Wer als Bürgermeister präsent ist, sachlich spricht und auch unter Druck stabil bleibt, sendet ein wichtiges Signal: Die Lage ist ernst, aber jemand kümmert sich darum und übernimmt die Führung und Verantwortung. Ruhe bedeutet nicht, dass man emotionslos auftritt.
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Psychologie

Klare Worte vermitteln Sicherheit

Ob Hochwasser, Stromausfall oder ein schwerer Unfall im Ortsgebiet: In Krisensituationen richten sich die Blicke der Bevölkerung zuerst auf die lokale Führungsebene. Bürgermeisterinnen und Bürgermeister stehen dann unter besonderem Druck. Wie sie sich verhalten, wirkt sich direkt auf das Sicherheitsgefühl der Menschen aus.

Sicherheit ist nicht nur eine Frage von Maßnahmen. Sie ist auch eine Frage der Wahrnehmung. Menschen fühlen sich sicher, wenn Situationen verständlich und vorhersehbar sind. Klare Informationen spielen dabei eine zentrale Rolle. Wer weiß, was passiert und warum etwas geschieht, empfindet weniger Unsicherheit.

Verlässlichkeit stärkt dieses Gefühl. Wenn Institutionen und handelnde Personen konsistent auftreten, wächst Vertrauen. Auch sichtbare Strukturen vermitteln Sicherheit. Dazu zählen funktionierende Abläufe, erreichbare Ansprechpersonen und klare Zuständigkeiten. Ein weiterer wichtiger Faktor ist Transparenz. Offene Kommunikation, auch über Probleme oder Unsicherheiten, wird meist besser angenommen als Beschwichtigung.

Ruhiges Führungsverhalten als Signal

In Gemeinden kommt der Rolle des Bürgermeisters eine besondere Bedeutung zu. Führung wird in Krisen sichtbar. Ein ruhiges Auftreten kann Sicherheit vermitteln, selbst wenn die Lage angespannt ist.

„Ruhiges Führungsverhalten“ bedeutet nicht Passivität. Es bedeutet, kontrolliert und überlegt zu handeln. Dazu gehört eine klare Sprache ohne Dramatisierung. Entscheidungen werden nachvollziehbar erklärt. Emotionen werden nicht ausgeblendet, aber auch nicht verstärkt.

Ein sachlicher Tonfall kann helfen, die Situation einzuordnen. Hektik oder widersprüchliche Aussagen wirken dagegen verunsichernd. Studien aus der Krisenkommunikation zeigen, dass Menschen sich stark an Führungspersonen orientieren. Deren Verhalten dient als Maßstab für die eigene Einschätzung der Lage.

Auch Körpersprache spielt eine Rolle. Ein stabiler, ruhiger Auftritt unterstützt die Botschaft. Sichtbare Präsenz vor Ort kann zusätzlich Vertrauen schaffen.

Ruhe bewahren als Fähigkeit

Ruhe zu bewahren ist keine Selbstverständlichkeit. In Stresssituationen reagiert der menschliche Körper automatisch. 

Hilfreich sind einfache Techniken. Dazu gehört bewusstes Atmen. Langsame, tiefe Atemzüge können körperliche Reaktionen dämpfen. Auch kurze Pausen vor wichtigen Entscheidungen sind sinnvoll. Sie ermöglichen eine strukturierte Einschätzung der Lage.

Vorbereitung spielt ebenfalls eine große Rolle. Wer Abläufe und Zuständigkeiten kennt, kann schneller und sicherer handeln. Übungen und Szenarien helfen, Handlungssicherheit aufzubauen.

Der Kommunikationsexperte Christoph Angerer erklärt im Interview, wie Bürgermeisterinnen und Bürgermeister mit klaren Worten Sicherheit vermitteln und Vertrauen schaffen können.  

Was vermittelt Sicherheit?

