnten die verfügbaren Ressourcen bis 2050 um bis zu 23 Prozent zurückgehen. Gleichzeitig wird der Wasserbedarf voraussichtlich um bis zu 15 Prozent ansteigen, was die Trinkwasserversorgung, Ökosysteme, die Industrie und die Energieproduktion betrifft. In der Landwirtschaft kann sich der Wasserbedarf bis 2050 beinahe verdoppeln.

Zu diesen Ergebnissen kommt der aktuelle Klimastatusbericht, der jährlich im Auftrag des Klima- und Energiefonds und der Bundesländer erstellt wird. Eine Studie von WIFO und AGES verdeutlicht zudem die erheblichen wirtschaftlichen Risiken zunehmender Dürreperioden. Der Klimastatusbericht macht nicht nur die Veränderungen sichtbar, sondern zeigt außerdem, welche Maßnahmen bereits erfolgreich umgesetzt werden, um die Wasserverfügbarkeit langfristig zu sichern.

Bereits wirksame und neue Maßnahmen

Um Österreichs Grundwasserressourcen zu schützen und die langfristige Versorgung mit Trinkwasser sicherzustellen, setzt das Umweltministerium Maßnahmen. So wird laufend in die Wasserinfrastruktur investiert: 2025 wurden Projekte im Umfang von rund 1,15 Milliarden Euro Investitionskosten in den Bereichen Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung, Hochwasserschutz und Gewässerökologie ausgelöst.

Ergänzend dazu schafft der 2023 veröffentlichte Trinkwassersicherungsplan die Grundlage für den Umgang mit Trinkwasserknappheit und ein konkretes 5-Punkte-Programm zur langfristigen Sicherung der Trinkwasserversorgung.

Ein wichtiger Schritt ist der Aufbau eines österreichweiten Wasserentnahmeregisters, das bis Ende des Jahres umgesetzt werden soll und eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wasserressourcen ermöglicht. Gleichzeitig werden Wasserrückhalt und die Förderung der Grundwasserneubildung unterstützt, etwa durch Renaturierungsmaßnahmen von Flüssen und Auen. Auch Projekte wie „LIFE AMooRe“, das mit über 17 Millionen Euro vom Umweltministerium finanziert wird, haben positive Auswirkungen auf unseren Wasserhaushalt.

Studie: Hohe wirtschaftliche Schäden durch Dürre

Dass Klimawandelanpassung dringend erforderlich ist, zeigt auch eine Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES). Sie verdeutlicht die volkswirtschaftlichen Risiken zunehmender Dürreperioden für die Landwirtschaft in Österreich.

Die Auswirkungen betreffen auch Zuliefer- und Verarbeitungsbetriebe: Je nach Szenario könnten jährlich bis zu 600 Millionen Euro an Wertschöpfung verloren gehen und bis zu 9.300 Arbeitsplätze gefährdet sein.

Geschäftsführer des Klima- und Energiefonds Bernd Vogl: „Grundwasser ist eine zentrale Ressource – nicht nur für die Trinkwasser-, sondern zunehmend auch für die Energieversorgung. Sinkende Grundwasserstände und veränderte Abflussverhältnisse beeinflussen bereits heute die Stromproduktion aus Wasserkraft, insbesondere in den Sommermonaten. Gleichzeitig gewinnt die Nutzung von Geothermie und damit verbunden dem Grundwasser zur Gebäudekühlung in Zeiten zunehmender Hitze an Bedeutung. Um diese Potenziale langfristig zu sichern, braucht es ein integriertes Management unserer Wasser- und Energiesysteme sowie gezielte Investitionen in klimaresiliente Infrastrukturen.“

Herbert Formayer, wissenschaftlicher Leiter des Berichts und Professor am Institut für Meteorologie und Klimatologie (BOKU): „Die Entwicklung der Grundwasserstände und der Anpassungsoptionen, auf die sich der Bericht 2025 konzentriert, zeigt deutlich, dass auch ein wasserreiches Land wie Österreich vor wachsenden Herausforderungen steht. Längere Trockenperioden, steigende Temperaturen und veränderte Niederschlagsmuster wirken sich zunehmend auf die Neubildung und Qualität unserer Wasserressourcen aus. Gleichzeitig nimmt der Wasserbedarf weiter zu. Besonders in intensiv genutzten Regionen kann dies bereits heute zu saisonalen Engpässen führen. Um die Versorgungssicherheit langfristig zu gewährleisten, sind vorausschauendes Wassermanagement, Klimawandel-Anpassungsmaßnahmen und konsequenter Klimaschutz dringend erforderlich.“

