Hochwasser im Wienfluss
Hochwasser im Wienfluss
© Stadt Wien / Magistratsabteilung 45

Software simuliert Hochwasser für Städte und Gemeinden

23. Februar 2026
Extremwetterereignisse wie Starkregen, Hochwasser und Hagel haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Das Wiener Forschungszentrum VRVis hat dafür eine Simulationssoftware namens „Scenarify" entwickelt. Die Nachfrage ist groß – auch aus dem Ausland.

Scenarify" ermöglicht es, Hochwasser- und Starkregenereignisse zu simulieren und dreidimensional darzustellen. „Ich kann mir zum Beispiel anschauen, wie verschiedene Maßnahmen auf mein konkretes Gebäude wirken bzw. ob mein Gebäude überhaupt gefährdet ist", erklärt Gerd Hesina, Geschäftsführer der VRVis GmbH

Die Software rechnet dabei auch Auswirkungen auf einzelne Gebäude aus. Hesina betont: „Mit Scenarify können wir solche Ereignisse nicht wirklich vorhersagen, darum geht es auch nicht. Sondern es geht darum, die Auswirkungen zu simulieren und dann auch Schutzmaßnahmen dagegen treffen zu können."

Der Schwerpunkt liegt auf Risikobewertung, Vorsorge und Planung. In akuten Krisensituationen kann die Software zusätzlich zur raschen Entscheidungsfindung eingesetzt werden.

Seit über 15 Jahren wird am VRVis an der Software gearbeitet. Finanziert wird die Entwicklung unter anderem durch das Landwirtschaftsministerium und die Stadt Wien. 

Für das deutsche Bundesland Rheinland-Pfalz wurde bereits ein sogenannter „Hydro-Zwilling" entwickelt – eine noch genauere Simulation, die neben hydrologischen Grunddaten auch laufend lokales Wissen aus den Kommunen einbezieht. Rheinland-Pfalz bezeichnet das System als modernstes Hochwasservorsorge-System Deutschlands. Der entsprechende „Hydro-Zwilling" für Österreich befindet sich noch in der Pilotphase. Für Wien gibt es bereits das Standard-Hochwassermodell „Hora", das öffentlich abrufbar ist.

Künftig soll die Forschung auch die Hitzeentwicklung und das sogenannte Mikroklima in den Blick nehmen – ein Thema, das laut Hesina besonders für Städte wie Wien relevant ist.

Wien rüstet sich für ein 5.000-Jahre-Hochwasser

Das Hochwasserereignis im Herbst 2024 hat in Wien Schwachstellen sichtbar gemacht. Seither analysieren die Wiener Stadtwerke gemeinsam mit externen Fachleuten, wie städtische Infrastruktur besser gegen Extremwetterereignisse geschützt werden kann. In den kommenden fünf Jahren sollen sämtliche relevante Standorte schrittweise ertüchtigt werden.

Eine konkrete Maßnahme betrifft den Wienfluss: Die Wehrmauern beim Rückhaltebecken in Auhof werden um einen Meter erhöht. Das soll selbst bei einem Hochwasser ausreichen, das statistisch gesehen nur alle 5.000 Jahre vorkommt. Weitere bereits umgesetzte Maßnahmen betreffen die Fernwärme, wo Be- und Entlüftung von Schächten umgebaut und wasserdichte Schachtdeckel installiert wurden. 

Auch Prognosesysteme werden ausgebaut, Filteranlagen verbessert und unterirdische Anlagen besser abgedichtet. Bei der U-Bahn wurde der Hochwasserschutz an Tunneln und Gleiskörpern verstärkt, nachdem das Netz im Herbst 2024 knapp einer Überflutung entgangen war. Die Wiener Netze reagierten, indem die Bereitschaftszeiten von 24 auf 12 Stunden reduziert wurden, sodass Mannschaften in Krisenzeiten häufiger getauscht werden können.

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