Christoph Angerer: Menschen fühlen sich sicherer, wenn sie merken: Die Lage wird ernst genommen, jemand übernimmt Verantwortung, und es gibt klare Informationen. Für Bürgermeisterinnen und Bürgermeister heißt das: Präsenz zeigen, verständlich kommunizieren und verlässlich sein. Die Bürgerinnen und Bürger erwarten in einer Krise nicht Perfektion, sondern redliche Führung.

Christoph Angerer
„Die Bürgerinnen und Bürger erwarten in einer Krise nicht Perfektion, sondern redliche Führung.“ Christoph Angerer. Foto: Klaus Maislinger

Wie kommuniziert man als Bürgermeister in einer Krise?

Am besten früh, klar und menschlich. Die Fragen, die Bürgerinnen und Bürger beschäftigen, sind meistens dieselben: Was ist passiert? Was wird gerade getan? Was bedeutet das für die Menschen vor Ort? Wann gibt es die nächste Information? 

Wichtig ist es, nur Gesichertes zu sagen. Wenn es Unsicherheiten gibt, kann man das auch offen aussprechen. 
Generell gilt: nichts zu sagen, macht eine Krise schlimmer. Dabei ist es nicht notwendig, sofort alle Antworten zu haben. Auch wenn noch nicht alle Fakten vorliegen, kann kommuniziert werden, dass die Situation geprüft wird und weitere Informationen folgen. Andernfalls können Gerüchte entstehen, die dann nicht mehr zu kontrollieren sind und Menschen verunsichern.

Wie kann ruhiges Führungsverhalten eines Bürgermeisters Sicherheit vermitteln?

Wer als Bürgermeister präsent ist, sachlich spricht und auch unter Druck stabil bleibt, sendet ein wichtiges Signal: Die Lage ist ernst, aber jemand kümmert sich darum und übernimmt die Führung und Verantwortung. 
Ruhe bedeutet nicht, dass man emotionslos auftritt.

Wichtig ist es, klar zu bleiben und Spekulationen zu vermeiden. Die Menschen brauchen in solchen Situationen keine große Inszenierung. Besser ist es, die richtigen Worte im Trainingsanzug zu sagen, als hektisch in der Feuerwehruniform aufzutreten.

Wie kann man selbst Ruhe bewahren?

Da hilft vor allem eine klare Struktur und gute, vorausschauende Vorbereitung. Dann kennen alle ihre Zuständigkeiten und können einem Krisenplan folgen. So tun sich alle Beteiligten leichter, ruhig zu bleiben. Diesen Krisenplan hat man als Gemeinde idealerweise schon lange vorher erstellt. Zum Beispiel in einem Krisenhandbuch, in dem Abläufe und Zuständigkeiten für diverse Szenarien genau festgelegt sind. Organisation und Kommunikation folgen dann einem Plan, den man gemeinsam durchgespielt und überlegt hat. 

Wir haben schon für viele Unternehmen, Gemeinden und Institutionen solche Krisenhandbücher und Ablaufpläne erstellt und gute Erfahrungen damit gemacht. In der Erstellung werden oft auch Schwachpunkte in den Prozessen erkannt, die dann rechtzeitig behoben werden können.

Was sollte man sagen, und was besser nicht?

Wer sagt, was derzeit gesichert ist und wann die nächste Information folgt, macht alles richtig. Ebenso wichtig ist, die Sorgen der Menschen anzuerkennen und nicht zu verharmlosen. Beschwichtigungen wie „Es besteht kein Grund zur Sorge“ oder „Das ist halb so wild“ sollte man vermeiden. Genauso wie Spekulationen, Schuldzuweisungen und umständliche Verwaltungssprache. 

Zur Person

Christoph Angerer ist Experte für kommunale Kommunikation bei clavis Kommunikationsberatung. clavis berät Unternehmen, Gemeinden und Institutionen bei Infrastruktur- und Beteiligungsprojekten sowie im Bereich Krisenkommunikation.  

Der Beitrag erschien in der NÖ Gemeinde 5/2026.

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