„Es ist wichtig, dass man immer wieder über den Tellerrand hinausblickt.“ Patrick Skubel über die Notwendigkeit seinen eigenen Horizont stetig zu erweitern.
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Der Bürgermeister für den Ernstfall
In Neuhaus treffen Disziplin aus dem Bundesheer, Erfahrung aus der Feuerwehr und Mut zur Digitalisierung aufeinander – verkörpert von einem Bürgermeister, der einfach der Patrick bleiben will.
Wenn Patrick Skubel erklärt, wie er sein Amt versteht, kommt er rasch auf einen Satz, der ihm wichtig ist: „Ich bin einfach der Patrick.” So kennen ihn die Leute in Neuhaus, und so möchte er auch als Bürgermeister bleiben – ansprechbar und nahbar, einer von hier. Dass er einmal an der Spitze der Gemeinde im äußersten Osten des Jauntals stehen würde, ist eine konsequente Entwicklung seines gesellschaftlichen Engagements. Schon mit 18 Jahren zog er in den Gemeinderat ein, und bei der Freiwilligen Feuerwehr ist er sogar seit seinem 15. Lebensjahr.
Den ersten Anstoß zur Politik gab das Elternhaus, denn bereits sein Vater arbeitete in der Ortspartei mit. Beruflich schlug Skubel zunächst einen anderen Weg ein. Nach der Lehre als Kfz-Techniker rückte er ins Bundesheer ein, fand Gefallen daran, blieb dort und ist bis heute als Heeresbeamter und Personalvertreter tätig, mittlerweile aufgrund seiner politischen Verpflichtungen in Teilzeit.
Was ihn an der Gemeindearbeit reizt, ist der Wunsch, für die Leute da zu sein und vor Ort etwas weiterzubringen. Eine prägende Erfahrung war für ihn ein Auslandseinsatz im Kosovo im Jahr 2005. Vor allem habe er durch diese Zeit erkannt, wie schön und wie viel die eigene Heimat wert ist. „Das hat mich als junger Mensch sehr geprägt, diese Erfahrung zu machen”, sagt er. Geblieben ist die Überzeugung, dass es sich lohnt, den eigenen Horizont zu erweitern: „Ich glaube, es ist auch wichtig, dass man immer wieder über den Tellerrand hinausblickt.”
Verwurzelt in Neuhaus
Seine Heimat stellt der 41-Jährige gern als das vor, was sie ist: eine liebenswerte und sehenswerte, zweisprachige Gemeinde mit gut tausend Einwohnern, in der Kunst, Hadn und Kultur eine große Rolle spielen. In Neuhaus steht mit dem Museum Liaunig das größte Privatmuseum Österreichs, dazu kommen viele Vereine und die Tradition rund um den Jauntaler Hadn, den Buchweizen, der zu Hadnsterz oder Hadnnudeln verarbeitet wird und beim Hadnfest ordentlich gefeiert wird. Die Lage zwischen Drau und Karawanken prägt den ländlichen Charakter des Ortes.
Neuhaus ist zweisprachig, und das Slowenische gehört für Skubel ganz selbstverständlich dazu. Kulturträger wie das Oktet Suha (Suha ist der slowenische Name von Neuhaus), der Heimatklang Bach u.v.m. halten es lebendig, und im grenzüberschreitenden UNESCO Global Geopark Karawanken-Karavanke arbeiten 14 Gemeinden aus Österreich und Slowenien in einem Europäischen Verband Territorialer Zusammenarbeit (EVTZ) zusammen. Für ihn ist das mehr als Folklore: „Wir arbeiten gemeinsam an Lösungen, die kommunale, regionale und nationale Grenzen überwinden.” In diesem Sinn pflegt Neuhaus seit 25 Jahren eine Partnerschaft mit dem benachbarten Dravograd in Slowenien, und seit Kurzem auch eine mit der moldawischen Gemeinde Truşeni.
Familien im Mittelpunkt
„Ich bin ein großer Familienmensch und mir ist wichtig, dass meine Frau und meine Kinder nicht zu kurz kommen”, führt Skubel aus. Als dreifacher Vater weiß er, woran es jungen Familien oft fehlt, und genau hier hat er einen seiner politischen Schwerpunkte gesetzt.
Früher hatte der Kindergarten nur bis 13 Uhr geöffnet, was sich mit zwei berufstätigen Eltern kaum vereinbaren ließ – ein Problem gerade in einer Gemeinde, aus der viele zur Arbeit nach Klagenfurt, Völkermarkt oder St. Paul auspendeln. Heute ist die Kinderbetreuung ausgebaut, dazu gibt es eine Ganztagsschule. Beide sind voll belegt, und das zählt für ihn zu den Dingen, die ihn an seiner Aufgabe besonders freuen und stolz machen.
Digitalisierung mit Mehrwert
Am meisten Aufmerksamkeit bekommt Neuhaus für seine Digitalisierung, und auch das ist Teamarbeit. Im Gemeindeamt arbeiten nur wenige Bedienstete, und dass so viel gelingt, schreibt Skubel vor allem den Frauen an seiner Seite zu. „Drei starke Powerfrauen, die am Gemeindeamt ihr Bestes geben”, sagt er über sie. Eine davon ist Amtsleiterin Regina Wiedl, die das Thema vorantreibt und es zuletzt sogar im Bundesrat vorstellte.
