Wer früher im Krankenhaus blieb, muss heute regelmäßig Fahrten zu Therapien, Untersuchungen oder niedergelassenen Ärzten auf sich nehmen.
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Krankentransport unter Druck
Mehr als vier Millionen Krankentransporte wurden 2025 in Österreich bis November über die österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) abgerechnet – Tendenz steigend. Das Thema Krankentransport hat sich vom Nischenbereich zur Systemfrage entwickelt. Für Gemeinden, insbesondere jene im ländlichen Raum, wird die Frage der Transportversorgung zunehmend drängend.
Das österreichische Krankentransportwesen unterscheidet rechtlich zwischen zwei Bereichen: dem Rettungstransport bei akuten Notfällen und dem Krankentransport für medizinisch notwendige, aber nicht zeitkritische Fahrten. Hinzu kommt die Krankenbeförderung – also Fahrten mit Taxi oder Fahrtendienst, bei denen keine sanitätsdienstliche Begleitung erforderlich ist.
Die organisatorische Verantwortung liegt bei den Bundesländern, die Finanzierung großteils bei der gesetzlichen Krankenversicherung. Durchgeführt werden die Transporte von Blaulichtorganisationen wie z. B. Rotem Kreuz, Samariterbund oder Johannitern sowie von privaten Transportunternehmen.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache
Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt einen klaren Aufwärtstrend. Im Jahr 2020 wurden noch 2,5 Millionen Kranken-, Rettungs- und Notfalltransporte mit Blaulichtorganisationen abgerechnet; 2024 waren es bereits 2,8 Millionen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Krankenbeförderungen durch Transportunternehmen von 1,2 Millionen (2020) auf 1,7 Millionen (2024). Die Gesamtkosten für das Transportwesen beliefen sich 2024 auf rund 316 Millionen Euro – für 2025 prognostiziert die ÖGK bereits knapp 339 Millionen Euro.
Als Ursachen nennt die ÖGK die demografische Entwicklung mit einer älter werdenden, zunehmend pflegebedürftigen Bevölkerung sowie die Verlagerung von Behandlungen aus dem stationären in den ambulanten Bereich. Wer früher im Krankenhaus blieb, muss heute regelmäßig Fahrten zu Therapien, Untersuchungen oder niedergelassenen Ärzten auf sich nehmen – und benötigt dafür oft einen organisierten Transport.
Wartezeiten und strukturelle Engpässe
Der Anstieg der Transportzahlen hat sichtbare Folgen: Die Kapazitäten der Organisationen sind vielerorts an ihre Grenzen gestoßen. Planbare Fahrten – etwa Routinebehandlungen oder Entlassungstransporte – müssen zurückstehen, wenn Akutfälle Priorität haben. Im ländlichen Raum, wo Transportdienste ohnehin dünner gesät sind und Wege zu Spitälern oder Fachärzten länger, verschärft sich dieses Problem besonders. Die föderale Struktur des Systems trägt dazu bei: Unterschiedliche Vertragskonstruktionen zwischen Ländern, Gemeinden und Anbietern können dazu führen, dass vorhandene Kapazitäten nicht effizient genutzt werden.
Neue Selbstbehalte als Steuerungsinstrument
Seit Mitte 2025 hat die ÖGK für nicht zeitkritische Transporte Kostenanteile eingeführt – mit Verrechnung ab Jänner 2026. Für Krankenbeförderungen per Taxi gilt ein Selbstbehalt in Höhe der einfachen Rezeptgebühr (2026: 7,55 Euro), für Krankentransporte mit sanitätsdienstlicher Begleitung das Doppelte (15,10 Euro).
Ausgenommen bleiben Notfall- und Rettungstransporte, Kinder, Personen mit Rezeptgebührenbefreiung sowie Patientinnen und Patienten mit regelmäßigen Fahrten zu Dialyse, Chemo- oder Strahlentherapie. Zudem gilt eine Obergrenze von 28 kostenpflichtigen Transporten pro Jahr. Die ÖGK bewertet die Maßnahme als wirksam: Nach einem Anstieg von rund fünf Prozent im Jahr 2024 zeigt sich seit April 2025 eine rückläufige Entwicklung. Zwischen November 2024 und November 2025 ging die Zahl der Fahrten um ein Prozent zurück.
Was Gemeinden tun können
Aus Sicht der ÖGK kommt den Gemeinden eine zentrale Rolle zu – insbesondere bei der Organisation planbarer, nicht-sanitätsdienstlicher Transporte. Konkret sieht die Kasse Potenzial darin, dass Gemeinden die Koordination von Taxi- und Fahrtendiensten übernehmen und diese gebündelt und effizienter gestalten. Auch die Stärkung von Community-Nursing-Projekten wird als Hebel genannt: Eine wohnortnahe Versorgung reduziert den Bedarf an langen Krankentransporten.
Darüber hinaus regt die ÖGK die Gemeinden zur Informationsarbeit an: Die neuen Selbstbehalt-Regelungen – und die geltenden Ausnahmen – sind vielen Bürgerinnen und Bürgern noch nicht bekannt. Falsch genutzte oder vermeidbare Transporte könnten durch gezielte Aufklärung reduziert werden.
Mittelfristig, so die ÖGK, wäre zudem eine Harmonisierung der föderalen Strukturen wünschenswert: Österreichweit einheitliche Regelungen für Kranken- und Rettungstransporte würden Planungssicherheit erhöhen und Abläufe vereinfachen – zum Vorteil aller Beteiligten, nicht zuletzt der Gemeinden.