Wassertropfen
Die Sicherung der Trinkwasserversorgung beginnt lange, bevor tatsächlich Wasser knapp wird.
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Trinkwasser unter Druck: Jeder Tropfen zählt!

Der Sommer 2026 hat uns deutlich vor Augen geführt: Die Versorgung mit Trinkwasser ist eine der wichtigsten kommunalen Aufgaben. Wochenlange Hitze und ausbleibende Niederschläge ließen die Wasserreserven schrumpfen. Die Prognosen der Klima-Experten sind einstimmig: 40 Grad und Trockenheit sind keine Phänomene des heurigen Rekordsommers. Sie sind gekommen, um zu bleiben …

Der hinter uns liegende Sommer kann durchaus als allerletzter Weckruf gesehen werden. Auch bei uns in Österreich ist Trinkwasser kein unendlich verfügbares Gut. Wasser wurde 2026 zum Kernthema der Berichterstattung. Bauern mussten wegen der Trockenheit die Ernte vorziehen. Die Donauschifffahrt wurde wegen extremem Niederwasser teilweise eingestellt. Seen drohten auszutrocknen, in Flüssen und Bächen kämpften Fischbestände ums Überleben. Gleichzeitig stieg der (Trink)Wasserverbrauch: Poolbefüllungen, Gartenbewässerungen und Co. führten in vielen Gemeinden zu Engpässen.

Herausforderung Nr. 1: Saisonale Schwankungen ausgleichen

Feuchtere Winter, trockenere Sommer: Es ist davon auszugehen, dass die Folgen des Klimawandels zu einer saisonalen Verschiebung der Niederschläge führen werden. Zu diesem vorläufigen Ergebnis kommt eine Untersuchung, die im Rahmen des Forschungsprojektes „Wasser im Klimawandel – eine Studie über die Auswirkungen“ durch Österreichs führende Forschungseinrichtungen erstellt wurde. Demnach soll der Niederschlag im Sommer um fünf bis 15 Prozent abnehmen, was in der kühleren Jahreszeit durch größere Regenmengen wieder ausgeglichen wird. 

Durch den weiteren Anstieg der Temperaturen und die damit zunehmende Verdunstung wird jedoch insgesamt weniger Wasser im Boden zur Verfügung stehen. Besonders in vulnerablen Gebieten wie dem Weinviertel oder dem nördlichen Waldviertel wird das Wassermanagement aufgrund der saisonalen Niederschlagsverschiebungen herausfordernd werden.

Eine Konsequenz aus den trockenen Sommern ist die Erhöhung des Bewässerungsbedarfs. „Die Aufgabe, die Ressource Wasser von der kalten Jahreszeit zu den Mangelzeiten im Sommer zu verteilen, wird künftig an Bedeutung gewinnen“, ist Klaus Haslinger, Hydroklimatologe bei GeoSphere Austria, überzeugt.

Ein weiterer Trend, der bereits zweifelsfrei aus den Messdaten abgeleitet wurde, sind intensivere Sommerregen. „Der Zeitpunkt und die Intensität des Niederschlags ändern sich und das hat direkte Folgen für Trinkwasser, Landwirtschaft, die Gemeinden und den Schutz vor Extremereignissen wie Hochwasser“, merkt Minister Norbert Totschnig zu den Ergebnissen der Studie an, deren Endbericht im Herbst 2026 erscheinen wird. „Mit dieser Studie wird eine einheitliche Basis geschaffen werden, damit wir in Österreich vorausschauend planen und unsere Wasserressourcen von morgen sichern können.“

Das Weinviertel ist Niederösterreichs „Dürre-Region“

Die Niederschlagsmengen in Niederösterreich schwanken je nach Region stark. Zu den trockensten Gebieten zählt das Weinviertel, im Alpenvorland fällt in der Regel der meiste Niederschlag. Im ersten Halbjahr 2026 war es in Niederösterreich so trocken wie nie zuvor. Gleichzeitig verschärften hohe Temperaturen und eine starke Verdunstung die Auswirkungen der Trockenheit zusätzlich. 

