eine Straße ohne und mit Bepflanzung
Bäume und andere Pflanzen wirken sich auf die Erwärmung einer Straße enorm aus. Links ohne Bepflanzung, rechts mit.
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Bäume als Teil der Infrastruktur

Bäume spenden Schatten, kühlen die Luft und halten Regenwasser zurück. Sie prägen das Ortsbild und sind Treffpunkt für die Bevölkerung. Gleichzeitig stehen sie in vielen Gemeinden unter Druck. Bauprojekte, der Bedarf an Parkplätzen oder fehlende Pflegekonzepte führen dazu, dass Bäume gefällt und Flächen versiegelt werden. Die Leistungen eines alten Baumes lassen sich durch eine Neupflanzung nicht kurzfristig ersetzen.

Viele Gemeinden orientieren sich, wenn sie Bäume pflanzen wollen, an Beispielen aus dem Ausland. Oft sind die Böden dort jedoch kalkfrei, oder die Standorte liegen in anderen Winterhärtezonen. In Niederösterreich spielt vor allem der Kalk im Boden und Gießwasser eine ausschlaggebende und einschränkende Rolle, wenn es um die Pflanzenwahl geht. Am besten, meint Johannes Praskac von der Tullner Baumschule Praskac, ist es, heimische Baumschulen nach den passenden Arten und Sorten zu befragen.

Ein weiterer Fehler betrifft die Größe der Bäume. Laut Praskac hält sich die Annahme, dass große Bäume nicht mehr verpflanzt werden können. Das diene oft als Begründung, um bei den Bäumen zu sparen. Aus wirtschaftlicher Sicht sei das aber falsch.

Der Grund liegt in der Pflege der jungen Bäume. Ein Baum für den öffentlichen Raum braucht eine gut aufgebaute Krone und einen durchgehend geraden Leittrieb. Diese sogenannte Erziehungsarbeit lässt sich in der Baumschule deutlich effizienter und billiger erledigen als später am Straßenrand. Dort ist der Aufbauschnitt teuer und unterbleibt daher häufig.

Kleine Bäume sind für öffentlichen Raum ungeeignet

Im öffentlichen Bereich werden, so Praskac, zu rund 90 Prozent Hochstämme gepflanzt. Ihre Größe wird über den Stammumfang angegeben, gemessen in einem Meter Höhe. Üblich sind etwa die Klassen 20/25 oder 25/30 Zentimeter. Kleinere Bäume mit einem Stammumfang von 14/16 oder 16/18 Zentimetern hält Praskac für den öffentlichen Raum für ungeeignet, weil an ihnen noch keine Erziehungsarbeit geleistet wurde. Ein solch kleiner Jungbaum kostet etwa 300 bis 500 Euro, ein größerer Baum mit einem Stammumfang von 25/30 Zentimetern etwa 1.500 Euro. Mit dem höheren Preis kaufen Gemeinden vor allem Zeit und bereits geleistete Arbeit, meint Praskac.

Wie lange das Wachstum dauert, zeigen Richtwerte: Von 12/14 auf 25/30 Zentimeter Stammumfang vergehen knapp zehn Jahre. Bis zu einem Umfang von 40 bis 50 Zentimetern dauert es weitere zehn Jahre. Das hängt natürlich auch von der Baumart ab: Ein Ginkgo wächst dabei langsamer als eine Linde. Bis ein neu gepflanzter Baum die Größe eines 100 oder 150 Jahre alten Baumes erreicht, vergehen viele Jahrzehnte.

Baumschatten statt Sonnensegel

Johannes Praskac
Johannes Praskac, Prokurist der Baumschule Praskac: „Unter einem Sonnenschirm ist es zwar dunkel, aber nicht kühl.“

Laut Praskac zeigen Studien, dass der Bodenbelag unter einem Baum bis zu 25 Grad kühler sein kann. Die gefühlte Temperatur liegt dort um bis zu zehn Grad niedriger. Eine Mindestzahl an Bäumen, ab der ein Ortszentrum spürbar kühler wird, nennt Praskac nicht. „Jeder einzelne Baum macht einen Unterschied. Je mehr, umso besser“, sagt er.

Als Beispiel nennt er die Mariahilfer Straße in Wien. Die Lederhülsenbäume dort wurden vor gut 30 Jahren beim Bau der U-Bahn gepflanzt. Heute bilden ihre Kronen ein fast geschlossenes Blätterdach von Hausfront zu Hausfront. Die Sonne erreicht den Belag darunter kaum noch. Je geschlossener das Blätterdach, desto besser die Wirkung.

