Trinkwasser ist in Österreich vom allseits verfügbaren zum knappen Gut geworden.
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Trockenheit
Was Österreichs Wasserversorgung diesmal getragen hat
Nach diesem Hitzesommer sind die Grundwasserstände in Österreich vielerorts auf einem Rekordtief, einzelne Gemeinden rufen zum Sparen auf. Trotzdem meldet kein einziges Bundesland eine Versorgungskrise. KOMMUNAL hat bei den Fachabteilungen und bei den politisch zuständigen Regierungsmitgliedern in allen Ländern außer Wien nachgefragt. Antworten aus sechs Bundesländern zeigen ein Land im Vorsorgemodus.
Oberösterreich: Eine Taskforce zählt mit
Oberösterreich hat die Lage in Zahlen gegossen wie kein zweites Land. In der Direktion Umwelt und Wasserwirtschaft wurde eine Experten-Taskforce eingerichtet, die laut Bericht „regelmäßig die aktuelle Situation betrachtet, Problembereiche identifiziert und falls möglich und notwendig, gemeinsam mit den verantwortlichen Stellen Maßnahmen abstimmt und veranlasst“. Bis Ende Juli waren nur 32 Prozent des durchschnittlichen langjährigen Niederschlags gefallen, statt 129 Millimeter nur 41. Der Jahresniederschlag lag bei 62 Prozent, statt 624 Millimeter nur 384. Bis zum 12. August waren erst 14 Prozent des durchschnittlichen Augustniederschlags gefallen: 120 Liter pro Quadratmeter wären üblich, gemessen wurden 17.
Beim Grundwasser weist der Bericht rund 40 Prozent sehr niedrige und rund 55 Prozent niedrige Stände aus; nur sehr wenige Messstellen liegen noch im Mittelwasser, konkret im Mühlviertel und in der Region Freistadt. In mehreren Regionen wurde der niedrigste je gemessene Grundwasserstand unterschritten: im südlichen Innviertel (Munderfing, Lengau, Braunau, Wappeltsham, Obereck), im nördlichen Innviertel (Münzkirchen, Wallensham), im nördlichen Traunviertel (Mitterberg, Bachloh) und im Hausruckviertel (Frankenmarkt). Rund 70 Prozent der Gewässer liegen unter Niederwasser, 30 Prozent weisen ebenfalls eine niedrige Wasserführung auf.
Trotzdem lautet der Befund der Taskforce: „Insgesamt kann die oberösterreichische Wasserversorgung die derzeitige ausgeprägte Trockenphase aber gut bewältigen und es besteht kein flächendeckender Wassermangel in der Trinkwasserversorgung.“ Nach dem bundesweiten Trinkwassersicherungsplan befindet sich das Land in der Stufe „Achtsamkeit“. Eine Stadtgemeinde hat auf Grundlage der Wasserleitungsordnung bereits eine Verordnung erlassen. Laut Bericht konnte damit „im Sinne des Vorsorgeprinzips eine echte Mangelsituation verhindert werden und eine Notversorgung war bisher nicht notwendig“.
Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder: „Eine trockene Quelle kann man nicht einfach wieder aufdrehen. Deshalb ist jetzt wichtig, dass wir dort handeln, wo Probleme entstehen und nicht warten, bis aus einem Engpass eine echte Notsituation wird. Genau dafür haben wir unsere Fachleute zusammengezogen. Sie schauen auf die Lage in den Regionen und unterstützen Gemeinden und Wasserversorger dabei, rasch Lösungen zu finden.“
Finanziell investiert das Land nach eigenen Angaben jährlich mehr als 40 Millionen Euro in die Trinkwasserversorgung.
Niederösterreich: Viel Wasser vorhanden, punktuelle Engpässe
Niederösterreich stellt dem Bedarf das Wasserangebot gegenüber: Rund 880 Millionen Kubikmeter pro Jahr stehen zur Verfügung, rund 316 Millionen Kubikmeter werden benötigt. Die Messstellen zeigen dennoch ein angespanntes Bild: 52 Prozent sehr niedrig, 37 Prozent niedrig, 10 Prozent normal. Mit 9. August 2026 wurde an rund 14 Prozent der Messstellen das bisher beobachtete Minimum des Grundwasserstands unterschritten.
