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Wert des Wassers
Trinkwasser: 4,3 Milliarden Euro Investitionsbedarf bis 2050
Eine sichere Trinkwasserversorgung ist keine Selbstverständlichkeit. Vor dem Nationalfeiertag hat die Österreichische Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW) drei Leuchtturmprojekte in Niederösterreich, Tirol und Kärnten vorgestellt. Zugleich warnt sie: Bis 2050 muss rund die Hälfte der Trinkwasserleitungen erneuert werden.
Eine sichere Trinkwasserversorgung ist keine Selbstverständlichkeit. Vor dem Nationalfeiertag hat die Österreichische Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW) drei Leuchtturmprojekte in Niederösterreich, Tirol und Kärnten vorgestellt. Zugleich warnt sie: Bis 2050 muss rund die Hälfte der Trinkwasserleitungen erneuert werden. Die Erneuerungsrate muss sich dafür fast vervierfachen. Die ÖVGW fordert deshalb eine fixe jährliche Kofinanzierung durch die öffentliche Hand und schnellere wasserrechtliche Verfahren.
Alternde Leitungsnetze: Erneuerungsrate muss sich fast vervierfachen
Die Zahlen stammen aus einer aktuellen ÖVGW-Studie der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) zu „Netzalter, Erneuerungsbedarf und Stand der Wasserversorgungssicherheit im Jahr 2025“. Viele österreichische Wasserversorgungsnetze sind demnach bereits 60 bis 70 Jahre alt. Derzeit werden jährlich rund 0,8 Prozent des Leitungsnetzes erneuert. Künftig wird eine Erneuerungsrate von 2,9 Prozent nötig sein.
„Das ist fast eine Vervierfachung des derzeitigen Erneuerungsbedarfs. Wir dürfen daher nicht erst dann investieren, wenn eine Anlage ausfällt. Versorgungssicherheit entsteht durch vorausschauende Planung, rechtzeitige Erneuerung und ausreichende Reserven“, sagt ÖVGW-Vizepräsident Nikolaus Sauer, Sprecher der Wasserversorger. Ohne laufende Investitionen droht ein Investitionsstau.
Klimawandel erhöht den Druck auf die Wasserversorger
Bis 2050 sind für den Werterhalt und die langfristige Absicherung der Trinkwasserversorgung rund 4,3 Milliarden Euro erforderlich. Neben der Erneuerung der alternden Infrastruktur stellen vor allem die Folgen des Klimawandels die Wasserversorger vor große Herausforderungen. Neue Wasserspeicher, zusätzliche Brunnen, erneuerte Leitungsnetze und überregionale Transportleitungen sollen die Versorgung auch unter veränderten klimatischen Bedingungen sichern. Diese Maßnahmen sind teuer und brauchen lange Planungs- und Umsetzungszeiten. Wer sie aufschiebt, erhöht den Erneuerungsdruck.
Förder-Euro mit Hebelwirkung
Die ÖVGW wirbt für eine stärkere öffentliche Beteiligung. „Für jeden in die Trinkwasserversorgung investierten ‚Förder-Euro‘ werden bei einer Förderquote von 15 Prozent 6,48 Euro an Investitionen generiert. Das zeigt: Eine Kofinanzierung seitens des Bundes rechnet sich“, betont Sauer. Die Investitionen sichern nicht nur die Versorgung. Sie stärken auch die heimische Wirtschaft und tragen zur Sicherung von Arbeitsplätzen bei.
Was ist uns Trinkwasser wert?
Wie günstig Trinkwasser ist, zeigte Sauer bei der Pressekonferenz mit einem Vergleich. Er erinnerte an einen Satz von Professor Frischherz von der BOKU: In Wien solle ein Kubikmeter Wasser, also 1.000 Liter, nicht mehr kosten als ein Seidel Bier. Ein kleines Bier koste heute 4,50 Euro, 1.000 Liter Wasser im Österreich-Durchschnitt 2 Euro. „Jetzt muss jeder für sich selber eine Wahrnehmung entwickeln, ob hier Spielraum ist.“
Die anstehenden Bauvorhaben würden Druck auf die Preise ausüben, Förderungen könnten ihn abfedern. „Ohne Förderung wird es nicht gehen, aber eine Wertschätzung wird man dem Wasser auch in einer gehobenen Weise finanziell entgegenbringen müssen.“ Damit die Belastung für die Haushalte maßvoll bleibt, fordert die ÖVGW eine öffentliche Kofinanzierung, ausdrücklich auch zur Kostendämpfung für die Kundinnen und Kunden.
