Friedensburg Schlaining
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Vorgeschichte und Chronologie in der Asbest-Causa

Sieben burgenländische Ausflugsziele mit Asbest belastet

3. August 2026
Greenpeace hat bei sieben beliebten Ausflugszielen im Burgenland teils hohe Asbestwerte im Schotter nachgewiesen, darunter Burg Lockenhaus und die Friedensburg Schlaining.

Dieser Artikel wurde mit KI generiert

Die Umweltorganisation fordert rasche Sanierung und Hilfsgelder aus dem Katastrophenfonds.

Nach Hinweisen aus der Bevölkerung hat Greenpeace bei sieben beliebten Ausflugszielen im Burgenland eine hohe Asbestbelastung im verwendeten Schotter festgestellt. Betroffen sind laut der Umweltorganisation die Burg Lockenhaus, die Friedensburg Schlaining, die Aussichtswarte Geschriebenstein sowie zwei Wanderwege, ein Freizeitunternehmen im Südburgenland und ein weiterer Parkplatzbereich. Die Laboranalysen der entnommenen Proben ergaben durchwegs hohe Asbestgehalte von bis zu 50 Prozent.

Stefan Stadler, Sprecher des Investigativ-Teams von Greenpeace Österreich, bezeichnete die Situation angesichts der aktuellen Hitze und Trockenheit als besonders kritisch, weil sich unter diesen Bedingungen krebserregende Fasern leichter aus dem Schotter lösen könnten. Er forderte die rasche Sperrung oder zumindest Befeuchtung der betroffenen Flächen als Sofortmaßnahme, gefolgt von einer umfassenden Sanierung.

Die Burg Lockenhaus und ein Freizeitunternehmen im Südburgenland haben laut Greenpeace bereits Maßnahmen zugesagt. Offen ist die Finanzierung der notwendigen Sanierungen. Greenpeace erneuerte deshalb die Forderung an Bundeskanzler Christian Stocker, rasch Mittel aus dem Katastrophenfonds bereitzustellen, und kritisierte, dass Gemeinden, Betriebe und Privatpersonen mit den Kosten bislang allein gelassen würden, während naheliegende Ermittlungsschritte wie die Auswertung alter Lieferlisten der Steinbrüche aus Sicht der Organisation ungenutzt blieben.

Für Gemeinden mit vergleichbaren Ausflugszielen, Wanderwegen oder Freizeitanlagen auf ihrem Gebiet ist der Fall ein Anlass zur Prüfung der eigenen Flächen, unabhängig davon, ob im eigenen Gemeindegebiet bereits ein Befund vorliegt. Der Handlungsleitfaden in Teil 3 dieses Schwerpunkts beschreibt die notwendigen Schritte.

Die Vorgeschichte

Es wirkt, als hätte eine Umweltorganisation im Jänner 2026 aus heiterem Himmel einen Skandal aufgedeckt. Das ist die falsche Geschichte. Die richtige beginnt 61 Jahre früher mit einem Maurer aus Rechnitz, und sie endet vorläufig damit, dass eine Bezirksbehörde tat, was zu tun war: schließen, noch bevor irgendjemand von außen genau hinschaute.

Am 2. Jänner 2026 sperrten die zuständigen Bezirkshauptmannschaften vier Steinbrüche im Südburgenland wegen „Gefahr in Verzug“. Das ist der eigentliche Startpunkt des Asbest-Skandals, wie ihn Österreich heute kennt. Greenpeace veröffentlichte seine ersten eigenen Untersuchungsergebnisse erst drei Wochen später, am 23. Jänner. Wer also fragt, wer diesen Skandal aufgedeckt hat, bekommt die unspektakulärere, aber richtigere Antwort: eine Amtssachverständige des Referats für Luftreinhaltung, ausgelöst durch das Ansuchen eines Steinbruchbetreibers um Erweiterung seines Betriebs, in Kombination mit einer verschärften EU-Vorgabe, die neue Nachmessungen ohnehin vorschrieb.

Damit beginnt die eigentlich interessante Frage erst: Warum hat es bis 2026 gedauert? Die Antwort ist keine einzelne Verfehlung, sondern eine Kette von Momenten, in denen genug bekannt war, um zu handeln, und trotzdem nicht gehandelt wurde.

Der erste dieser Momente liegt sechs Jahrzehnte zurück. 1965 wird ein Maurer aus Rechnitz mit einer schweren Lungenentzündung eingeliefert. Auf dem Röntgenbild finden die Ärzte ungewöhnliche Verkalkungen des Rippenfells, sogenannte Pleuraplaques, ein Befund, den man sonst nur von langjährigen Asbestarbeitern kennt. Der Mann hatte nie in einer Schottergrube gearbeitet. Das Bundesministerium für Gesundheit und Umweltschutz schickt daraufhin Anfang der 1970er-Jahre Ärzte und Wissenschaftler ins Burgenland. Sie finden Asbest im Boden der Weingärten, im Wasser der Hausbrunnen, im Staub auf den Dächern. Eine systematische Untersuchung von 300 Rechnitzern gegenüber 600 Personen aus anderen Gemeinden ergibt: Zehn Prozent der Rechnitzer haben Pleuraplaques, in der Vergleichsgruppe niemand. Am 15. April 1979 misst man in der Wohn-Atemluft in Rechnitz 3.350 Asbestfasern pro Kubikmeter, zum Vergleich: der heutige Arbeitsplatzgrenzwert liegt bei 10.000.