Von 25 Grundwasserkörpern beziehungsweise Gruppen von Grundwasserkörpern befinden sich quantitativ alle in ihrer Gesamtheit in gutem Zustand. Qualitativ ist einzig der Grundwasserkörper „Südliches Wiener Becken – Ostrand (DUJ)“ im Bereich zwischen Fischamend und Prellenkirchen aufgrund von Nitratbelastungen in schlechtem Zustand. Verordnet hat das Wassersparen bislang nur eine einzige Gemeinde: Weinzierl am Walde. Zahlreiche weitere Gemeinden haben zum sorgsamen Umgang aufgerufen.
Punktuell sind Engpässe vorhanden, betreffen aber vor allem Streulagen, in denen Wasserlieferungen durchgeführt werden. Eine Versorgungskrise mit Trinkwasser gibt es daher in Niederösterreich nicht.“ Manfred Brandstätter, Leiter der Abteilung Siedlungswasserwirtschaft (WA4), Amt der NÖ Landesregierung
Das Land selbst baut keine Leitungen. Es unterstützt Gemeinden mit Beratungsleistungen zu Vernetzungen und Zusammenschlüssen und stellt Planungstools wie den Trinkwasserplan zur Verfügung. Konkret in Planung sind die Erweiterung der EVN-Waldviertelleitung, ein langfristiges Ausbauprogramm der EVN-Wasser bis 2055, die Gewässervernetzung Petronell-Carnuntum mit Konsenserhöhung des EVN-Brunnenfelds sowie eine Verbindungsleitung zwischen Weinviertel und Industrieviertel.
Steiermark: 850 Versorger und ein Netzwerk für 2050
Die Steiermark meldet für ihre 53 oberflächennahen und vier Tiefengrundwasserkörper: Kein einziger befindet sich derzeit in mengenmäßig oder chemisch schlechtem Zustand. Auch in den vergangenen fünf Jahren war dies bei keinem Grundwasserkörper der Fall. Zugleich ist die Versorgerlandschaft die kleinteiligste im Vergleich: rund 850 öffentliche Wasserversorger (Stand 2023), davon 265 Gemeinden mit eigener Wasserversorgung, 22 Wasserverbände, elf Gesellschaften und Stadtwerke sowie 548 Wassergenossenschaften. Dazu kommen rund 340 kleinere, zentrale und privat organisierte Wassergemeinschaften.
Genau diese Struktur führt zu einer Datenlücke, die das Land offen benennt.
Eine übergeordnete ‚Krisen-Einstufung‘ gibt es nicht, zumal die Wasserversorger selbstständig agieren und zu keiner diesbezüglichen Datenlieferung an das Land Steiermark verpflichtet sind.“ Landesrätin Simone Schmiedtbauer, Steiermark
Welche Gemeinden 2026 Sparverordnungen oder Notmaßnahmen verhängt haben, kann das Land daher nicht beziffern: „Detaillierte Informationen dazu liegen uns nicht vor, da die öffentlichen Wasserversorger keine diesbezüglichen Verpflichtungen zur Datenlieferung bzw. Störfallmeldung haben.“ Beim Runden Tisch „Trinkwasser maßvoll nutzen“ am 26. Juni 2026 berichteten rund 15 kommunale Versorger sowie zwei Wasserverbände über zwischenzeitliche Schwierigkeiten, insbesondere durch erhöhten Spitzenverbrauch im Zusammenhang mit eingeschränkten Ressourcen. Mehr als die Hälfte der steirischen Gemeinden hat inzwischen eine Störfallplanung erstellt; bis Ende 2029 soll jeder öffentliche Wasserversorger über einen aktuellen Störfallmanagementplan verfügen.