Drei Leuchtturmprojekte für die Versorgungssicherheit
Neusiedl am Steinfeld: eine Milliarde Liter auf Vorrat
In Niederösterreich erweitert die Stadt Wien – Wiener Wasser den bestehenden Wasserbehälter in zwei Etappen um vier zusätzliche Wasserkammern. Das Speichervolumen steigt damit von rund 600 Millionen auf eine Milliarde Liter. Die Anlage wird nach der Fertigstellung zu den weltweit größten geschlossenen Trinkwasserbehältern zählen. Sie ist Teil der Strategie „Wiener Wasser 2050“. „Der Ausbau des Wasserbehälters Neusiedl am Steinfeld ist ein Jahrhundertprojekt für die Wasserversorgung der Stadt Wien“, sagt Norbert Klicha von Wiener Wasser.
Mühlauer Quelle: Innsbrucks wichtigste Ressource gesichert
Rund 90 Prozent des Innsbrucker Trinkwassers kommen aus der Mühlauer Quelle. Die Innsbrucker Kommunalbetriebe AG (IKB) hat die seit mehr als 70 Jahren bestehende Stollenanlage umfassend saniert und um einen neuen, 980 Meter langen Quellstollen erweitert. Damit stehen zusätzlich rund 350 Liter Wasser pro Sekunde zur Verfügung. Das stärkt die Versorgung auch mit Blick auf Bevölkerungswachstum und Klimaveränderungen. „Mit der Sanierung und dem Ausbau der Mühlauer Quelle schufen wir die Voraussetzungen, auch kommende Generationen verlässlich mit hochwertigem Trinkwasser zu versorgen“, erklärt Robert Gschleiner, Geschäftsbereichsleiter Wasser bei der IKB.
Wasserschiene Kärnten: Versorgungssicherheit über Gemeindegrenzen
Mit der Wasserschiene Kärnten entsteht ein rund 100 Kilometer langes Infrastrukturprojekt mit einem Investitionsvolumen von rund 120 Millionen Euro. Es soll die Trinkwasserversorgung im Kärntner Zentralraum langfristig stärken. Zudem soll es einen Ausgleich zwischen Regionen mit Wasserüberschüssen und Regionen mit erhöhtem Bedarf ermöglichen. Bei Störungen und Notfällen soll die überregionale Vernetzung zusätzliche Sicherheit schaffen. Der Baubeginn für das Kernstück ist ab 2028 geplant. „Damit sollen regionale Engpässe und Wasserüberschüsse ausgeglichen und bei Ausfällen oder Notfällen zusätzliche Versorgungssicherheit geschaffen werden“, so Erich Eibensteiner.
Das fordert die ÖVGW von Bund und Ländern
- Fixe jährliche Kofinanzierung durch die öffentliche Hand für die Erneuerung der Infrastruktur, notwendige Investitionen, die Anpassung an den Klimawandel und eine Kostendämpfung für die Kundinnen und Kunden
- Einfachere und schnellere wasserrechtliche Verfahren und Bewilligungen für Bauprojekte zum Erhalt der Versorgungssicherheit
- Grundsatz verankern, dass Wasserprojekte „Vorhaben im überragenden öffentlichen Interesse“ sind, damit überregionale Transportleitungen und neue Brunnen leichter gebaut werden können
Bei der Pressekonferenz unterstrich Sauer die Dringlichkeit: Ohne Strom komme man einige Zeit aus, ohne Wasser nicht. „Eine sichere Trinkwasserversorgung ist keine Selbstverständlichkeit. Sie ist das Ergebnis jahrzehntelanger Planung, laufender Investitionen und vorausschauender Entscheidungen. Jetzt geht es darum, die richtigen Weichen für die nächsten Jahrzehnte zu stellen.“
Weitere Informationen: ovgw.at | unsertrinkwasser.at