Techniker bei einer großen PV-Anlage
Ollersdorf bringt Wissen über erneuerbare Energie ein, um eine verlässliche Stromversorgung für den Kindergarten in Dubrynychy vorzubereiten (Symbolbild).
© Serhii - stock.adobe.com

Kommunales Know-how für die Ukraine

14. Oktober 2026
Österreichische Städte und Gemeinden verfügen über viel Wissen, das auch für ukrainische Kommunen wertvoll ist. Der „Municipal Exchange Fund Austria–Ukraine“ des KDZ - Zentrum für Verwaltungsforschung bringt Gemeinden beider Länder zusammen. Sie tauschen Erfahrungen aus, entwickeln gemeinsam Lösungen und lernen voneinander. So entstehen Partnerschaften, die den Wiederaufbau in der Ukraine unterstützen und zugleich neue Impulse für österreichische Kommunen geben.

Ein Beispiel dafür ist die Zusammenarbeit zwischen der burgenländischen Marktgemeinde Ollersdorf und Dubrynychy in der Westukraine. Ollersdorfs Bürgermeister und Landtagsabgeordneter Bernd Strobl engagiert sich dafür, die Erfahrungen seiner Gemeinde mit erneuerbarer Energie einzubringen. Gemeinsam werden die Grundlagen für eine verlässliche Energieversorgung des Kindergartens in Dubrynychy erarbeitet. 

Im Interview erklärt Bernd Strobl, wie die Kooperation entstanden ist, welchen Beitrag Ollersdorf leistet und warum ein solches Engagement auch für andere österreichische Städte und Gemeinden interessant sein kann.

Herr Bürgermeister, wie ist die Zusammenarbeit zwischen Ollersdorf und der ukrainischen Gemeinde Dubrynychy entstanden?

Bernd Strobl
Bernd Strobl: „Am Ende des Projekts soll erreicht werden, dass die Menschen vor Ort in der Ukraine erkennen, welche Möglichkeiten es gibt, selbst Energie zu produzieren und diese regional zu verbrauchen.“ Foto: Ronald Fenk

Bernd Strobl: Unsere Gemeinde hat im Jahr 2025 der Gemeinde Putyvl in der Region Sumy ein altes, gebrauchtes Tanklöschfahrzeug geschenkt. Dieses wurde von uns nach Uschgorod überstellt und am Gelände der Regionalregierung an den Bürgermeister von Putyvl übergeben. Dazu waren auch Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus Transkarpatien eingeladen. 

Mit der sehr umtriebigen und liebenswürdigen Bürgermeisterin von Dubrynychy – Frau Ljubov Laver – hat sich sofort ein positiver Kontakt ergeben. Ich habe sie mit einer Delegation zu einem Besuch in Ollersdorf eingeladen und die Delegation bei der Rückfahrt in die Ukraine begleitet. So haben wir die Orte kennengelernt und eine Zusammenarbeit fixiert. 

Warum hat sich Ollersdorf entschieden, dieses Projekt zu unterstützen? Was hat Sie persönlich von einer Teilnahme überzeugt?

Ich habe selbst vor Ort gesehen, mit wie viel Herzblut die Menschen dort versuchen, den Kindern die bestmögliche Ausbildung zu geben. In den Karpaten ist die Situation aber bei weitem nicht so wie bei uns. Vor allem durch die regelmäßigen russischen Angriffe auf die Energieversorgung kommt es immer wieder zu Stromausfällen und die Kinder müssen dann in einer eisig kalten Schule oder einem eisig kalten Kindergarten unterrichtet bzw. betreut werden. Das sind Zustände, die wir uns gar nicht mehr vorstellen können. 

Persönlich hat mich die Willenskraft der dortigen Menschen sowie die Freundlichkeit und Herzlichkeit der Bevölkerung überzeugt, hier ein Projekt zu starten. 

Der Kindergarten in Dubrynychy ist für Heizung und Betrieb auf eine verlässliche Stromversorgung angewiesen. Wo setzt die Zusammenarbeit an und wie wird Ollersdorf die ukrainische Gemeinde bei der Vorbereitung einer Lösung unterstützen?

Österreichische Fachleute sollen die Machbarkeit einer PV-Anlage mit Speicher für den Kindergarten überprüfen. Falls diese gegeben ist, soll das Projekt mit österreichischen Planern und österreichischen Firmen und deren Know-How umgesetzt werden, um die Abhängigkeit vom Stromnetz zu verringern und im Falle eines Ausfalls eine Beheizung und Beleuchtung des Kindergartens zu ermöglichen. 