Gebaut wird am Wassernetzwerk Steiermark 2050. Sieben strategische Maßnahmen für den innersteirischen Wasserausgleich haben einen aktualisierten geschätzten Investitionsbedarf von rund 150 Millionen Euro für die nächsten 20 Jahre; dazu gibt es bereits einen Regierungsbeschluss, finanziert wird grundsätzlich zu gleichen Teilen von Land und Wasserversorger.
Bei der Transportleitung Grazerfeld, rund 16 Kilometer Verbindungsleitungen, drei Brunnen und ein Hochbehälter mit rund 4.000 Kubikmetern, wurden bereits zwei Bauabschnitte mit Kosten von rund sieben Millionen Euro umgesetzt. Für die Transportleitung West, rund 15 Kilometer bis in den Bereich Deutschlandsberg, und die Transportleitung Süd, rund 40 Kilometer und ein Hochbehälter mit rund 10.000 Kubikmetern bis in den Raum Leibnitz, wurden im Sommer 2026 jeweils Wasserverbände gegründet und erste Planungen gestartet.
„Grundsätzlich sind die Wasserressourcen in der Steiermark derzeit ausreichend“, erklärt Landesrätin Simone Schmiedtbauer.
Kärnten: Ein Sicherheitsnetz bis 2040
Kärnten befindet sich nach eigener Einschätzung in keiner flächendeckenden Versorgungskrise. Einzelne Gemeinden liegen aufgrund niedriger Grundwasserstände in der ersten Vorsorgestufe „Achtsamkeit“. Die Versorgung ist im Normalbetrieb überall gesichert, die Lage wird laufend analysiert.
Das Land setzt auf den Ausbau überregionaler Wasserschienen: Bis 2040 soll ein Sicherheitsnetz 56 Gemeinden und damit rund 72 Prozent der Kärntner Bevölkerung zusätzlich absichern. Die ersten Großprojekte im Unteren Drautal, im Jaunfeld und im Bezirk Völkermarkt laufen bereits. Bis 2040 investiert das Land rund 150 Millionen Euro Schritt für Schritt in diese Wasserschienen; im Fokus stehen der Kärntner Zentralraum, das Untere Drautal sowie die Bezirke Völkermarkt und Wolfsberg.
„Wir erhalten die bewährten lokalen Strukturen, spannen aber ein modernes, überregionales Sicherheitsnetz darüber. So machen wir Kärntens Wasserversorgung krisen- und blackoutfest“, sagt Wasserreferentin Landesrätin Marika Lagger-Pöllinger.
In der Gemeinde Neuhaus startet zudem das Pilotprojekt „Smarte, resiliente Wasserversorgung“. Mithilfe digitaler Verbrauchsdaten und künstlicher Intelligenz sollen Wasserverluste und mögliche Engpässe frühzeitig erkannt werden. Partner ist die Hochschule Campus Wien, die sich seit Jahren mit „Smart Villages“ befasst; die Kooperation mit der Gemeinde Neuhaus läuft seit 2022.
Salzburg: Sechs-Wochen-Vorschau und Tankwagen für die Höfe
Salzburg arbeitet mit einem Prognosetool, das gemeinsam mit GeoSphere Austria entwickelt wurde und den Wasserversorgern eine Vorschau von bis zu sechs Wochen ermöglicht. Kein einziger Grundwasserkörper war bislang mengenmäßig oder qualitativ in schlechtem Zustand.
Neu ist allerdings, dass für den Grundwasserkörper „Pinzgauer Saalachtal“ entsprechend den Vorarbeiten zum Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan 2027 das Risiko der Zielverfehlung besteht. Bei einer Nutzungsintensität von deutlich weniger als 20 Prozent führt das Land dieses Risiko „rein auf die Folgen des Klimawandels“ zurück. Einschränkungen wasserrechtlich bewilligter Nutzungen werden nicht aktiviert.
Die öffentliche Versorgung für den Innenwasserbedarf ist weitgehend problemfrei. Die Bruchlinie verläuft woanders.
