Am Attersee sind bereits fast 80 Prozent des Ufers verbaut.
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Österreichs Seeufer unter Druck
Österreichs Seen stehen unter Druck: Verbauung, Klimawandel, intensive Nutzung und eingeschränkte Zugänglichkeit gefährden ihre ökologischen und sozialen Funktionen. Vor diesem Hintergrund widmet sich die Österreichische Seenkonferenz – ÖSeeK am 24. und 25. September 2026 in Weyregg am Attersee der Frage, wie die Trendumkehr zu einer nachhaltigen und fairen Entwicklung der österreichischen Seen gelingen kann.
Durch die anhaltende immobilienwirtschaftliche Grundstücksverwertung und die intensive touristische Nutzung gibt es immer weniger natürliche Uferzonen. Neben öffentlichen Uferpromenaden, Schiffsanlegestellen oder Strandbädern wurden in den letzten Jahrzehnten verstärkt auch touristisch und privat genutzte Ufer befestigt und verbaut. Bei all den Mauern, Steinblöcken, Aufschüttungen, Bootshäusern und Stegen bleibt kaum Platz für unverbaute Schilf- und Flachwasseruferzonen, wichtige Lebensräume für Pflanzen und Tiere und natürliche Puffer zur Wasserreinigung.
Aktuelle Daten zum letzten Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan zeigen, dass bereits 11 der 62 großen österreichischen Seen – 18 Prozent – den guten ökologischen Zustand nicht erreichen. Und das liegt auch an den überwiegend verbauten Uferstrukturen.
Wie groß etwa der Handlungsbedarf am Attersee ist, zeigt eine 2024 im Auftrag des Landes Oberösterreich durchgeführte Kartierung: 79 Prozent der Attersee-Uferlinie – rund 42,4 Kilometer – sind verbaut. Rund 60 Prozent der gesamten Uferlinie entfallen auf Beton- oder Steinmauern, Blockwurf und unverfugte Steinschlichtungen; weitere 11 Prozent sind unter anderem durch Stege und Bootshäuser überbaut.
Baukulturelles Umdenken
Hinter diesen Zahlen stehen strukturelle Fehlentwicklungen und eine Planungs- und Baukultur, die Einzelinteressen oftmals stärker berücksichtigen als regionale ökologische und soziale Zusammenhänge. Gemeinden und See-Eigentümer profitieren von Verkaufs- und Pachteinahmen und so setzt sich der Verwertungstrend an Seen fort – mitsamt den negativen sozialen und ökologischen Folgen.
„Wir müssen nachhaltigere Konzepte in Umsetzung bringen, die Seen und umliegenden Seegemeinden als Regionen erfassen und Anforderungen über Gemeindegrenzen hinweg, großräumig abstimmen“, sagt Stephanie Drlik, Geschäftsführerin der Österreichischen Gesellschaft für Landschaftsarchitektur. „Dabei helfen gemeindeübergreifende Planungsinstrumente wie Regionalentwicklungskonzepte oder Landschaftsleitbilder, es braucht aber auch ein generelles baukulturelles Umdenken.“ Die Frage, wie Ufer gestaltet, rückgebaut, renaturiert oder öffentlich zugänglich gemacht werden, ist vor allem eine baukulturelle und soziale Planungsaufgabe.
Recht auf Natur und Erholung am See
Gerade bei hohen Privatanteilen an Seeufern stellt sich die Frage, wie auch private Eigentümer stärker in Renaturierungs- und Schutzmaßnahmen eingebunden werden können. Im Rahmen der Seenkonferenz wird daher über Anreizwirkungen und Förderungen aber auch über Verbote diskutiert.
Der Druck auf die wenigen verbleibenden öffentlichen Uferbereiche steigt und immer öfter kommt es zu Nutzungskonflikten zwischen Naturschutz und Freizeitnutzung. Während die Erhaltung eines guten ökologischen Zustands durch die EU-Wasserrahmenrichtlinie gesetzlich vorgeschrieben ist, bleibt das Recht der Bevölkerung auf freien Zugang zu Seen weitgehend ungeregelt. Dabei sind gerade im voranschreitenden Klimawandel Seen wichtige kritische Erholungsinfrastrukturen. Thema der Konferenz wird daher auch sein, ob eine verfassungsrechtliche Verankerung des Rechts auf Erholung und Natur an Seen – ähnlich dem Betretungsrecht heimischer Wälder für Erholungszwecke – sinnvoll ist.
Empfehlungen für eine nachhaltige Seen-Bewirtschaftung
„Die österreichischen Seen sind und bleiben ein zentraler Standortfaktor für Tourismus, Freizeit und Erholung – ihr guter ökologischer Zustand ist dafür die entscheidende Grundlage. Eine nachhaltige Bewirtschaftung ist daher unerlässlich“, betont Sektionschefin Monika Mörth, Sektion Wasserwirtschaft im Umweltministerium.
Auf Grund dieser hohen Bedeutung hat das Umweltministerium BMLUK soeben Empfehlungen für die nachhaltige Bewirtschaftung der österreichischen Seen veröffentlicht, die bei der Konferenz präsentiert werden. „Mit den Empfehlungen, die gemeinsam von Expertinnen und Experten aus dem Umweltministerium, der Ländern und den Österreichischen Bundesforsten erarbeitet wurden, geben wir den Verantwortlichen vor Ort ein fundiertes Instrument an die Hand, um Seen langfristig zu schützen und ihre vielfältigen Funktionen zu erhalten. Die Seenkonferenz am Attersee liefert wichtige Impulse für den Dialog zwischen Wissenschaft, Verwaltung und Praxis“, so Mörth.
Anmeldung Österreichische Seenkonferenz 2026 – Österreichische Seenkonferenz