Besonders kritisch sehen die Befragten den Bereich Sicherheit und Zugriffskontrolle.
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Digitalisierung
KI im öffentlichen Sektor: Vertrauen braucht bessere Daten
Behörden weltweit setzen große Hoffnungen in Künstliche Intelligenz. Damit KI-Systeme verlässlich arbeiten, brauchen sie aber aktuelle und gut organisierte Daten. Genau hier zeigen sich bei vielen öffentlichen Einrichtungen noch deutliche Lücken.
Eine internationale Untersuchung des Datenmanagement-Unternehmens Denodo zeigt: 73 Prozent der befragten Führungskräfte im öffentlichen Sektor halten es für notwendig, dass KI-Daten in Echtzeit oder zumindest innerhalb weniger Minuten zur Verfügung stehen. Nur so gilt eine KI-Anwendung als vertrauenswürdig.
Gleichzeitig kämpfen viele Behörden mit fragmentierten Datenlandschaften. Im Schnitt nutzt eine Organisation des öffentlichen Sektors 479 verschiedene Datenquellen für ihre KI-Initiativen. Mehr als jede fünfte Organisation greift sogar auf über 1.000 Quellen zurück. Diese Vielzahl an Quellen erschwert es, Daten einheitlich zu verwalten und schnell bereitzustellen.
Von der Analysehilfe zum eigenständigen Entscheidungssystem
Bisher kam KI im öffentlichen Sektor vor allem als Chatbot, als Analysewerkzeug oder als Unterstützung bei Texten zum Einsatz. Die KI machte Vorschläge, die endgültige Entscheidung blieb bei Menschen.
Mit sogenannter Agentischer KI verschiebt sich diese Grenze. Solche Systeme sollen nicht mehr nur Informationen zusammenfassen, sondern eigenständig Entscheidungen vorbereiten und Arbeitsabläufe auslösen. Mögliche Einsatzgebiete sind etwa der Schutz gefährdeter Personen, die Aufdeckung von Betrug in Sozial- und Steuersystemen oder schnellere Bürgerservices. Damit wird die Qualität der zugrundeliegenden Daten zu einer zentralen Frage.
Komplexe Datenstrukturen erschweren den Einsatz
Der Bericht von Denodo zeigt eine deutliche Vertrauenslücke. Behörden haben zwar große Ambitionen für Agentische KI, ihre Datenlandschaften sind aber oft fragmentiert und schwer zu steuern.
36 Prozent der befragten Organisationen haben Schwierigkeiten, die relevantesten und vertrauenswürdigsten Daten für ihre KI-Initiativen überhaupt zu identifizieren. Weitere 26 Prozent scheitern daran, diese Daten anschließend für den praktischen Einsatz vorzubereiten. Bislang setzen erst 56 Prozent der Organisationen KI bereits produktiv ein. Der Sektor steht damit noch am Anfang der KI-Nutzung in größerem Maßstab.
Als möglicher Lösungsansatz gilt das sogenannte logische Datenmanagement. Dabei werden verteilte Datenquellen unter einer einheitlichen Steuerungsebene zusammengeführt, ohne dass die Daten physisch kopiert werden müssen.
Sicherheit und Zugriffskontrolle als größte Herausforderung
Auch technische Engpässe spielen eine Rolle. 68 Prozent der Befragten berichten von Problemen, die Leistung ihrer KI-Anwendungen bei rechenintensiven Aufgaben zu optimieren. Kosten und Leistungsoptimierung sind mit 40 Prozent die am häufigsten genannte Datenherausforderung im öffentlichen Sektor.
Besonders kritisch sehen die Befragten den Bereich Sicherheit und Zugriffskontrolle. 72 Prozent der Organisationen nennen einheitliche Sicherheits- und Zugriffskontrollen über verschiedene Systeme hinweg als größte Herausforderung. Das ist der höchste Wert aller im Bericht untersuchten Branchen.
Diese Frage gewinnt mit dem Einsatz Agentischer KI zusätzlich an Bedeutung. Autonome Systeme werten Daten nicht nur aus, sie können auch Entscheidungen vorbereiten und Prozesse anstoßen. Da KI im öffentlichen Sektor häufig mit sensiblen Bürgerdaten arbeitet, braucht es klare Regeln dazu, welche Daten ein System nutzen darf und unter welchen Bedingungen der Zugriff erfolgt.
Jörg Hesske, Regional Vice President und General Manager für Mittel- und Osteuropa bei Denodo, ordnet die Ergebnisse so ein: „Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass die Vertrauenslücke im öffentlichen Sektor weniger ein Problem der KI-Modelle selbst ist als vielmehr ein Ausdruck der zugrundeliegenden Datenarchitekturen.“ Er verweist zudem auf den EU AI Act, der zusätzliche Anforderungen an Transparenz und Kontrolle stelle.
Dominic Sartorio, Vice President Product Marketing bei Denodo, beschreibt die Entwicklung folgendermaßen: „KI entwickelt sich rasant von passiven Assistenten, die lediglich Fragen beantworten, hin zu Systemen, die eigenständig handeln. Das verändert die Anforderungen an Daten grundlegend.“ Organisationen des öffentlichen Sektors benötigten demnach eine Grundlage aus aktuellen, regulierten und kontextbezogenen Daten, um Agentische KI verantwortungsvoll einzusetzen.