alte Frau lässt sic am Gemeindeamt beraten
Vor allem ältere Menschen tun sich mit der digitalen Signatur schwer. Hilfe suchen sie meist dort, wo sie sich auskennen: in der Gemeinde.
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Wenn die ID Austria nicht funktioniert, fragt man im Gemeindeamt

19. August 2026
Die ID Austria soll den Weg zu Behörden einfacher machen. In der Praxis landet ein Teil dieser Aufgabe im Gemeindeamt. Bürgerinnen und Bürger wenden sich bei Problemen häufig direkt an die Gemeinde, auch wenn diese für die technische Umsetzung nicht zuständig ist. Besonders ältere Menschen brauchen dabei Unterstützung.

Die ID Austria hat 2023 die Handy-Signatur abgelöst und ermöglicht den Zugang zu Onlineservices von Behörden, etwa FinanzOnline oder das digitale Amt. Wer die ID Austria nutzen will, benötigt ein Smartphone und einen Ausweis. Die Registrierung läuft über eine App und einen persönlichen Termin bei einer Registrierungsstelle.

Viele dieser Registrierungsstellen sind Gemeindeämter. Laut Österreichischem Gemeindebund stellen mittlerweile knapp zwei Drittel aller österreichischen Gemeinden die ID Austria direkt aus, das sind rund 1.350 Gemeinden. Über 850 davon haben bereits Registrierungen durchgeführt. Geschultes Gemeindepersonal unterstützt die Bürgerinnen und Bürger dabei vor Ort.

Anlaufstelle auch bei technischen Problemen

Die Rolle der Gemeinde endet damit oft nicht bei der Registrierung. Wenn die App nicht startet, ein Passwort vergessen wurde oder eine Anmeldung fehlschlägt, wenden sich viele Betroffene zuerst an das Gemeindeamt, weil es die bekannte und erreichbare Anlaufstelle ist. Das gilt auch dann, wenn die eigentliche Ursache in der Bundes-IT-Infrastruktur liegt und in der Gemeinde selbst nicht behoben werden kann.

Ein Beispiel für die Nachfrage vor Ort liefert die Gemeinde Großrußbach in Niederösterreich. Laut einem Bericht der „NÖN“ nutzten dort 130 Personen die Unterstützung der Gemeinde bei der Registrierung. Auch der Gemeindebund weist darauf hin, dass Gemeinden „auch real für die Menschen da“ seien, „wenn digital etwas nicht funktionieren sollte“.

Ältere Menschen besonders gefordert

Der Umstieg von analog auf digital ist für ältere Menschen häufig eine größere Herausforderung als für jüngere. Ein zertifizierter Seniorentrainer für digitale Kompetenzen sagte gegenüber der Zeitung „Heute“, die ID Austria sei kein besonders benutzerfreundliches Programm. Nutzerinnen und Nutzer würden immer wieder ihre Zugangsdaten vergessen.

Auch das Land Niederösterreich reagiert auf diesen Bedarf. Seit Oktober bieten alle niederösterreichischen Bezirkshauptmannschaften eigene Termine an, bei denen ältere Menschen Hilfe bei der Einrichtung der ID Austria bekommen. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Senioren-Landesobmann Karl Wilfing betonten dazu, man dürfe bei der Digitalisierung niemanden zurücklassen. Als Hürden für ältere Menschen werden dabei die vielen einzelnen Schritte bei der Einrichtung genannt sowie der Umstand, dass oft ein zweites Endgerät wie ein Tablet zusätzlich zum Smartphone benötigt wird.

Bund reagiert mit Servicetouren

Auf Bundesebene versucht das Staatssekretariat für Digitalisierung, dem Problem mit einer sogenannten Servicetour zu begegnen. Dabei kommen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einem mobilen Angebot direkt zu den Menschen, ohne Terminvereinbarung und unabhängig vom Wohnort. Die Tour 2025 kam laut Bundeskanzleramt auf mehr als 150 Stopps und rund 900.000 neue Registrierungen in sechs Monaten. 2026 läuft die Tour von Juli bis August mit über 100 weiteren Stopps.

Staatssekretär Alexander Pröll begründete die Initiative so: „Das Amt kommt zu den Menschen und nicht umgekehrt.“ Trotz der Servicetour bleibt das Gemeindeamt für viele Menschen die erste Adresse, wenn Fragen oder Probleme auftauchen, schon weil es näher liegt und ohne Anmeldung erreichbar ist.

Aufgabe ohne klar geregelte Zuständigkeit

Zwischen dem offiziellen Auftrag der Gemeinden, nämlich der Registrierung, und dem tatsächlichen Bedarf der Bevölkerung, nämlich auch laufender Hilfe bei technischen Problemen, liegt eine Lücke. Öffentlich zugängliche Informationen des Gemeindebunds und des Bundeskanzleramts beschreiben vor allem die Vorteile der Gemeinden als Anlaufstelle. Zum zusätzlichen Zeitaufwand, der durch Supportanfragen jenseits der eigentlichen Registrierung im Gemeindeamt entsteht, liegen keine gesonderten Zahlen vor.

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