Steinbruch Bernstein im Visier

Der zweite Moment liegt 1994: Der Steinbruch Bernstein wird von der ZFE Graz auf Asbest untersucht. Der dritte liegt 2008: Der zuständige Bundesminister ordnet per Bescheid die Rücknahme von asbesthaltigem Streu- und Pflastersplitt aus dem Steinbruch Postmann bei Rumpersdorf an. Der vierte liegt 2011: Der Steinbruch Pilgersdorf wird wegen der Asbestproblematik in ein Umweltverträglichkeitsprüfungsverfahren hineingezogen, der damalige Betreiber legt Einspruch ein. Der fünfte liegt im Juni 2025, wenige Monate vor der Schließung: Zum Steinbruch Bernstein werden laut FPÖ bereits konkrete Bedenken geäußert.

Wie wenig ernst die Lage bis zuletzt genommen wurde, zeigt ein Detail, das erst im Nachhinein zum eigenen kleinen Skandal wurde: Am 18. Oktober 2025, mitten in diesem längst amtsbekannten Steinbruch Pilgersdorf, fand eine Katastrophenschutzübung mit 447 Personen statt, darunter 27 Schülerinnen und Schüler, ohne dass jemand Atemschutz trug. Drei Monate später wurde derselbe Steinbruch wegen Asbestbelastung gesperrt.

Asbestfasergrenzwerte in den Gesteinen

Erst die Kombination aus der verschärften EU-Vorgabe zu Asbestfasergrenzwerten und dem Erweiterungsansuchen eines Betreibers brachte im November 2025 jene behördlichen Materialproben, die schließlich Klartext sprachen: Zwei bis 100 Prozent Asbestgehalt, je nach Gesteinscharge. Am 2. Jänner 2026 zogen die Bezirkshauptmannschaften die Konsequenz und sperrten. Das war behördliches Handeln, kein Zufall und keine externe Enthüllung: Die Behörde reagierte auf ihre eigenen, aktuellen Messwerte, bevor irgendeine Umweltorganisation überhaupt involviert war.

Diese Reihenfolge ist mehr als eine Fußnote. Sie verschiebt die Geschichte von einer Enthüllungserzählung, in der eine Organisation den Behörden etwas nachweist, zu einer Verwaltungserzählung, in der eine Behörde auf Basis eigener Erkenntnisse handelt und eine Umweltorganisation die Öffentlichkeit erst danach informiert. Das nimmt niemandem etwas: Greenpeace hat die Ausweitung des Bildes über Wien, die Steiermark, Niederösterreich und Ungarn zweifellos vorangetrieben. Aber der Auslöser der Schließungen selbst war eine burgenländische Amtssachverständige im Rahmen eines ordentlichen Verwaltungsverfahrens, nicht ein Investigativteam.

Die eigentliche Pointe dieser Vorgeschichte ist unbequemer als jede Enthüllung. 1965, 1979, 1994, 2008 und 2011 lag im Grunde jedes Mal schon genug auf dem Tisch, um zu handeln. Gehandelt wurde erst 2026, ausgelöst durch die Kombination aus einer EU-Regelverschärfung und einem stinknormalen Erweiterungsantrag. Das ist, wenn man so will, der eigentliche Skandal: nicht dass es passiert ist, sondern wie lange es ignorierbar blieb.

Quellen:

    • Greenpeace Österreich, Presseaussendung via OTS, 28.7.2026
    • ungiftig.at, Stand 22.7.2026; burgenland.ORF.at, „Vier Steinbrüche bleiben weiter geschlossen“, 17.1.2026
    • Greenpeace Österreich, Presseaussendung, 23.1.2026
    • Die Grünen Burgenland, FAQ, 11.6.2026; Greenpeace Österreich, Factsheet, 23.1.2026
    • Falter, „Asbest: Die Lungenkranken von Rechnitz“, 10.4.2026
    • Falter, ebd.; Greenpeace Österreich, Zeitleiste, greenpeace.at, Stand 2.6.2026
    • Greenpeace Österreich, Zeitleiste, greenpeace.at, Stand 2.6.2026
    • ungiftig.at, Stand 22.7.2026
    • Greenpeace Österreich, Zeitleiste, greenpeace.at, Stand 2.6.2026
    • ungiftig.at, Stand 22.7.2026
    • news.at, „Erste Asbest-Messungen im Burgenland unauffällig“, 5.2.2026
    • oe24.at, 17.4.2026; derStandard.de, 21.4.2026
    • ungiftig.at, Stand 22.7.2026

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