Begonnen hat alles 2021 ganz bodenständig, weil die jährliche Zählerablesung zu viel Zeit kostete. Die Gemeinde stellte auf LoRaWAN-Funktechnologie um und spannte über 36 Quadratkilometer ihr eigenes Netz, an dem heute unter anderem Wetterstationen, Rauchmelder, Temperaturregler und Photovoltaikanlagen hängen. Möglich macht das ein gemeinsames Rechenzentrum des Kärntner Gemeindeservicezentrums, über das selbst die vergleichsweise kleine Gemeinde für wenige tausend Euro im Jahr eine Infrastruktur nutzt, wie sie sonst große Stadtwerke zur Verfügung haben. Was das wert ist, zeigte sich zu Weihnachten 2023, als das System einen Wasserverlust meldete und der Rohrbruch binnen zweier Tage gefunden war.
Für Skubel ist Digitalisierung keine Spielerei, sondern eine Frage der Versorgungssicherheit – und eine, die zukunftsträchtig ist, insbesondere mit den neuen Möglichkeiten, die KI bietet: „Wir müssen den Mut haben, aber auch die rechtlichen Grundlagen, um das Tool noch besser einsetzen zu können.” Wie weit eine kleine Gemeinde kommen kann, zeigen die Forschungspartnerschaften von Neuhaus: mit der Universität der Bundeswehr München zur Krisen- und Blackout-Kommunikation, mit dem Software Competence Center Hagenberg zur KI-gestützten Wasserversorgung und mit der FH Campus Wien. Bei der Wasserversorgung, die ebenfalls ein Projekt von Neuhaus darstellt, gibt Skubel eines zu bedenken: „Sobald Wasseranlagen privatisiert werden, hat man keine Gestaltungsmöglichkeit mehr.”
Krisen meistern, gemeinsam handeln
Dass Vorsorge zählt, hat die Gemeinde am eigenen Leib erfahren. Das verheerende Unwetter im Frühjahr 2023 richtete Schäden in der Höhe von rund zwei Millionen Euro an, an deren Behebung bis heute gearbeitet wird.
Dass Neuhaus damals handlungsfähig blieb, ist auch Skubels Ausbildung zu verdanken: „Für mich war das natürlich insofern leichter, weil ich das Führungsverfahren vom Bundesheer, aber auch von der Feuerwehr her kenne, und weiß, welche Prozesse als Einsatzleiter wie abzuarbeiten sind.”
Die Feuerwehr begleitet ihn ohnehin schon seit Jahrzehnten, drei davon gibt es in der Gemeinde, und eine davon stellte zuletzt sogar die beste Kärntner Jugendmannschaft beim Bundeswettbewerb. Der Stellenwert dieser Einrichtung ist für Skubel sonnenklar: „Die Feuerwehr ist eine ganz wichtige Ressource, nicht nur für meine, sondern für jede Gemeinde.”
Gemeinsam Zukunft gestalten
Was viele Projekte in Neuhaus verbindet, ist Skubels Vorliebe dafür, die Leute mit ins Boot zu holen bzw. einzubinden. Den Skulpturen- und Familienmotorikweg „KunstSinnNeuhaus am Weg“ etwa ergänzte die Gemeinde bewusst um Motorikgeräte für Familien, damit nicht nur Kunstinteressierte etwas davon haben; ein ähnliches Projekt entstand in der Ortschaft Schwabegg.
Auch bei der Infrastruktur setzt er aufs Einbinden und aufs Zusammenarbeiten: Die Drehleiter der Feuerwehr Bleiburg wurde gemeinsam mit Bleiburg und Feistritz ob Bleiburg angeschafft, eine Straßenwalze gemeinsam mit Lavamünd und Bleiburg. Vom Radtourismus, den die neue Koralmbahn nochmals beflügelt, profitiert die Mobilitätsdrehscheibe „GenussWerk Südkärnten / Južna Koroška“, eine Raststation für Radler, die mehr kann – mit Radladestationen, Bauernladen und bald vielleicht noch einem eigenen Bauernmarkt. Dieses Projekt wurde auch mit IKZ-Mittel mit der Gemeinde St. Paul im Lavanttal umgesetzt.
„Ein Schlüssel zum Erfolg ist, dass man Dinge gemeinschaftlich macht”, sagt Skubel. So forciert er Bürgerbeteiligungen, wo immer es möglich ist, und so hält er es auch mit dem Gemeindevorstand, den er gern schon vor den Sitzungen an einen Tisch holt.
Über die aktuelle Finanzlage hat Skubel keine Lust zu klagen; da gehe es ohnehin nahezu allen recht ähnlich. Lieber konzentriert er sich darauf, was sich dennoch umsetzen lässt, getreu dem Motto: „Geredet wird viel, aber Gutes entsteht im gemeinschaftlichen Tun. Das Engagement und das Ehrenamt sind hierbei der Schlüssel, dass sehr vieles auch in schwierigen Zeiten gelingen kann.” Weitermachen und zur nächsten Periode wieder antreten will er auf jeden Fall. Den Ehrgeiz, in kurzer Zeit alles umzukrempeln, hat er nicht. Ihm geht es um Schritte, die Bestand haben. Wenn er erklärt, was ihn dabei leitet, klingt das schlicht und überzeugt zugleich: „Gemeinde funktioniert nur durch Gemeinschaft und durch die Bürgerinnen und Bürgern, die in der Gemeinde leben.”
Patrick Skubel
Alter: 41
Gemeinde: Neuhaus bzw. Suha
Einwohnerzahl: 1.020 (Jänner 2025)
Bürgermeister seit: 20216
Partei: SPÖ