Wer Erfolge der Politik in den Mittelpunkt stellt, statt den Nutzen für die Bevölkerung, kommuniziert an den Menschen vorbei.
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Reformen scheitern oft an schlechter Kommunikation
Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Und gute Arbeit wird nicht immer gut kommuniziert. Das gilt leider sehr oft auch im politischen Umfeld. Professionelle Kommunikation ist heute mehr denn je eine essentielle Aufgabe für alle in der Öffentlichkeit stehenden Akteure. Nur wer sich und seine Ideen gut medial verkauft, wird langfristig erfolgreich sein. Das PR-Credo lautet: „Tue Gutes und sprich darüber!“
Die Anforderungen an Kommunalpolitiker im Jahr 2026 sind extrem vielseitig. Neben den rechtlichen und formalen Rahmenbedingungen, die immer komplexer werden, sind vor allem fachliche Anforderungen wie Haushalts- und Finanzverständnis sowie ein gewisses Grundwissen in Bauwesen, Soziales, Bildung oder Wirtschaft – um nur einige zu nennen – gefragt. Aber auch persönliche und soziale Kompetenzen wie Führungsstärke, Entscheidungsfähigkeit, Konflikt- und Kompromissfähigkeit sowie ein gutes Maß an Belastbarkeit sollte man mitbringen. Für viele Amtsträger steht vor allem die Fähigkeit, Projekte für die eigene Gemeinde zu initiieren, zu entwickeln und umzusetzen im Fokus ihrer Agenda.
Vielleicht noch zentraler – vor allem im Hinblick auf kommende Wahlen – sind die Kommunikationsfähigkeiten des Kommunalpolitikers: bürgernah, geerdet, hemdsärmelig, leutselig, integer und sympathisch sollte das Image sein. Kurzum: „Einer von uns!“ Denn die Wahrnehmung der Bevölkerung, die Stimmung und die Meinung sind entscheidende Faktoren, wenn es darum geht, wer künftig Verantwortung in der Gemeinde übernehmen soll.
Und genau hier trennt sich oftmals die projektorientierte Streu vom volksnahen Weizen. Gute Ideen, sinnvolle Projekte oder nachhaltige Entscheidungen sind in den Köpfen der Menschen nur dann wirklich positiv besetzt, wenn sie auch verstanden wurden. Wenn also das Verständnis gegeben ist. Und dafür muss die Vermittlung – also die Kommunikation – dieser Ideen, Projekte oder Entscheidungen heutzutage einen entsprechenden Stellenwert in der Aufgabenplanung eines Kommunalpolitikers einnehmen. Denn die Bevölkerung fragt meistens nicht, ob politische Weichenstellungen effizient und für die Allgemeinheit sinnvoll sind, sondern: „Was bedeutet das für mich persönlich?“
Dass die Kommunikation leider nicht immer im Zentrum der Aufmerksamkeit mancher Mandatare steht, konnte man in den vergangenen Monaten in zahlreichen Gemeinden beispielsweise bei den Erhöhungen der Kosten für Kanal und Wasser beobachten. Vielerorts sahen sich die Verantwortlichen mit Unverständnis, Widerständen und teilweise sogar offensiven Protesten der Bevölkerung konfrontiert. Natürlich: Preiserhöhungen sind nie lustig und werden selten wohlwollend goutiert. Bei genaueren Analysen konnte man aber sehen, dass die negativen Meinungen der Bewohnerinnen und Bewohner besonders in jenen Orten lautstark kommuniziert wurden, wo von Seiten der Verantwortlichen keine oder kaum professionelle, begleitende Kommunikation an den Tag gelegt wurde.
Was zeichnet nun professionelle Kommunikation aus? Oder anders gefragt: Was sind typische Kommunikationsfehler? Ein ganz kleiner Ein- und Überblick in ein sehr großes Aufgabenfeld:
Strategische Grundvoraussetzungen
- Jeder politische Mandatar sollte über seine persönliche Kommunikationsphilosophie verfügen. Was kommuniziere ich wie, wie oft, wann und auf welchen Kanälen? Genauso sollte jede Gemeinde und jedes Gemeindeprojekt über eine eigene Kommunikationsstrategie verfügen. Neben dem projektorientierten „was machen wir wann, wie und warum“ sollte bei jeder Maßnahme auch die Frage gestellt werden: „Wie erklären und erzählen wir es den Menschen?“ Denn professionelle Öffentlichkeitsarbeit passiert selten „nebenbei“. Gute Kommunikation lebt, neben Disziplin und konsequenter Umsetzung, immer von guter Planung der Ziele, der rechtzeitigen Festlegung von Prioritäten und einer eindeutigen Definition der Zielgruppen.
- Wer „alle Bürgerinnen und Bürger“ als Zielgruppe definiert und keine spezifische Kommunikation für Jugendliche, Familien, Senioren oder Zugezogene mitdenkt, wird eben nicht „alle“ erreichen. Aber auch die ernsthafte Einbindung der Bevölkerung muss glaubwürdig kommuniziert werden, denn sonst wirkt die Beteiligung nur symbolisch.
- Ein weiterer wichtiger strategischer Parameter ist die Definition von klaren Zuständigkeiten. Gerade im kommunalen Umfeld sieht man oft, dass sich entweder niemand wirklich für die Kommunikation verantwortlich fühlt, oder das genaue Gegenteil passiert: Zu viele reden gleichzeitig.
