Österreichische Bundesforste
© KOMMUNAL/Petra Stückler

Kommunalmesse 2026

Baumkataster schlägt Bauchgefühl

Bei den „Treffpunkt Gemeinde“-Talks auf der Kommunalmesse 2026 in Salzburg erklärten Jürgen Weber und Ludwig Dorfstetter von den Österreichischen Bundesforsten (ÖBf), warum professionelle Baumkontrolle und lückenlose Dokumentation Gemeinden schützen und warum sie am Ende sogar Geld sparen.

Bei den „Treffpunkt Gemeinde“-Talks auf der Kommunalmesse 2026 in Salzburg erklärten Jürgen Weber und Ludwig Dorfstetter von den Österreichischen Bundesforsten (ÖBf), warum professionelle Baumkontrolle und lückenlose Dokumentation Gemeinden schützen und warum sie am Ende sogar Geld sparen.

Viele Gemeinden besitzen Wald, manche nur kleine Flächen, andere größere. Für alle gilt dasselbe: Der Klimawandel fordert die Wälder und den Baumbestand zunehmend, zuletzt setzte der besonders trockene Sommer der Vegetation besonders zu. Gleichzeitig ist die Gesellschaft für Wald- und Naturschutzthemen sensibler geworden, und das seit Jahren spürbar. Die Gemeinde steht damit vor einer Doppelaufgabe. Sie soll einen gesunden, klimafitten Wald pflegen und erhalten und den Menschen zugleich einen attraktiven, sicheren Erholungsraum bieten.

Warum der Wald heute so sehr im Fokus steht

Für das gestiegene Bewusstsein nannten die beiden Experten im Gespräch mit Moderatorin Melanie Pereira-Arnstein mehrere Gründe. Die Menschen sehen jeden Tag, wie Wald und Stadtbäume unter den veränderten Bedingungen leiden. Dazu kam die Corona-Zeit: Während der Lockdowns entdeckten plötzlich viele den Wald als Erholungsort wieder. Auch das E-Bike spielt eine Rolle, denn damit kommen Menschen an Orte, die sie früher nie erreicht hätten.

Dahinter sehen die Bundesforste einen der großen Trends unserer Zeit, die Ökologisierung. Die Menschen hinterfragen mehr, was in der Natur passiert und was der Wald für sie leistet. Die ÖBf haben deshalb ihre Bildungsarbeit verstärkt und gehen mit allen Altersgruppen hinaus auf die Fläche, vom Kindergartenkind bis zu Seniorinnen und Senioren.

Praxisbeispiel Amstetten: Das gesamte Baummanagement aus einer Hand

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt die Stadtgemeinde Amstetten. Sie hat einen Wald eigens für die Bevölkerung angekauft, damit dessen Erholungswirkung gesichert ist. Die Bundesforste übernehmen dort das gesamte Baummanagement: den Wald ebenso wie die Stadtbäume.

Die Stadtbäume wurden zwar schon davor jährlich kontrolliert, allerdings in einer eher rudimentären Form. Die ÖBf haben diese Kontrolle professionalisiert, ihren eigenen Baumkataster auf die Stadtgemeinde ausgerollt und moderne Werkzeuge entwickelt. Das ist notwendig, denn die Bäume leiden derzeit stark.

Der Erfolg ist messbar. Laut den Bundesforsten sind die kritischen Anfragen aus der Bevölkerung in Amstetten deutlich zurückgegangen.

Große alte Bäume: Mehr wert als viele junge

Ein zentrales Ziel guter Baumkontrolle ist es, Bäume möglichst lange zu erhalten, statt sie vorschnell zu fällen, weil man Angst hat. Ein großer alter Baum ist ökologisch und in seiner Funktion etwas ganz anderes als viele kleine Bäume. Viele dieser Bäume haben dazu einen Namen und eine lokale Bedeutung, und genau sie ziehen die Menschen an.

Die Leistungen der Bäume sind bekannt und vielfältig:

  • Kühlung, gerade in heißen Sommern
  • Wasserschutz
  • Bindung von Staub und Speicherung von CO₂
  • Sichtschutz: Gegen Lärm, etwa entlang einer Bahnstrecke, helfen Bäume kaum. Weil man die Lärmquelle aber nicht mehr sieht, nimmt man sie psychologisch weniger wahr.
  • Beruhigende Wirkung: Auch das Grün der Bäume beruhigt nachweislich.

Wer diese Wirkungen künstlich herstellen will, zahlt dafür immer mehr.

