Outlook auf einem Notebook
E-Mails von Gemeinden kommen in Österreich zumeist über Microsoft Outlook. In anderen Ländern ist das nicht ganz so.
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Studie zeigt: Österreichs Gemeinden sind stark von US-Anbietern abhängig

9. Juli 2026
E-Mail-Dienste von Microsoft, Webseiten auf Servern von Amazon, Exportsperren für KI-Modelle. Die Warnungen vor einer starken technischen Abhängigkeit Europas von großen Anbietern, vor allem aus den USA, haben in letzter Zeit deutlich zugenommen. Eine neue Studie der Linzer Digitaluniversität IT:U (Interdisciplinary Transformation University Austria) zeigt nun, wie stark Länder und Gemeinden ihre digitale Infrastruktur an ausländische Anbieter ausgelagert haben. In Österreich ist die Abhängigkeit zum Teil hoch.

In der Diskussion um die Vormachtstellung US-amerikanischer Tech-Konzerne sehen manche Expertinnen und Experten bereits ein kritisches Ausmaß erreicht. Das Schlagwort dafür lautet digitale Souveränität. Forscherinnen und Forscher der IT:U rund um Forschungsleiter Florian Holzbauer haben dazu eine interaktive Karte veröffentlicht. Auf der Plattform mit dem Namen „Municipalytics“ sind rund 95.500 Kommunen aus 30 europäischen Ländern erfasst.

Für die Karte kombinierte das Team Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat mit rund 89.000 Einträgen aus der Wissensdatenbank Wikidata zu kommunalen Websites. Die Vorgehensweise ist in einem wissenschaftlichen Paper des Teams festgehalten.

Österreich liegt im europäischen Mittelfeld

„Überraschend war der große Unterschied zwischen den europäischen Ländern. Österreich liegt irgendwo in der Mitte“, erklärte Holzbauer im Gespräch mit der Austria Presse Agentur (APA). Besonders bei E-Mail-Diensten gebe es eine verstärkte Abhängigkeit von großen externen Anbietern.

Holzbauer weist zugleich auf eine Einschränkung der Methode hin. Sobald mindestens ein Anbieter außerhalb der EU erkannt wird, zeigt die Karte eine Abhängigkeit an. Das gilt auch dann, wenn im Alltag zum Teil auf andere, etwa heimische, Dienstleister zurückgegriffen wird.

Microsoft bei E-Mail-Diensten stark vertreten

Laut der Studie werden nur 13 Prozent der E-Mail-Dienste österreichischer Städte und Gemeinden ausschließlich von europäischen oder heimischen Anbietern betrieben. Rund 87 Prozent nutzen zumindest teilweise außereuropäische Dienste. In Deutschland ist die Situation anders. Dort greifen nur rund 20 Prozent der Gemeinden auf einen Anbieter außerhalb des eigenen Landes zurück. In Finnland sind es dagegen 99 Prozent. Das liegt laut Holzbauer vor allem am hohen Anteil von Microsoft-Diensten.

außereuropäische E-Mail-Anbieter
Rote markierte Gemeinden verwenden nicht-europäische E-Mail-Anbieter. Bild: Screenshot Municipalitytics

„Im Norden ist Microsoft bei Mail-Diensten sehr stark im Einsatz. Wenn man ein E-Mail an eine Gemeinde schickt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Nachricht in der Microsoft Cloud landet“, sagte Holzbauer im Gespräch mit der APA. Es gebe aber auch Länder mit einer anderen Strategie. „In Deutschland und Polen wird viel im eigenen Land gehostet. Überraschend war, dass es da einen kompetitiven Markt und viele regionale Anbieter gibt, an die sich die Gemeinden wenden. Das ist dann auch sehr resilient, weil öffentliche Einrichtungen mehr Kontrolle über ihre Daten und die digitale Infrastruktur behalten“, so der Forscher.

Gemeindewebseiten werden öfter in Europa gehostet

Beim Hosting von Webseiten liegt der europäische Anteil insgesamt höher als bei den E-Mail-Diensten. Gemeinde-Websites werden demnach eher lokal betrieben. In Österreich trifft das laut Studie auf 60 Prozent der Gemeinde-Websites zu. Deutschland kommt auf 97 Prozent, Irland dagegen nur auf 14 Prozent.

Kommunen in Osteuropa und Teilen Mitteleuropas verlassen sich der Studie zufolge häufiger auf inländische Lösungen für ihre Infrastruktur. Städte und Gemeinden in Nord- und Westeuropa greifen dagegen öfter auf extern kontrollierte Systeme zu.

Kosten und Komfort standen lange im Vordergrund

Laut Holzbauer haben Behörden in den vergangenen Jahren vor allem auf Kosten und Komfort geachtet. Erst allmählich werde erkannt, dass eine zu große Abhängigkeit auch Folgen haben kann. „Jetzt sind die Konsequenzen durch die Eingriffe der US-Regierung, etwa dass Menschen von den Services ausgeschlossen und Daten weitergegeben wurden, stärker spürbar. In Zukunft wird vermutlich häufiger von den Ländern vorgegeben, welche Dienste die Gemeinden nutzen dürfen“, sagte Holzbauer der APA.

Um europäische Lösungen auf das Niveau globaler Anbieter zu bringen, seien laut dem Forscher erhebliche Anstrengungen von Politik und Wirtschaft notwendig.

Wirtschaft gründet eigene Initiative

Das Thema digitale Souveränität gewinnt auch in der heimischen Wirtschaft an Bedeutung. Mehrere österreichische Unternehmen haben eine „Initiative Digitale Souveränität“ vorgestellt. Beteiligt sind A1 Telekom, Anexia, Erste Bank, Keba Group, SPAR, ICS, Umdasch Group und die Vienna Insurance Group. Sie wollen Österreich und Europa nach eigenen Angaben technologisch unabhängiger, innovativer und resilienter machen, mit europäischen Technologien, Know-how und Werten. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Schutz kritischer Infrastruktur.

„Heute sind wir bei Betriebssystemen, Cloud und KI stark von wenigen außereuropäischen Anbietern abhängig. Digitale Souveränität bedeutet nicht Abschottung, sondern Wahlfreiheit und europäische Alternativen, besonders bei kritischen Daten“, sagt Thomas Arnoldner von A1. Die Initiative versteht sich als Impulsgeber. Sie will ein Positionspapier in den politischen und gesellschaftspolitischen Dialog mit Wirtschaft und Wissenschaft einbringen.