Eva-Maria Adamer-König:
„Bleibt euch treu! Es gibt einen Satz, den ich meinen Studierenden oder jungen Menschen immer mitgebe, wenn sie nicht wissen, wie es beruflich weitergeht oder überhaupt im Leben: ,Go where your heart is the brightest.‘ Folge deinem Herzen, denn dort, wo es aufgeht, das machst du gut. Bei mir hat es gut funktioniert.“
„Bleibt euch treu! Es gibt einen Satz, den ich meinen Studierenden oder jungen Menschen immer mitgebe, wenn sie nicht wissen, wie es beruflich weitergeht oder überhaupt im Leben: ,Go where your heart is the brightest.‘ Folge deinem Herzen, denn dort, wo es aufgeht, das machst du gut. Bei mir hat es gut funktioniert.“
© ee Sabine Omann
Role Models im Spiegel
Diese Frau prägt die regionale Fachkräfte-Schmiede
Sie hat die europäische Raumfahrt mitgestaltet und in der Steiermark Gesundheitsprojekte vorangetrieben: Als gefragte Expertin für Public Health leitet Eva-Maria Adamer-König seit mehr als zwei Jahrzehnten das Institut für Gesundheits- und Tourismusmanagement an der FH in Bad Gleichenberg – und sorgt damit für die Ansiedlung von neuen „High Potentials“.
Eva-Maria Adamer-Königs Geschichte beginnt in einem kleinen Dorf nahe Weiz. Der Vater, Vorarbeiter und Werkmeister, war monatelang auf internationalen Baustellen unterwegs, die Mutter führte den Haushalt. „Mein Vater hat die sonderbarsten Dinge aus der Welt mitgebracht“, erinnert sie sich. „Das war aufregend.“
Die Sehnsucht nach diesem „bunten Leben“ prägte sie früh. Trotz durchschnittlicher Schulleistungen bestand sie die Matura, studierte Medizin. Gegen den Rat ihrer Eltern, die das Studium für zu schwer für sie hielten. „Ich wollte es einfach probieren“, sagt sie heute. Und sie schaffte es, in einer Zeit, als Tausend Studierende um 400 Plätze kämpften.
Vom Hörsaal in den Weltraum
Nach dem Studium zog es sie nicht ins Krankenhaus, sondern in die Forschung. Ein Zufall führte sie zur Weltraummedizin: Ein Professor suchte eine Assistentin für ein Experiment mit russischen Astronauten.
„Ich hatte keine Ahnung von Weltraummedizin“, gesteht sie. Doch sie traute es sich zu und lernte, dass Selbstvertrauen oft der Schlüssel ist. Bald präsentierte sie Forschungsergebnisse bei der NASA, reiste zu Kongressen, wurde Projektmanagerin bei der Europäischen Weltraumagentur ESA in Noordwijk. Doch nach drei Jahren stand sie vor einer Entscheidung: Sollte sie im Ausland bleiben oder zurückkehren?
„Ich wollte dort arbeiten, wo politische Entscheidungen getroffen werden“, sagt sie. Also kehrte sie in die Steiermark zurück und landete im politischen Büro eines Landesrats. Hier prägte sie Gesundheitsprojekte mit, förderte Frauengesundheitszentren und setzte sich für Prävention ein. „Ich wollte verstehen, warum Menschen krank werden und wie man es verhindern kann.“
Ein Studiengang mit Signalwirkung
Als Adamer-König 2001 die Leitung des Instituts für Gesundheits- und Tourismusmanagement in Bad Gleichenberg übernahm, war der Standort noch im Aufbau. Heute ist das Institut ein Aushängeschild der FH Joanneum und ein Labor für innovative Ideen.
Die Studierenden lernen zum Beispiel, wie Kurorte, Hotels und Gemeinden gesundheitsfördernde Angebote entwickeln können, die sowohl Gästen als auch Einheimischen zugutekommen. Der positive Nebeneffekt: Über die Jahre ist so ein regionaler Fachkräfte-Cluster entstanden. Ehemalige Studierende bringen aktuelle, evidenzbasierte Trends direkt in die traditionsreichen Betriebe der Region.
Frauen sichtbar machen
Adamer-Königs Credo, das sie an ihre Studierenden weitergibt: Es braucht niederschwelligen Zugang zu Gesundheitswissen. „Bei Vorträgen über Gesundheit und die Vorsorge – sei es, ob ich sie halte oder wer anders – kommen eher jene, die sich eh schon gut auskennen und meist schon eine höhere Gesundheitskompetenz aufweisen. Das gilt es anders anzugehen.“
Besonders wichtig ist ihr der gendersensible Zugang. Es geht dabei um physiologische Unterschiede, Sensibilisierung und die Frage, wie Geschlecht etwa in der Pharmaindustrie oder im Umgang miteinander eine Rolle spielt.
Gerade bei Gesundheit und Prävention sei das Geschlecht ein entscheidender Faktor: „Warum werden Menschen krank, und welche Rolle spielt dabei Mann oder Frau?“ Nah dran an den jungen Menschen, diskutiert sie mit ihren Studierenden auch über die Einflüsse von Social Media und warnt vor einer „Retro-Bewegung“, die junge Frauen in traditionelle Rollenbilder zurückdrängen könnte. Gleichzeitig möchte sie jungen Frauen Mut machen, sich einzubringen und Führungsrollen zu übernehmen, vor allem in der Gesundheitspolitik. Nur so, sagt sie, könnten frauenrelevante Entscheidungen stärker berücksichtigt werden.
Biografie
Als Leiterin des FH JOANNEUM Instituts für Gesundheits- und Tourismusmanagement verantwortet Eva-Maria Adamer-König Bachelor- und Masterstudiengänge in den Bereichen Gesundheit, Public Health, Gesundheitstourismus und Sport- und Eventmanagement sowie den EMBA-Masterlehrgang Sportmanagement und Training am Standort Bad Gleichenberg.
Ihre Kernkompetenzen liegen in Führung, Management sowie Forschung und Entwicklung im Bereich Public Health und Gesundheitswissenschaften. Ein besonderes Anliegen ist ihr die Gleichstellung der Frau: Sie engagiert sich im steirischen Fachbeirat für Gendergerechte Gesundheit und Diversität im Gesundheitswesen sowie beim Zonta Serviceclub Feldbach.
Zum Projekt
Der Verein „FELIN_female leaders initiative“ setzt sich mit „Role Models im Spiegel“ dafür ein, traditionelle Rollenbilder zu durchbrechen. Die vierte Auflage des Projekts ist den Pionierinnen der Macht im Gesundheitssystem gewidmet. Denn rund 80 Prozent der Beschäftigten im Gesundheitswesen sind Frauen. Sie halten Spitäler, Pflegeeinrichtungen, Ordinationen und mobile Dienste am Laufen, doch je näher es zu den Schaltstellen der Macht geht, desto geringer wird ihr Anteil. Das Projekt lässt aus diesem Grund Frauen in führenden Positionen von ihrem Werdegang erzählen. „Das soll andere Frauen motivieren, ähnliche Wege einzuschlagen“, erklärt Geschäftsführerin Katrin Fischer.
„Role Models im Spiegel“ umfasst Bücher mit Interviews und eine Wanderausstellung mit Bildern, die Künstlerinnen auf Basis der Geschichten der Frauen angefertigt haben. Seit 2022 wird das Projekt stetig erweitert. Der Verein bietet neben dem Projekt „Role Models im Spiegel“ auch Lehrgänge und Studien sowie die steirische Expertinnendatenbank an, die Frauen und ihre Expertise für Organisationen, Podien, Medien etc. sichtbar macht.