- Den vierten taktischen Punkt neben einer Kommunikationsstrategie, Zielgruppendefinition und Klarheit über die Zuständigkeiten kann man als „proaktive statt reaktive Kommunikation“ zusammenfassen. Oder einfach formuliert: Agieren statt reagieren! Einen Plan zu haben bedeutet auch, rechtzeitig proaktiv zu kommunizieren. Denn wenn es bereits Kritik, Gerüchte oder Konflikte gibt, ist es meist zu spät oder zumindest ungleich schwieriger, noch die kommunikative Kurve zu bekommen.
- Das richtige Timing von öffentlicher Kommunikation ist ein weiterer Erfolgsfaktor. Wer politische Entscheidungen erst dann erklärt, wenn sie gefallen sind, und Prozesse nicht proaktiv vorab kommunikativ begleitet, läuft Gefahr, dass gute Ideen oder Projekte in der Wahrnehmung der Bürgerinnen und Bürger negativ gesehen werden.
- Deshalb sind Ehrlichkeit, Offenheit und sich der Bevölkerung stellen Grundvoraussetzungen einer geglückten Öffentlichkeitsarbeit. Die Menschen erwarten sich (zu Recht) Transparenz von politischen Akteuren.
Inhaltliche und sprachliche Fehler
Die Sprache der Menschen zu sprechen ist bei politischer Kommunikation das Um und Auf! Selten führen „Amtsdeutsch“ und komplizierter Fachjargon zu einem breiten Verständnis in der Bevölkerung. Komplex formulierte Texte sind zwar meistens korrekt, doch sind diese oft unverständlich für Laien und schrecken die Bevölkerung ab. Darum gilt es, einfach, aber klar zu kommunizieren. Bringen Sie es auf den Punkt – am besten in wenigen, einfachen und klar verständlichen Worten. Was – zugegebenermaßen – bei politischen Inhalten zumeist keine triviale Aufgabe darstellt. Gute Kommunikation ist leider kein Kinderspiel.
Wer den Fokus in der Kommunikation auf die Erfolge der Politik oder der Verwaltung anstatt auf den Nutzen der Bevölkerung legt, zeigt höchstens, dass er es versteht, sich selbst zu beweihräuchern. Langfristig gesehen bringt das – vor allem auf kommunaler Ebene – selten Erfolg.
Kanal- und Medienfehler
Wer meint, „das stellen wir einfach irgendwo auf die Gemeindewebseite“ genügt, hat nicht verstanden, dass unterschiedliche Menschen auf unterschiedlichen Kanälen unterwegs sind.
Wer die falschen Kanäle auswählt oder zu wenig kommuniziert, wird mit seiner Botschaft nicht durchdringen. Deshalb gilt es, möglichst breit zu kommunizieren: In den sozialen Medien, über verschiedene Webseiten aber auch offline via klassischer Pressearbeit, Schaukästen und persönlichen Gesprächen. Und manchmal muss man Kommunikation sogar noch aufwändiger denken und Postwurf-Flyer oder persönliche Zielgruppenbriefe zur Generierung von Verständnis versenden.
Ein weit verbreiteter Fehler ist unregelmäßige Kommunikation. Lange Funkstille auf den politischen Kanälen und dann wieder eine überbordende Informationsflut (zum Beispiel vor Wahlen) führt selten zu positiver Meinungsbildung. Das Zauberwort lautet regelmäßige Kommunikation oder „steter Tropfen höhlt den Stein“.
Ganz wichtig ist aber auch das sogenannte Community-Management. Es gilt als No-Go, Kommentare, Fragen oder Kritik unbeantwortet im Raum stehen zu lassen. Eine schlechte Krisenkommunikation, die zu spät, zu defensiv oder widersprüchlich kommuniziert oder Kritik, die ignoriert oder gar abgewertet wird, verschärfen Misstrauen und Konflikte unnötig.
Solch eine Einbahnstraßen-Kommunikation kann Stimmungen schnell drehen. Oder wie es die Kommunikationsexpertin und ehemalige Pressesprecherin von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, Heidi Glück, einmal pointiert formuliert hat: „Lügen und Nicht-Reagieren sind kommunikative Todsünden!“
Kurzum: Politische Kommunikation ist komplex
Gefragt ist, wie so oft im Leben, die viel zitierte eierlegende Wollmilchsau. Und dass nicht jeder Mensch, der in der Öffentlichkeit steht, ein perfekt agierender, geschliffener Kommunikationsprofi ist, muss man doch verstehen, denn es ist nur allzu menschlich. Leider ist das Verständnis der wählenden Bürgerinnen und Bürger für „menschliche Unzulänglichkeiten“ nicht grenzenlos. Davon kann man sich täglich in den Medien überzeugen – egal ob TV, Print oder soziale Medien. Von Politikern wird Perfektion erwartet, jeder noch so kleine Fehler wird gnadenlos medial filetiert und kommentiert.
Wir leben eben in einer Welt mit ganz schön viel Meinung und leider viel zu wenig Wissen. Umso wichtiger ist es deshalb für Mandatare, sich der kommunikativen Gefahren und Herausforderungen bewusst zu sein und täglich zu versuchen, die eigene Arbeit möglichst professionell zu kommunizieren. Frei nach dem Motto: „Tue Gutes und sprich darüber!“