Technische Lösungen können Bäume aus Sicht des Experten nicht ersetzen. „Unter einem Sonnenschirm ist es zwar dunkel, aber nicht kühl“, sagt Praskac. Ein Baum dagegen kühlt die Umgebungsluft aktiv, indem er Wasser verdunstet.

Auch die Einstellung der Anrainerinnen und Anrainer hat sich nach seiner Beobachtung verändert. Herabfallendes Laub sei zwar weiterhin ein Thema. Beschwerden über große Bäume würden aber weniger. Vor zehn Jahren sei das noch anders gewesen. Nach den Hitzeperioden der vergangenen Jahre schätzen viele den Schatten mehr.

Der Wurzelraum entscheidet

Wie alt ein Baum im Ort werden kann, hängt zunächst von der Art ab. Birken und Pappeln wachsen schnell, werden aber nicht sehr alt. Ahorn, Buche oder Linde können mehrere hundert Jahre alt werden, auch im Ortsgebiet. Voraussetzung ist genug Platz unter der Erde. „Je kleiner der Wurzelraum, umso kleiner die Krone“, sagt Praskac. Was ein Baum oben an Laub bildet, entspricht seinem Wurzelwerk unten.

Genau dieser Raum fehlt oft. Als Beispiel nennt Praskac Parkplätze von Supermärkten. Dort werden große Flächen versiegelt. Für den Baum bleibt ein kaum auffindbares Loch im Verhältnis zur Gesamtfläche übrig. Dass ein Baum dort nicht groß und alt wird, sei schon programmiert. Praskac sieht hier die Bauordnung gefordert. Ohne ausreichenden Wurzelraum sei es besser, gar keinen Baum zu pflanzen und stattdessen ein Blumenbeet anzulegen.

Auch beim Regenwasser spielt der Boden eine Rolle. Das Konzept der Schwammstadt, bei dem Regenwasser gezielt in Baumgruben geleitet wird, hält Praskac zwar für interessant, es sei aber teuer, aufwendig und technisch kompliziert. 

Wurzelbedarf von Bäumen
Die meisten Straßenbäume erreichen nur mehr ein Alter von 20 bis 30 Jahren und bleiben klein. So können sie ihr Potenzial zur Dämpfung der 
Klimakrisenfolgen nicht annähernd entfalten.

Ein Problem für Bäume ist das Streusalz. Im Sommer ist Regenwasser in der Baumgrube erwünscht. Im Winter würde aber salzhaltiges Wasser zu den Wurzeln gelangen und die Bäume schädigen. Einfacher und günstiger sei es, Flächen gar nicht erst zu verdichten oder sie großzügig zu öffnen.

Früh planen, gezielt ersetzen

Bei der Planung von Straßen, Plätzen, Parkplätzen, Schulen oder Kindergärten rät Praskac, früh heimische Baumschulen einzubeziehen. Oft reiche eine einfache Maßnahme: Wenn ohnehin ein Bagger vor Ort ist, kann die Pflanzgrube größer ausgehoben und mit guter Erde gefüllt werden.

Bei Fällungen sieht Praskac Fehler in beide Richtungen. Manchmal werden Bäume gefällt, weil Bauarbeiten dadurch bequemer werden. Manchmal bleiben aber Bäume stehen, die keine Zukunft mehr haben, weil ihre Wurzeln bis knapp an den Stamm abgegraben wurden. Ob ein Baum erhalten werden kann, sollten Expertinnen und Experten im Einzelfall beurteilen. Muss er weichen, empfiehlt Praskac, große Ersatzbäume gleich ins Budget einzuplanen und frühzeitig in einer Baumschule zu reservieren.

Baumkataster nicht unbedingt nötig

Einen eigenen Baumkataster hält Praskac für kleine Gemeinden nicht für notwendig. Der bürokratische Aufwand stehe in keinem Verhältnis zum Nutzen. „Wenn ich von einer Ortstafel zur nächsten schauen kann, dann brauche ich mir keine Gedanken machen, ob man einen eigenen Kataster führt“, sagt er. Eine einfache Tabelle mit Größe und Zustand der Bäume könne aber sinnvoll sein. Für Städte wie Wien, Krems oder St. Pölten sei eine Datenbank dagegen zweckmäßig.

Als gutes Beispiel für ein Ortsbild, das von Bäumen geprägt ist, nennt Praskac Tulln, das auch als Blumen- und Gartenstadt vermarktet wird. Auch Krems, Guntramsdorf oder Waidhofen an der Ybbs setzen viele gute Projekte um. 

Der Beitrag erschien in der NÖ Gemeinde 11/2026.

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