Spar, Rewe, Hofer und Lidl prägen den Markt. Trotzdem legten 2023 Einzelgeschäfte stärker zu als Filialen
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Nahversorgung: Städte wachsen, das Land verliert
In 389 österreichischen Gemeinden gibt es kein Lebensmittelgeschäft. Das zeigt eine neue Studie der KMU Forschung Austria im Auftrag des Bundesgremiums Lebensmittelhandel der Wirtschaftskammer. Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2023. Insgesamt steigt die Zahl der Geschäfte leicht. Im ländlichen Raum gehen aber Standorte verloren.
Österreichweit hat fast jede fünfte Gemeinde keinen eigenen Lebensmittelhändler. Der Anteil liegt bei 18 Prozent. Gegenüber 2022 sind sieben Gemeinden dazugekommen. Im Jahr davor war die Zahl noch um 23 gesunken. Rund 411.000 Menschen leben in einer Gemeinde ohne Lebensmittelgeschäft. Das entspricht 4,5 Prozent der Bevölkerung.
Die Studie verwendet eine enge Definition: Gezählt werden unter anderem Supermärkte, Verbrauchermärkte, Gemischtwarenhandlungen, Feinkostläden und Selbstbedienungsläden mit Schwerpunkt auf Lebensmitteln. Bäckereien, Fleischereien und Drogerien sind nicht erfasst. Auch Containershops, Tankstellenshops und der landwirtschaftliche Direktverkauf fallen nicht darunter.
Die Autoren weisen auf eine Einschränkung hin. Fehlt ein Geschäft im Gemeindegebiet, sagt das noch nichts über die tatsächliche Entfernung zum nächsten Händler aus. In kompakten Orten, etwa im nördlichen Weinviertel oder im Burgenland, erreicht ein größerer Teil der Bevölkerung ein Geschäft zu Fuß. In weit verstreuten Siedlungen, wie sie in Oberösterreich oder der südlichen Steiermark häufig sind, ist das deutlich schwieriger.
Burgenland mit dem höchsten Anteil
Zwischen den Bundesländern gibt es große Unterschiede. Im Burgenland haben 30 Prozent der Gemeinden keinen Lebensmittelhändler. Dort leben 14 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner in einer solchen Gemeinde. Das ist der mit Abstand höchste Wert. In Tirol und Oberösterreich sind jeweils 22 Prozent der Gemeinden betroffen.
In absoluten Zahlen liegen Niederösterreich und Oberösterreich vorne. In Niederösterreich leben rund 134.000 Menschen in einer Gemeinde ohne Lebensmittelgeschäft, in Oberösterreich rund 112.000. Deutlich besser ist die Lage im Westen. In Vorarlberg sind nur 1,6 Prozent der Bevölkerung betroffen, in Salzburg 2,2 Prozent. Wien ist flächendeckend versorgt.
Kleine Gemeinden sind besonders betroffen
Die Größe der Gemeinde spielt eine zentrale Rolle. Von den 109 Gemeinden mit weniger als 500 Einwohnerinnen und Einwohnern haben 75 keinen Lebensmittelhändler. Das sind 69 Prozent. Bei Gemeinden mit 501 bis 1.000 Einwohnerinnen und Einwohnern liegt der Anteil bei 43 Prozent. Bei 1.501 bis 2.000 sind es nur noch 14 Prozent. Ab etwa 2.500 Einwohnerinnen und Einwohnern ist die Versorgung weitgehend gesichert. Alle Gemeinden mit mehr als 5.000 Einwohnerinnen und Einwohnern haben ein Lebensmittelgeschäft.
Fehlende Nahversorgung ist vor allem ein Thema des ländlichen Raums. Von den 389 Gemeinden liegen nur 13 in urbanen Zentren und sieben in regionalen Zentren. Alle anderen zählen zum ländlichen Raum. Im peripheren ländlichen Raum hat mehr als ein Viertel der Gemeinden kein Geschäft. Laut Studie erhöht eine abgelegene Lage das Risiko auch bei gleicher Gemeindegröße.
Auffällig ist das zentral gelegene Umland größerer Zentren mit 85 Gemeinden ohne Lebensmittelhändler. Meist sind das kleinere Orte mit guter Verkehrsanbindung. Ein Geschäft ist dort oft in vertretbarer Entfernung erreichbar. Die Gemeinde selbst verliert aber ihren eigenen Nahversorger.
Eine deutliche Zunahme gab es in kleineren Städten und Vororten. Dort stieg die Zahl der Gemeinden ohne Geschäft von 23 auf 31. Laut Studie geht der Anstieg im Jahr 2023 im Wesentlichen auf diese Gruppe zurück.
Mehr Geschäfte, aber nicht auf dem Land
Österreichweit gab es 2023 insgesamt 9.103 Standorte. Das sind 41 mehr als im Vorjahr. Der Zuwachs verteilt sich aber sehr ungleich. In den Städten kamen 236 Standorte dazu. Im ländlichen Raum gingen 207 verloren.
Über zwei Jahre betrachtet ist das Bild ähnlich. Seit 2021 stieg die Zahl der Standorte um 297. In den Städten kamen 305 dazu, in kleineren Städten und Vororten 85. Der ländliche Raum verlor 93 Standorte.
Die Dichte der Geschäfte ist leicht gesunken. Auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner kommen 99 Standorte. Im Jahr 2022 waren es noch 101. Am höchsten ist die Dichte in Tirol mit 120, am niedrigsten in Oberösterreich mit 88.
Große Ketten prägen den Markt
Der österreichische Lebensmittelhandel ist stark konzentriert. Spar, Rewe, Hofer und Lidl kommen zusammen auf mehr als 90 Prozent Marktanteil. 62,4 Prozent aller Standorte gehören zu Unternehmen mit mehreren Filialen. Die übrigen 37,6 Prozent entfallen auf Unternehmen mit nur einem Standort.
Im Jahr 2023 gab es dabei eine leichte Gegenbewegung. Die Zahl der Einzelstandorte stieg um 31, jene der Filialen nur um 10. In Kärnten etwa sank die Zahl der Filialen um 19. Gleichzeitig kamen 13 Einzelstandorte dazu. Den höchsten Anteil an Filialen hat Wien mit 68 Prozent, den niedrigsten Vorarlberg mit rund 53 Prozent.
Die Studie zählt nur Standorte. Umsätze und Verkaufsflächen sind nicht berücksichtigt. Ein kleiner Dorfladen und ein großer Discounter gehen daher gleich in die Statistik ein.
Die Langfassung der Studie steht unter www.derlebensmittelhandel.at zum Herunterladen bereit.