Hinsichtlich der Einzelwasserversorgung ist die Lage durchaus angespannt und sind Wasserlieferungen zu vorwiegend landwirtschaftlichen Betrieben erforderlich. Diese werden schwerpunktmäßig von der Feuerwehr mit Tankfahrzeugen bzw. von umfunktionierten Milchtankwägen durchgeführt.“ Theodor Steidl, Leiter des Referats Allgemeine Wasserwirtschaft, Land Salzburg
„In Salzburg hat noch keine einzige Gemeinde eine Verordnung hinsichtlich Verbots der Rasenbewässerung oder Poolbefüllung erlassen“, sagt Theodor Steidl vom Land Salzburg. Aufrufe zum Wassersparen gibt es dagegen in vielen Gemeinden, vorzugsweise im Flach- und im Tennengau. Genannt werden Seeham, Koppl, St. Georgen, Faistenau, Elixhausen, Puch und Vigaun. Vigaun und Mittersill koordinieren die Feuerwehreinsätze über die Gemeindeämter. Zur Krisenvorbereitung dienen die Veranstaltungsformate „Infrastrukturtag“, „Betreibertag Trinkwasser“ und „Regionaltreffen“ sowie die ÖVGW-Richtlinie W 74 „Trinkwassernotversorgung“.
Politisch zieht Landesrat Maximilian Aigner eine klare Grenze zwischen Trockenheit und Krise: Von einer flächendeckenden Versorgungskrise wäre aus fachlicher Sicht dann zu sprechen, wenn zentrale Wasserversorgungsanlagen großflächig ausfallen würden, etwa durch massive Schadstoffeinträge, schwere Erdbeben, Terror- oder Kriegsszenarien. „Salzburgs Trinkwasserversorgung ist gesichert. Gleichzeitig nehmen wir die anhaltende Trockenheit sehr ernst. Trinkwasser ist Daseinsvorsorge und genau deshalb setzen wir auf Vorsorge, verlässliche Daten und gezielte Unterstützung unserer Wasserversorger“, so Aigner.
Vorarlberg: Robust durch das Trockenjahr
Vorarlberg misst die Lage entlang der Notfallszenarien des Trinkwassersicherungsplans und legt die Zahlen offen: Von 86 Gemeindewasserversorgungsanlagen stehen 75 auf Szenariostufe 1 und elf auf Stufe 2; von 100 Genossenschaftsanlagen sind 93 auf Stufe 1 und sieben auf Stufe 2. Alle Grundwasserkörper weisen bisher einen guten mengenmäßigen und chemischen Zustand auf. Ob die Grundwassertiefstände des heurigen Jahres die Einstufung ändern, wird sich laut Land erst bei der nächsten Statuserhebung zeigen.
Zehn Gemeinden haben zum Wassersparen aufgerufen: vorsorglich Dornbirn, Hittisau, Hohenems, Langen bei Bregenz, Lochau, Nüziders, Satteins und Sulz, wegen eines eingetretenen Engpasses Egg und Möggers. In beiden Fällen konnte der Engpass durch Erhöhung der Zusatzwasserlieferung aus benachbarten Versorgungsanlagen behoben werden. „Sparverordnungen, Abgabebeschränkungen oder Notmaßnahmen waren bisher nicht notwendig“, stellt Landesrat Christian Gantner klar.
Über 60 Prozent der öffentlichen Versorgungsanlagen verfügen über Verbundleitungen oder unabhängige zweite Standbeine; von diesen doppelt abgesicherten Anlagen werden 96 Prozent der Bevölkerung versorgt.
In Bau ist der Verbund der Gemeinden Bludesch, Düns, Dünserberg, Röns, Schlins und Schnifis durch den Trinkwasserverband Mittlerer Walgau. Ein Verbundprojekt des Trinkwasserverbandes Bregenzerwald steht im Behördenverfahren und würde zehn Gemeinden vernetzen. Das Projekt „Nofler Au“ des Trinkwasserverbandes Rheintal und der Stadt Feldkirch soll die Versorgung von über 150.000 Menschen durch ein zusätzliches Standbein absichern. Der Trinkwasserverband Rheintal versorgt bereits rund 120.000 Menschen.