Hält diese Entwicklung in den Herbst und beginnenden Winter hinein an, könnte 2026 als neues Rekord-Dürrejahr in die Geschichte eingehen. Angesichts dieser Prognose stand beim Trinkwassergipfel 2026, der Ende Juli stattfand, die hydrologische Situation, die Umsetzung des 2023 beschlossenen Trinkwassersicherungsplans sowie die nächsten Schritte für eine langfristige sichere Trinkwasserversorgung auf dem Programm. Niederösterreich setzt – wie auch die anderen Bundesländer Österreichs - auf Vorsorge und Investitionen.

Balanceakt für die Gemeinden: Wenn alle gleichzeitig Wasser brauchen

Besonders im Frühjahr, rund um den 1. Mai – dem Start der Poolsaison – wird am meisten Wasser benötigt. In Niederösterreich gibt es schätzungsweise 75.000 private Pools. Bei einer Durchschnittsgröße von 8 x 4 Metern und 1,5 Metern Tiefe ergibt das pro Pool (je nach Füllgrad) rund 40.000 Liter Wasser. Insgesamt sind das für ganz Niederösterreich also drei Millionen Kubikmeter oder drei Milliarden Liter Wasser – nur für das erstmalige Befüllen der Swimmingpools!

Werden die privaten Pools innerhalb von wenigen Wochen befüllt, bringen die Verbrauchsspitzen vielerorts die Systeme an ihre Kapazitätsgrenzen. Das Hauptproblem in diesem Fall ist weniger die Wasserknappheit als die hohe zeitgleiche Nachfrage. Trotz heftiger Diskussionen wurde einem Poolbefüllungsverbot auf Landesebene eine Absage erteilt. Es wird aber in Zukunft notwendig sein, das Befüllen der Schwimmbecken zeitlich abzustimmen, um Engpässe in der kommunalen Wasserversorgung zu vermeiden. Einige Gemeinden sind hier bereits mit Ideen und Konzepten auf einem guten Weg.

Pool mit Abdeckung
Wasser sparen beim privaten Pool gelingt am besten durch eine passgenaue Abdeckung gegen Verdunstung, gezielte, nachhaltige Wasserpflege sowie eine sofortige Reparatur von Lecks. Foto: Thomas - stock.adobe.com

Aufgrund der anhaltenden Trockenheit standen Appelle zum Wassersparen auf der Tagesordnung. Die Bürgermeister der niederösterreichischen Gemeinden betonten laufend die große Notwendigkeit, mit dem Trinkwasser sorgsam umzugehen. Mancherorts war die Lage durchaus prekär. 

Im Raum rund um Wien etwa stellte Wiener Wasser die Einspeisung über die II. Wiener Hochquellenleitung für einige niederösterreichische Gemeinden ein. Pressbaum musste auf Wasser von der EVN umgestellt werden, und auch in Laab am Walde war man zwischenzeitlich ohne Wasserversorgung aus Wien. In Weinzierl am Walde wurde die Wasserentnahme aus der Ortsleitung für Rasensprengen oder Autowaschen verboten. 

Auch der Präsident des Gemeindebundes, Johannes Pressl, blickte mit Sorge auf die anhaltende Dürre im Land. Er betonte aber immer wieder, dass die Wasserversorgung im Großen und Ganzen gut funktioniere. Generell war er in der „heißen Phase“ bemüht, die Menschen zum Zusammenhalt aufzurufen. „Gemeinsam werden wir auch diese Ausnahmesituation meistern“, so Pressl.

Wasser aus dem zweiten oder dritten Horizont

Wenn das „normale“ Grundwasser (aus dem ersten Horizont) nicht ausreicht, können durchaus tiefere Brunnen gebohrt werden, um Grundwasser aus dem sogenannten zweiten oder dritten Horizont – also tiefer liegendes Grundwasser - zu fördern. Denn der Untergrund besteht häufig aus mehreren wasserführenden Schichten, sogenannten Grundwasserhorizonten oder Grundwasserstockwerken. Diese sind durch wenig durchlässige Schichten voneinander getrennt. Das Wasser dort ist häufig länger im Untergrund unterwegs und durch die darüber liegenden Schichten besser vor den Einflüssen an der Oberfläche geschützt. 