Klimastatusbericht 2025: Ergebnisse & Ereignisse im Überblick

Das Jahr 2025 war ein sehr warmes, mit 1.700 Sonnenstunden sehr sonniges und deutlich zu trockenes Jahr – die durchschnittliche Niederschlagsmenge lag bei 881 mm. Mit einer Durchschnittstemperatur von +7,9 °C zählt es zu den achtwärmsten Jahren seit Beginn der Messungen.

Erhöhte Waldbrandgefahr schon im Winter

Der Februar war durch außergewöhnlich trockene Witterungsverhältnisse geprägt, regional mit bis zu 80 % weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel. Dies erhöhte insbesondere in Ostösterreich die Waldbrandgefahr und wirkte sich auf Wasserhaushalt, Vegetation und Landwirtschaft aus. Im weiteren Verlauf begünstigten die trockenen Bedingungen im März erste Vegetations- und Waldbrände. Im März trat zudem ein für die Jahreszeit ungewöhnlich kräftiges Hagelgewitter mit mehreren zentimetergroßen Hagelkörnern im Bezirk Krems auf.

Im April führte die anhaltende Trockenheit zu mehreren Vegetations- und Waldbränden, insbesondere in Kärnten. In der zweiten Monatshälfte gingen erste kräftigere Gewitter mit Starkregen und Hagel nieder, die lokal Überflutungen und Schäden verursachten.

Auch das Jahresende brachte - begünstigt durch die trockenen Bedingungen - erneut eine erhöhte Waldbrandgefahr, diesmal für Tirol.

Frühjahr und Sommer von starken Gewittern und Starkregen geprägt 

Von Mai bis Juli herrschte eine gewitterreiche Periode mit regionalen Hochwassern. Im Mai verursachten Gewitter im Marchfeld landwirtschaftliche Schäden von rund 500.000 Euro, im Südburgenland kam es durch Starkregen zu Überflutungen und Vermurungen. 

Am 15. Juni kamen in Tirol drei Bergsteiger infolge eines Blitzschlags ums Leben. Ende Juni bzw. Anfang Juli führten intensive Niederschläge im Gschnitz- und Stubaital zu schweren Murenabgängen, bei denen Verkehrswege unterbrochen, Gebäude beschädigt und Personen evakuiert werden mussten. Der landwirtschaftliche Schaden wurde österreichweit auf rund 9 Millionen Euro geschätzt.

Juni: Hitzerekord in Kärnten, Waldbrandgefahr hält an

Von 18. Juni bis 6. Juli wurden zudem anhaltend hohe Temperaturen über 30 °C gemessen; am 26. Juni wurde in Kärnten mit 38,3 °C ein neuer Bundeslandrekord erreicht. Mitte Juli verursachte ein Tornado in Oberösterreich schwere Gebäudeschäden. 

Der August war von Hitze und Trockenheit geprägt, wodurch die Waldbrandgefahr in Kärnten sowie im Osten erhöht blieb. Starkregen führte am 21. und 22. August in Vorarlberg zu Überflutungen, Erdrutschen und abschnittsweise erhöhtem Hochwasser. 

Zum Klimastatusbericht Österreich

Der jährlich erscheinende Klimastatusbericht Österreich wird im Auftrag des Klima- und Energiefonds sowie aller neun Bundesländer durch das Climate Change Centre Austria (CCCA) in Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur (BOKU) und GeoSphere Austria – Bundesanstalt für Geologie, Geophysik, Klimatologie und Meteorologie erstellt. Er zeigt, welche Anpassungsmöglichkeiten und Handlungsoptionen zur Verfügung stehen, um negative Folgen in den am stärksten betroffenen Bereichen zu verhindern oder abzumildern.

Der gesamte Bericht kann hier heruntergeladen werden: www.klimafonds.gv.at/publikation/klimastatusbericht-2025/