Die Wasserversorgung in Vorarlberg hat sich gerade im heurigen Trockenjahr als sehr robust bewiesen.“ Landesrat Christian Gantner
Eine Prioritätenliste für künftige Transportleitungen hält das Land für entbehrlich. Die mittel- und langfristige Budgetierung obliege den Gemeinden und Verbänden.
Die Frage nach dem lieben Geld
Auf die Frage nach der Senkung der Bundesförderung für die Siedlungswasserwirtschaft von 168 auf 126 Millionen Euro fallen die Antworten auffällig unterschiedlich aus, und zwei Länder widersprechen der Prämisse ausdrücklich.
Die Steiermark hält fest: „Es hat hier keine Kürzung der Bundesförderung gegeben.“ Ausgelaufen sei eine Sondertranche des Bundes in Höhe von 100 Millionen Euro, insbesondere für die Jahre 2023 und 2024 zum Abbau des Förderrückstandes von Projekten zur Wasserversorgung. Regulär stünden bundesweit jährlich 100 Millionen Euro zur Verfügung, seitens des Landes Steiermark rund 7,5 Millionen Euro. Auch Kärnten formuliert: „Es gibt keine Kürzung des regulären Förderrahmens durch den Bund. Eine temporäre Sondertranche des Bundes läuft wie geplant aus. Kein Kärntner Projekt muss deshalb abgesagt werden.“
Niederösterreich meldet ebenfalls keine Verzögerungen: „Keine, da die notwendigen Projekte umgesetzt werden können.“ Vorarlberg wiederum rechnet die Frage nicht klein, kann sie aber noch nicht beantworten: Ob eine Senkung des jährlichen Förderungsvolumens zu weiteren Verzögerungen bei der Förderungszusage führt, sei „noch nicht hinreichend genau“ zu beantworten, weil die Ergebnisse einer heuer vom BMLUK durchgeführten Investitionskostenerhebung bei den Gemeinden noch nicht vorliegen. Salzburgs Landesrat Aigner spricht neutral von einer „Anpassung der Bundesmittel“, durch die sich der Zusagerahmen entsprechend dem Bundesländeranteil verändere.
Einig sind sich die Länder bei den Wartezeiten: Die Steiermark nennt rund zwei Jahre von der Einreichung bis zur Genehmigung, Kärnten „rund zwei Jahre“, Vorarlberg ein bis drei Jahre. Und einig sind sie sich in der Konsequenz, wenn Fördermittel wegfallen: Die Steiermark hält fest, eine Reduzierung der Förderung würde eine Erhöhung der Gebühren bedeuten; Vorarlberg formuliert, die Reduktion oder der Entfall von Fördermitteln „würde eine Kompensation durch Gebührenanpassungen zur Folge haben“.
„Die Sicherung des Trinkwassers ist das Fundament der Daseinsvorsorge. Diese finanzielle Verantwortung darf der Bund nicht einfach bei den Gemeinden und den Bürgerinnen und Bürgern abladen“, stellt die Kärntner Landesrätin Marika Lagger-Pöllinger klar. „Wasserinfrastruktur braucht langfristige Planungssicherheit. Der Bund bleibt gefordert, die Förderprozesse zu beschleunigen, damit wichtige regionale Projekte ohne Verzögerung umgesetzt werden können.“
Finanzierung ab 2028: Rücklagen, Gebühren, Hoffnung
Die zugesagten Mittel laufen 2028 aus, danach hängt alles am nächsten Finanzausgleich. Salzburgs Landesrat Aigner verweist auf eine Förderintensität in der Trinkwasserwirtschaft zwischen 10 und 25 Prozent: Großprojekte müssten daher ohnehin langfristig vorbereitet und finanziell solide geplant werden, Gemeinden könnten Rücklagen bilden, bei den Gebühren sei eine entsprechende Kostendeckung rechtlich möglich.
„Gerade bei Großprojekten mit langen Planungs- und Bauzeiten braucht es Verlässlichkeit und Planungssicherheit, denn Investitionen in die Trinkwasserinfrastruktur sind zentrale Daseinsvorsorge“, so der Salzburger Landesrat Maximilian Aigner.