Haftung: Ohne Dokumentation wird es vor Gericht eng

Wer Bäume lange erhalten will, muss gleichzeitig für Sicherheit sorgen. Wie wichtig das ist, zeigte heuer ein Vorfall in Amstetten: Auf einem Parkplatz ist ein Ast ausgebrochen. In solchen Fällen muss die Gemeinde nachweisen können, dass die Bäume regelmäßig kontrolliert werden.

Jedes Jahr fallen in Österreich Bäume um oder brechen Äste ab. Tragische Vorfälle sind selten, kommen aber vor. Entscheidend ist dann, dass die Kontrolle normgerecht erfolgt ist und dokumentiert wurde. Viele Menschen haben heute eine Rechtsschutzversicherung und ziehen im Schadensfall vor Gericht.

Dasselbe gilt für die Wegesicherung im Wald. Wo die Gemeinde Menschen gezielt hinlenkt, etwa mit Lauf- oder Radstrecken, muss sie auch für deren Sicherheit sorgen. Die Bundesforste decken beides ab, Stadtbäume und Waldbäume.

Baustellenaufsicht und objektive Gutachten

Die Arbeit endet nicht bei der Baumkontrolle. Werden Straßen oder Plätze neu geplant oder umgestaltet, übernehmen die Bundesforste auch die Baustellenaufsicht und schauen, dass den Bäumen nichts passiert. Ist doch etwas passiert, folgen weiterführende Untersuchungen. Soll für ein Bauvorhaben ein alter, schöner Baum weichen, erstellen die ÖBf als objektiver Dienstleister ein Gutachten zum Zustand des Baumes.

Aus einfachen Entscheidungen wurde ein komplexes Konstrukt

Wie sehr sich die Anforderungen verändert haben, machten die Experten an einem Vergleich fest. Früher hat der Gemeinderat abgestimmt, wie viel Holz im Gemeindewald geschlägert wird, und damit war die Sache erledigt. Heute laufen die Diskussionen ganz anders. Forstrecht, Naturschutzrecht, Sicherheitsfragen und Förderungen greifen ineinander. Über die Forstförderung kann eine Gemeinde dabei einiges herausholen.

Die Bundesforste bieten der Gemeinde daher eine zuständige Ansprechperson. Dahinter stehen Fachleute. Dieser Rückhalt gibt laut den Experten oft den Ausschlag dafür, dass eine Gemeinde ihre Ziele schneller, häufig günstiger und besser erreicht. Je nach Projekt werden auch die Forstbehörde, Naturschutz-NGOs und Forschungseinrichtungen eingebunden.

Mit den Menschen hinausgehen

Je urbaner eine Gemeinde ist, desto größer ist die Sensibilität. Manche Gemeinden trauen sich kaum mehr, einen Baum um zuschneiden, weil dann die Anrufe kommen oder sich eine Initiative bildet. Die Bundesforste setzen hier auf das direkte Gespräch vor Ort. Dort lässt sich erklären, dass Forstwirtschaft im Kern bedeutet, Waldbestände zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Wer die Zusammenhänge versteht, sieht einen gefällten Baum anders. Er ist dann kein Ärgernis mehr, sondern eine notwendige Maßnahme: Er macht Platz für eine nächste Baumgeneration, die besser zum Standort passt und dort über Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte gedeihen kann. Auch Naturschutz und Erholung sind aus Sicht der Experten kein großer Widerspruch. Mit aktiver Besucherlenkung, die besonders attraktive Punkte hervorhebt, muss jede Seite nur ein kleines Stück zurücktreten.

Gute Kontrolleure sparen Geld

Gutes Baummanagement soll die Kosten im Rahmen halten. Der Grund dafür ist einfach: Ein gut ausgebildeter Baumkontrolleur traut sich mehr zu und sieht mehr. So erreicht man mit weniger Maßnahmen mehr, erhält mehr Bäume, und das spart am Ende des Tages Geld.

So kommen Gemeinden zum Angebot

Auf der Website der Österreichischen Bundesforste finden Gemeinden unter dem Punkt „Dienstleistungen“ die Angebote zu Waldbewirtschaftung und Baumkataster. Nach eigenen Angaben betreuen die ÖBf bereits rund 200 Gemeinden in ganz Österreich. Das umfassende Management gemeinsam mit dem Wald nutzen derzeit nur wenige, weil nicht viele Gemeinden große Waldflächen besitzen.

Web: www.bundesforste.at