Im Projekt wird die spätere Investition in eine Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher vorbereitet. Welche konkreten Arbeitsschritte sind in den kommenden acht Monaten vorgesehen und welche Rolle übernimmt Ollersdorf dabei?

Der erste Schritt wird die Machbarkeitsstudie sein. Falls diese positiv ausfällt, geht es in die Planung und die Montage der Anlage. Ollersdorf wird dabei die Rolle des Koordinators zwischen den österreichischen Fachleuten und der Gemeinde Dubrynychyn übernehmen und sich laufend vom Projektfortschritt vor Ort überzeugen. 

Auf welche eigenen Erfahrungen mit erneuerbarer Energie kann Ollersdorf dabei zurückgreifen und was davon lässt sich an Dubrynychy weitergeben?

Uns ist es in Ollersdorf gelungen, bei der Bevölkerung die Sensibilisierung für das Thema Erneuerbare Energie und PV so zu wecken, dass wir insgesamt im Rahmen von Bürgerbeteiligungsprojekten rund 100 PV-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden, Unternehmen, privaten Häusern und Vereinsgebäuden errichtet haben. 

Die Bevölkerung hat dabei rund 500.000 Euro aufgebracht, um diese Projekte umsetzen zu können. Dafür erhalten Sie eine garantierte Verzinsung von 2,5 %. Rund 20 % der Einwohner von Ollersdorf haben sich an den Projekten beteiligt. Daher wurde Ollersdorf von der Europäischen Kommission im Rahmen eines Horizon 2020-Projekts als eine von europaweit nur vier Gemeinden als Pilotgemeinde ausgewählt. Dadurch und durch Vorstellungen unserer Projekte in Tschechien, in Finnland und im Iran wurde Ollersdorf weit über die Grenzen hinaus bekannt. 

Wie funktioniert die Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg und welche Aufgaben übernehmen die beteiligten Partner?

Die Zusammenarbeit funktioniert hervorragend. Die ukrainischen Partner schlagen dabei vor, was sie benötigen könnten bzw. in welchem Bereich sie Hilfe und Wissensaustausch benötigen. Falls wir im gewünschten Bereich helfen können, sind wir gerne bereit, unser Wissen zur Verfügung zu stellen. 

Was soll am Ende des Projekts erreicht sein und wie kann es danach weitergehen?

Am Ende des Projekts soll erreicht werden, dass die Menschen vor Ort in der Ukraine erkennen, welche Möglichkeiten es gibt, selbst Energie zu produzieren und diese regional zu verbrauchen. Weiters soll entsprechendes Wissen angeeignet und dadurch die Umsetzung durch regionale Firmen ermöglicht werden. Am Ende des Tages würde ich mich freuen, wenn sich herausstellt, dass beide Seiten voneinander profitiert haben und es zu einem Austausch und einer Zusammenarbeit auch auf anderen Ebenen kommen könnte. Denn eines ist für mich klar: Gegenseitiges Lernen kann für beide Seiten nur von Vorteil sein. 

Was können andere österreichische Städte und Gemeinden aus dieser Zusammenarbeit mitnehmen und warum lohnt es sich aus Ihrer Sicht, sich am „Municipal Exchange Fund Austria–Ukraine“ (A4U) des KDZ zu beteiligen? 

Einerseits können sie aus dieser Zusammenarbeit mitnehmen, wie gut es uns in Österreich wirklich geht, welche Rechtssicherheit wir genießen und auf welch hohem Niveau wir trotzdem ständig jammern. Andererseits schadet es nie, andere Kulturen, Bräuche und Sitten, aber auch andere Denkweisen kennenzulernen. 

Die Ukraine ist ein wunderschönes Land mit viel Potenzial – auch für unsere Wirtschaft. Und: Sie liegt nur rund 600 Kilometer von der östlichen österreichischen Grenze entfernt. Ich erreiche z. B. die Ukraine schneller als Bregenz.

Die Beteiligung am „Municipal Exchange Fund Austria-Ukraine“ (A4U) ermöglicht es österreichischen Gemeinden, ukrainische Gemeinden mit Rat und Tat zu helfen, wirtschaftliche Kontakte und Freundschaften zu knüpfen, ohne dass das Gemeindebudget direkt belastet wird. Ich kann nur jedem Kollegen und jeder Kollegin empfehlen, sich zu beteiligen. 

Weitere Informationen zum Municipal Exchange Fund und wie Sie sich beteiligen können, finden Sie unter www.kdz.eu/en/municipalexchangea4u.

Schlagwörter