Menschenwürde wird sichtbar: Was Gemeindeprojekte über gelingende Teilhabe zeigen

2. November 2026
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Woran lässt sich erkennen, ob ein Gemeindeprojekt Menschen tatsächlich erreicht? Dieser Frage ist das Forschungsprojekt „Menschenwürde in Gemeinden sichtbar machen“ nachgegangen. Initiiert hat es die Gemeinwohl-Ökonomie Vorarlberg, wissenschaftlich begleitet wurde es von Dr. Sharon Schneider. Nun liegen die Ergebnisse vor.

Grundlage sind 41 Projektprotokolle aus über 20 Gemeinden, Städten und Regionen in fünf Bundesländern. Projektverantwortliche unterschiedlicher Gemeindeprojekte schilderten darin in leitfadengestützten Gesprächen ihre Erfahrungen. Ausgewertet wurden die Protokolle mit der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring und Kuckartz. 

Die Ergebnisse geben die Sicht der Projektverantwortlichen wieder. Sie zeigen, wo Angebote gelingen und wo sie an Grenzen stoßen. 

Hohe Nachfrage ist noch kein Erfolg 

Mehrere Projektverantwortliche beschreiben eine hohe Nachfrage, teils bei begrenzten Kapazitäten. Hohe Nachfrage allein sagt aber noch nicht, was sich für die Menschen verbessert hat. 

Die Projektverantwortlichen berichten, dass neue Kontakte entstehen und frühere wieder aufleben. Gegenseitige Unterstützung und Zugehörigkeit nennen sie als Zeichen des Gelingens. Manche Angebote erreichen allerdings überwiegend einen bestehenden Personenkreis. Menschen außerhalb dieses Kreises kommen selten hinzu. Für Gemeinden lautet die entscheidende Frage deshalb: Wer bleibt trotz Bedarf außen vor? 

Hürden auf dem Weg zum Angebot 

Ob Menschen ein Angebot nutzen können, hängt an praktischen Dingen. In einem Projekt ermöglicht eine organisierte Mitfahrgelegenheit die Teilnahme am Angebot. In einem anderen erschweren digitale Buchung und Verkehrsbedingungen den Zugang. 

Die Studie leitet daraus konkrete Anwendungsvorschläge ab. Gemeinden sollen das Angebot und seine Zielgruppe verständlich beschreiben und eine Anmeldung auch ohne digitale Kenntnisse ermöglichen. Dazu kommt ein Blick auf die Erreichbarkeit und Begleitung für Menschen, die sie zur Teilnahme benötigen. 

Ein Schutzkonzept allein reicht nicht 

Projektverantwortliche berichten, dass beispielsweise ein Schutzkonzept vorhanden ist. Seine Umsetzung im Alltag bleibt jedoch eine Herausforderung, wenn die handelnden Personen überfordert sind. Für Gemeinden stellt sich damit eine klare Frage: Wer übernimmt Verantwortung, wenn ein konkreter Schutzbedarf entsteht? 

Fortführung braucht mehr als Räume 

In einem Projekt gelang die Fortführung nach einem Wechsel in der Projektleitung nicht, obwohl die notwendigen Räumlichkeiten vorhanden waren. Die Studie schlägt deshalb vor, Übergaben aktiv zu gestalten. Erfahrungen, Kontakte und Zuständigkeiten müssen weitergegeben werden. 

Zwölf Kriterien für Planung und Selbstevaluation 

Aus den Ergebnissen sind zwölf vorläufige Orientierungskriterien entstanden. Gemeindevertreter*innen können sich daran bei der Planung und Selbstevaluation ihrer Angebote orientieren. Die Kriterien reichen von passender Hilfe, die Menschen tatsächlich erreicht, bis zur selbstgetragenen Weiterentwicklung. Dazwischen stehen etwa verlässliche Handlungsmöglichkeiten bei Schutzbedarf und eine differenzierte Sicht auf Nutzung und Nachfrage. 

Menschenwürde und Gemeinwohl werden so im Gemeindealltag greifbar. Dabei gilt ein Grundsatz: Würde und Rechte gelten unabhängig von Teilnahme und Leistung. Als Leitfrage für jede Gemeinde bleibt: Für wen ist ein Angebot unter welchen Bedingungen hilfreich? 

Wir bedanken uns bei den teilnehmenden Gemeinden aus dem Burgenland, Salzburg, der Steiermark, Tirol und Vorarlberg. 

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