Bezahlen an der Bankomatkasse
Der digitale Euro würde Bargeld nicht ersetzen, sondern als digitale Form von Bargeld zusätzlich zur Verfügung stehen.
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Wie der digitale Euro funktionieren soll

Der digitale Euro ist in aller Munde. Viele fragen sich: Wie soll das funktionieren? Welche Auswirkungen hat eine mögliche Einführung des digitalen Euro auf unser Geld und unsere Finanzgebarungen? Es gibt viele Für und Wider, aber vor allem Befürchtungen und Mythen, die weitgehend unbegründet sind.

Warum braucht Europa den digitalen Euro? Die Antwort ist einfach: Wir kaufen immer öfter online, zahlen mit Karte oder Smartphone und verwenden immer seltener Bargeld. Der digitale Euro, ausgegeben von der Europäischen Zentralbank (EZB), würde Bargeld nicht ersetzen, sondern stünde als digitale Form von Bargeld zusätzlich zur Verfügung. Er wäre im gesamten Euroraum gültig und hätte, wie Bargeld auch, den Status eines gesetzlichen Zahlungsmittels.

Mehr Sicherheit für Europa

Ein wichtiges Plus für den digitalen Euro wäre, dass Europa beim bargeldlosen Bezahlen nicht mehr ausschließlich auf Systeme angewiesen wäre, die sich nicht in europäischer Hand befinden. Der digitale Euro wäre „echtes“ Geld ohne Kontrolle durch ein privates Unternehmen. PayPal, Apple Pay oder Kreditkarten-Anbieter hingegen beschränken sich darauf, Geld zu bewegen. Sie sind private Unternehmen, die ihre Firmensitze hauptsächlich in den Vereinigten Staaten haben. 

„Visa und Mastercard sind die großen Platzhirsche beim digitalen Bezahlen. Sie können hohe Gebühren von den Händlern verlangen, die ihren Dienst nutzen. Jedes Jahr fließen so 14 Milliarden Euro von Europa in die USA. Wenn mit dem digitalen Euro bezahlt wird, fallen diese Gebühren weg“, bringt es Josef Meichenitsch, der zuständige Direktor der Österreichischen Nationalbank für den digitalen Euro, auf den Punkt.

Auch Offline-Zahlungen wären möglich 

Die Nutzung des digitalen Euro wäre kein Hexenwerk. Mit einer Zahlungskarte oder einem digitalen Portemonnaie (Wallet), das via App auf dem Smartphone installiert wird, könnten Zahlungen im Internet oder im Geschäft – kontaktlos mit dem Handy – unkompliziert und verlässlich getätigt werden. 

Auch Offline-Zahlungen zwischen zwei Privatpersonen würden durchführbar sein, beispielsweise von Handy zu Handy, ähnlich einer direkten Geldübergabe. Man müsste dafür nur die Wallet auf dem Smartphone mit einem gewissen Betrag aufladen, entweder per Überweisung vom Bankkonto oder bar am Geldautomaten. Und schon könnte man – ganz ohne Internetverbindung – mit dem lokal am Handy gespeicherten Geld bezahlen. Da die Transaktion ausschließlich zwischen den beiden Handys abgewickelt würde, wäre sie ähnlich anonym wie eine Bargeldzahlung.

Mit dem digitalen Euro sparen und billiger bezahlen

Geldtransaktionen könnten in Zukunft so nicht nur schneller und sicherer, sondern auch billiger abgewickelt werden. Der digitale Euro ist darauf ausgelegt, die Kosten im Zahlungsverkehr zu senken und somit zur kostengünstigeren bzw. kostenlosen Alternative zu privaten, teureren Zahlungsdienstleistern zu werden. Für Verbraucher sollen bei der Nutzung im Euroraum keine Gebühren anfallen, Händler sollen ebenfalls günstiger aussteigen. Durch die Nutzung einer europäischen Infrastruktur würden Abhängigkeiten von nicht-europäischen Anbietern reduziert.

Was sind die Befürchtungen?