Tiefer liegendes Grundwasser ist allerdings keine unbegrenzt verfügbare Notreserve. Es erneuert sich nur langsam. Eine zu starke Entnahme kann langfristig problematisch sein. Ob eine Erschließung sinnvoll und wasserrechtlich möglich ist, hängt von der lokalen Geologie und Hydrologie ab.

In Niederösterreich gibt es zudem auch Tiefengrundwässer, die derzeit nicht als zusätzliche reguläre Wasserreserve in Betracht gezogen werden. Das Land sieht vor, dass Tiefengrundwasser wegen seiner eingeschränkten Erneuerbarkeit Heil-, Thermal- und Mineralwasserzwecken sowie der Trinkwassernotversorgung vorbehalten ist.

Was können Kommunen tun, um positiv auf die Trinkwassersicherheit einzuwirken?

Eine Gemeinde kann verschiedenste Maßnahmen setzen, um die Sicherheit des Trinkwassers zu gewährleisten. 
Am Anfang der Liste muss nicht zwangsläufig ein neuer Tiefbrunnen oder eine Millioneninvestition stehen. Entscheidend wird sein, Versorgungssicherheit als Kombination aus Vorsorge, Infrastruktur, Verbrauchssteuerung und Zusammenarbeit zu betrachten. Die Sicherung der Trinkwasserversorgung beginnt, lange bevor Wasser tatsächlich knapp wird. Gleichzeitig gilt es, Verbrauchsspitzen zu reduzieren, zusätzliche Versorgungsmöglichkeiten zu schaffen und für den Ernstfall vorbereitet zu sein. 

Rechtliche Möglichkeiten des Bürgermeisters bei akutem Wassermangel

Maßnahmen nach dem NÖ Wasserleitungsanschlussgesetz: 

Bei öffentlichen Wasserleitungen kann der Bürgermeister gem. § 9 konkrete Anordnungen und Maßnahmen bzw. Verbote für nicht unbedingt notwendige Brauchwassernutzungen, wie z. B. ein Verbot der Autowäsche, der großflächigen Gartenbewässerung oder der Befüllung von Schwimmbädern aus der öffentlichen Wasserleitung verfügen (Verordnungsermächtigung). 

Auch eine zeitlich befristete Sperre der öffentlichen Wasserversorgung ist möglich. Der im gesundheitlichen Interesse unumgänglich notwendige Wasserbedarf muss aber jedenfalls immer gewährleistet sein. Derartige Maßnahmen sind kundzumachen (Amtstafel und ortsübliche Verlautbarung); bei Gefahr im Verzug ist auch eine unmittelbare Anordnung möglich.

Kleine Schritte zur Trinkwassersicherheit

  • Iststände erheben. Wasserstände, Quellschüttungen, Brunnenleistungen, Behälterstände, Verbrauchsmengen erfassen. Damit lassen sich Fragen nach Fördergrenzen, Quellenständen oder Reserven rasch beantworten.
  • Kleine Maßnahmen – schnelle Wirkung. Systematische Lecksuche im Leitungsnetz, Austausch alter Armaturen und Schieber, Installation von zusätzlichen Durchflussmessern. Alarmwerte definieren, Zuständigkeiten und Maßnahmen festlegen.
  • Verbrauchsspitzen brechen. Poolbefüllungen nur nach Anmeldung. Bewässerung einteilen: Gerade Hausnummern an geraden Tagen, ungerade an ungeraden. Bürger sensibilisieren und informieren. 
    Versorgungssystem breit aufstellen. Zusätzliche Brunnen, Quellfassungen oder Trinkwasserbehälter zur Erhöhung der Versorgungssicherheit.
  • Über die Gemeindegrenzen hinausdenken. Vernetzungen können im Krisenfall entscheidend sein. Trinkwasserverbände können sich in Notlagen gegenseitig aushelfen.
  • Für den Notfall vorbereitet sein. Woher kann zusätzliches Trinkwasser kommen? Einspeisungspunkte im Netz? Verfügbare Tankwagen? Wer bekommt zuerst Wasser? Wie wird informiert?
     

Der Beitrag erschien in der NÖ Gemeinde 9/2026.