Leo Shuhani: „Kinder und Jugendliche sind die echten Expert:innen ihrer Lebenswelt. Wer zukunftsfähige Räume schaffen will, sollte nicht über ihre Köpfe hinweg planen.“
© RURASMUS
Aufs-Land-Semester für Studierende
Ein Bildungscampus aus Kinderperspektive
Wie lassen sich die Außenräume eines Schulareals zu einem sicheren und attraktiven Ort des Lernens und der Begegnung gestalten? In Altenberg bei Linz hat Leo Shuhani, Masterstudent der Stadt- und Regionalplanung an der Universität Kassel, rund 400 Kinder und Jugendliche in die Überlegungen dazu einbezogen. Seine Arbeit bildet die Grundlage für die künftige Gestaltung der Schulfreiräume.
Die Gemeinde Altenberg bei Linz will ihre Bildungseinrichtungen und Außenräume zu einem Campus verbinden – mit sicheren Wegen und Platz für Lernen, Bewegung und Begegnung.
Bürgermeister Michael Hammer setzte dabei auf einen Prozess mit Beteiligung: „Wir haben das Projekt bewusst offen gestaltet und uns darauf eingelassen, dass die Ergebnisse partizipativ erarbeitet und nicht von vornherein vorgegeben werden.“ Auf diese Weise sollten die unterschiedlichen Bedürfnisse der Altersgruppen auch auf der begrenzten Fläche berücksichtigt werden. Im Rahmen seines RURASMUS-Semesters untersuchte Leo Shuhani deshalb die Wünsche und Bedürfnisse der Schulgemeinschaft.
Beteiligung braucht Übersetzung
Der Student entwickelte dafür einen dreistufigen Prozess: Bestand untersuchen, Ideen und Wünsche sammeln und anschließend zu einem konkreten Plan zusammenführen. Er verbrachte ein Studiensemester in Altenberg – ein sogenanntes Aufs-Land-Semester. In dieser Zeit entwickelte er 23 Workshops, an denen rund 400 Schüler:innen teilnahmen. Seinen Ansatz erklärt er so: „Die Perspektive der künftigen Nutzer:innen einzubinden, sorgt nicht nur für mehr Identifikation, sondern auch für ein besseres Ergebnis.“
In Wunsch- und Meckerkästen konnten die Kinder und Jugendlichen ihre Ideen und Kritik einbringen. Zudem erarbeitete er gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern Zeichnungen und Modellen, die ihre Zukunftsvorstellungen veranschaulichen. Auch die Perspektive von Lehrkräften, Eltern und Anwohnenden wurde im Rahmen von Planungswerkstätten und einer Online-Umfrage einbezogen.
Was Erwachsene leicht übersehen
Leo Shuhanis Arbeit machte sichtbar, wie Kinder und Jugendliche ihre Schulfreiräume nutzen möchten. Klettergerüste, Trampoline und Fußballplätze gehörten zu den am häufigsten genannten Wünschen. Ältere Schülerinnen und Schüler wünschten sich zudem ruhige Orte zum Zusammensitzen und Verweilen. Schattige Plätze waren allen Altersgruppen wichtig.
„Ein Mehrwert meiner Arbeit liegt darin, die Expertinnen und Experten ihres Alltags zu Wort kommen zu lassen und ihre Perspektive in die Planung einzubringen, statt ihre Bedürfnisse allein aus der Erwachsenensicht abzuleiten“, so Shuhani.
Grundlage für nächste Schritte
Im nächsten Schritt führt Leo Shuhani die Ergebnisse der Beteiligung in einem Freiraumkonzept zusammen und übergibt dieses der Gemeinde. So profitieren beide Seiten vom Aufs-Land-Semester: Der Student konnte wertvolle Praxiserfahrung sammeln, die Gemeinde erhält eine konkrete Planungsgrundlage, in der die Ideen der Kinder und Jugendlichen berücksichtigt sind. Bürgermeister Michael Hammer ist es wichtig, „das, was die Beteiligung ergeben hat, auch tatsächlich umzusetzen“.
Was ist das Aufs-Land-Semester von RURASMUS?
Das RURASMUS-Programm, dessen Name sich aus den Begriffen „rural“ und „Erasmus“ zusammensetzt, verbindet den ländlichen Raum mit dem etablierten Erasmus-Studierendenaustauschprogramm. Studierende verbringen ein Semester in einer ländlichen Gemeinde. Sie beschäftigen mit konkreten lokalen Zukunftsfragen – gemeinsam mit Politik, Verwaltung und engagierten Menschen vor Ort.
Was haben Gemeinden und Regionen davon?
Studierende kommen nicht als „Besserwisser“, sondern als Forschende in die Gemeinde. Sie bringen Methoden und Know-how mit. Ihr Beitrag soll die Gemeinden unterstützen.
In kleinen Verwaltungen sind viele Strukturen historisch gewachsen. Der Blick von außen hilft, frischen Wind in bekannte und festgefahrene Herausforderungen zu bringen.
Gleichzeitig lernen junge Menschen den ländlichen Raum als Gestaltungs- und Arbeitsort kennen.
Wer kann mitmachen?
Gemeinden und Regionen, die an einem RURASMUS-Semester interessiert sind, finden Informationen auf der Website oder können direkt Kontakt aufnehmen. Es werden laufend neue Partner aufgenommen.
www.rurasmus.eu
office@rurasmus.eu