Skeptiker haben Angst, dass der digitale Euro problematisch hinsichtlich Datenschutz und Privatsphäre sein könnte. Staatliche Kontrolle und eine Dokumentation der Finanzgebarungen der Bürgerinnen und Bürger könnten stattfinden. Ein weiterer Einwand von Kritikern ist, dass das Bankensystem gefährdet werden könnte. Und auch vermehrte technische Risiken werden immer wieder ins Treffen geführt. Die EZB wird nicht müde zu betonen, dass der digitale Euro den Datenschutz gewährleistet und keine staatliche Überwachung der Privatsphäre erfolgt. Es wird auch versichert, dass der digitale Euro nicht programmierbar sein wird.

Skepsis bei den Banken

Die Banken stehen einer Einführung des digitalen Euro überwiegend abwartend bis skeptisch gegenüber. Sie fürchten, dass der digitale Euro Risiken für ihr traditionelles Geschäftsmodell bringen könnte. Provisionen und Transaktionsgebühren durch Kartenzahlungen könnten durch vermehrten Einsatz des digitalen Euro zu Umsatzrückgängen bei den Banken führen. Zudem ist zu erwarten, dass die technische Integration des digitalen Euro mit Investitionskosten für die Banken verbunden sein wird. 

Rainer Kuhnle, Generaldirektor der Volksbank NÖ: „Unsere Kundinnen und Kunden müssen weiterhin selbst entscheiden können, ob sie bar, mit Karte oder mit digitalem Euro bezahlen.“ Foto: David Schreiber

Rainer Kuhnle, Generaldirektor der Volksbank Niederösterreich, spricht sich für eine zurückhaltende Einführung aus: „Die geplante digitale Zentralbankwährung greift tief in das europäische Finanzsystem ein und ist nur sinnvoll, wenn ein klarer Mehrwert für Bürgerinnen und Bürger erkennbar ist.“ Er betont, dass eine gründliche Prüfung notwendig ist, um das Vertrauen in den Euro zu sichern. Bestehende europäische Zahlungslösungen sollten laut Kuhnle vorrangig gestärkt werden. Zudem sei offen, ob Kundinnen und Kunden den digitalen Euro annehmen würden. „Wesentlich ist, dass die Wahlfreiheit gesichert bleibt“, so Kuhnle. „Unsere Kundinnen und Kunden müssen weiterhin selbst entscheiden können, ob sie bar, mit Karte oder mit dem digitalen Euro bezahlen.“

Einführung bereits 2029?

Laut einer Pressemitteilung der EZB wäre eine potenzielle Erstausgabe des digitalen Euro 2029 möglich, dafür müssten aber noch heuer entsprechende Rechtsvorschriften in Kraft treten. „Der Euro ist ein vertrautes Zeichen der europäischen Einheit“, betont EZB-Präsidentin Christine Lagarde in derselben Aussendung. „Wir arbeiten daran, seine greifbarste Form, das Euro-Bargeld, fit für die Zukunft zu machen, indem wir unsere Banknoten neu gestalten und modernisieren und uns auf die Ausgabe von digitalem Geld vorbereiten.“

Welche Vorteile gäbe es für Gemeinden?

Auch für Gemeinden und Behörden würde der digitale Euro Vorteile bringen. Zahlungen wie Gebühren oder Steuern könnten schneller und rund um die Uhr abgewickelt werden, was weniger Verwaltungsaufwand bedeuten würde. Auch beim Thema finanzielle Inklusion und Universalität könnte der Euro punkten, und mit ihm die Gemeinden. Da er für alle zugänglich sein soll, auch für Personen ohne klassisches Bankkonto, wären Auszahlungen wie zum Beispiel Sozialleistungen unkompliziert an alle Bürgerinnen und Bürger möglich. 

ÖNB-Direktor Josef Meichenitsch fasst zusammen: „Der digitale Euro wird eine zusätzliche Möglichkeit sein, wie Sie unkompliziert, verlässlich und sicher digital bezahlen können. Er bringt alle Vorteile, die auch unser Bargeld hat: Sie zahlen ohne Gebühren, Ihre Daten sind sicher und er kann bequem übers Handy oder eine eigene Karte verwendet werden.“ 

Der Beitrag erschien in der NÖ Gemeinde 3/2026.

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