Kärnten kündigt an, bei den kommenden Finanzausgleichsverhandlungen eine dauerhafte und stabile Anschlussfinanzierung durch den Bund einzufordern; ein Wegfall der Bundesmittel würde die Gemeinden finanziell überlasten.
Vorarlberg verweist darauf, dass Leitungsprojekte mit derart langer Bauzeit bisher im Land nicht aufgetreten seien und der Förderungszusage immer das behördlich genehmigte Projekt zugrunde liege, wodurch für den Förderwerber Finanzierungssicherheit bestehe. Niederösterreich kann die Frage mangels eigener Leitungsprojekte nicht direkt beantworten, hält aber fest, alle betroffenen öffentlichen Stellen seien daran interessiert, dass auch im neuen Finanzausgleich entsprechende Fördermittel zur Verfügung stehen.
Bei der Budgetierung zieht Salzburg eine Grenze: „Der Investitionsbedarf bis 2035 ist bekannt. Die letzte Investitionskostenerhebung wurde 2025 abgeschlossen. Eine vollständige Budgetierung bis 2050 wäre aus heutiger Sicht nicht seriös, weil sich Rahmenbedingungen und Kosten laufend verändern“, sagt Landesrat Aigner.
Die Krise ist nicht das Problem – die Lücke dazwischen
Sechs Bundesländer, sechs Antworten, ein gemeinsamer Befund: Es gibt in Österreich derzeit keine Versorgungskrise beim Trinkwasser.
Oberösterreich befindet sich landesweit in der Stufe „Achtsamkeit“, in Kärnten liegen einzelne Gemeinden in der ersten Vorsorgestufe „Achtsamkeit“. Vorarlberg meldet 18 von 186 erfassten Anlagen auf Szenariostufe 2, Niederösterreich punktuelle Engpässe in Streulagen. Salzburg bezeichnet seine Trinkwasserversorgung als gesichert, die Steiermark ihre Wasserressourcen als derzeit ausreichend. Der Befund einer gesicherten Versorgung trägt, und er trägt zu Recht, weil in den vergangenen zwei Jahrzehnten in zweite Standbeine, Speicher und Verbindungsleitungen investiert wurde.
Aber die Antworten legen auch zwei Lücken offen, die für Gemeinden unmittelbar handlungsrelevant sind.
- Die Datenlücke: Die Steiermark sagt offen, dass sie nicht weiß, welche Gemeinden Sparmaßnahmen verhängt haben, weil keine Meldepflicht besteht. Ein Land, das nicht weiß, welche seiner Versorger bereits Sparmaßnahmen verhängt haben, kann eine Eskalation schwerer früh erkennen. Vorarlberg und Kärnten zeigen mit Szenariostufen und Vorsorgestufen, wie ein Lagebild aussehen kann.
- Die Strukturlücke: Die Länder halten an der kleinteiligen Versorgung fest. Zugleich wird vielerorts an überregionalen Leitungen und Verbindungen gearbeitet. Das ist kein Widerspruch, sondern das eigentliche Programm: Die Versorgung bleibt vor Ort, die Reserve wird regional. Wo diese zweite Ebene fehlt, entscheidet die Trockenheit.
Die Handlungsempfehlung an Gemeinden folgt aus den Antworten der Länder selbst:
- ein zweites Versorgungsstandbein sichern,
- Behältervolumen für verbrauchsreiche Tage schaffen,
- Wasserverluste reduzieren,
- Störfall- beziehungsweise Krisenpläne erstellen, in der Steiermark ohnehin bis Ende 2029 vorgesehen, und
- Förderanträge jedenfalls vor Baubeginn einbringen. Wer erst reagiert, wenn die Quelle trocken fällt, hat keine Möglichkeit mehr, sie wieder aufzudrehen.
Zu Redaktionsschluss lagen keine Antworten aus Tirol und dem Burgenland vor. Wien war in der Anfrageübersicht nicht erfasst.