Dorf in Tirol
Die Tiroler Gemeinden liegen bei der Verschuldung im österreichweiten Mittelfeld. Die Zahl der stark verschuldeten Gemeinden geht zurück.
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Zurückhaltung bei Darlehen gefordert

22. Juli 2019
Die Tiroler Gemeinden liegen bei der Verschuldung im österreichweiten Mittelfeld. Die Zahl der stark verschuldeten Gemeinden geht zurück. Das sind wesentliche Erkenntnisse des Tiroler Gemeindefinanzberichtes, der im Juli erschienen ist.

Dem heurigen Bericht könne man zahlreiche positive Entwicklungen entnehmen, meint Landesrat Johannes Tratter: „Die Investitionstätigkeit der Gemeinden ist nach wie vor ungebrochen. Das ist zu begrüßen, denn ein Großteil der Darlehensaufnahmen betrifft die Finanzierung notwendiger Vorhaben, die unmittelbar die Bevölkerung betreffen“, so Tratter.

Die hohe Investitionstätigkeit habe gleichzeitig zur Folge, dass die Verschuldungssituation in den Tiroler Gemeinden in der Bilanz derzeit mit 1.029,2 Millionen Euro im Jahr 2018 ausgewiesen ist. Das sind 123,2 Millionen Euro mehr als im Jahr 2017. 

„Durch die Investitionen entstehen den Gemeinden bleibende Werte, die langfristig eine hohe Lebensqualität garantieren und die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes und der Regionen stärken. Unser Fokus muss aber darauf liegen, die Schulden der Tiroler Gemeinden zu verringern. Daher erwarte ich mir in Zukunft mehr Zurückhaltung bei den Darlehensaufnahmen“, sagt Tratter in Richtung der Gemeindevertreter.

Positiv hebt Tratter dabei hervor, dass die Haftungen der Gemeinden für die Schulden von ausgelagerten Einheiten, beispielsweise Stadt- und Gemeindewerke oder Immobiliengesellschaften, um 50 Millionen Euro zurückgingen. 

Verschuldung der Gemeinden angestiegen

Während zwar die Verschuldung der Tiroler Gemeinden insgesamt stieg, ist die Zahl der stark und voll verschuldeten Gemeinden mit einem Verschuldungsgrad von über 50 Prozent von 83 auf 70 Gemeinden gesunken.

„Das ist eine durchaus positive Entwicklung, da diese Gemeinden unsere ‚Sorgenkinder‘ sind, auf die wir ein besonderes Auge haben. Das Land ist allen Gemeinden ein verlässlicher Partner und wird sie auch in Zukunft bestmöglich in ihren Herausforderungen unterstützen. Dabei orientieren wir uns stets an den Bedürfnissen der Bevölkerung sowie der Zahlensprache – daraus leiten wir eine bestmögliche Strategie und Unterstützung für die Gemeinden ab“, verweist Tratter auf die 137 Millionen Euro an Bedarfszuweisungen im Jahr 2018. Diese dienen unter anderem für Investitionen in den Bereichen Infrastruktur, Bildung oder Kinderbetreuung.

Gleichzeitig wies Tirol mit 1.231 Euro (dieser Wert stammt aus dem Jahr 2017; die bundesweiten Zahle für das Jahr 2018 stehen noch nicht zur Verfügung) österreichweit die viertgeringste Pro-Kopf-Verschuldung auf.

Kommunalsteuereinnahmen gestiegen

Die Einnahmen aus der Kommunalsteuer stiegen um 5,4 Prozent und die laufenden Transferzahlungen stiegen im Jahr 2018 um 4,1 Prozent.

Der Überschuss der laufenden Einnahmen, also jene Mittel mit welchen Gemeinden Schulden begleichen und Investitionen tätigen können, betrug 9,1 Prozent. 

Der Tiroler Gemeindefinanzbericht zum Herunterladen