In der Innsbrucker Altstadt fehlen öffentliche Grünflächen.
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Landeshauptstädten mangelt es an Grünflächen
Greenpeace Österreich hat mittels Satellitendaten den Grünflächenanteil in den Stadtkernen aller neun österreichischen Landeshauptstädte verglichen und dabei massive Unterschiede festgestellt. Das Ergebnis offenbart ein stadtübergreifendes Muster: Grün findet sich zwar vereinzelt in Innenhöfen oder an Stadträndern – doch genau dort, wo täglich tausende Menschen einkaufen, spazieren und ihre Zeit verbringen, bleibt es grau
Bregenz liegt mit einem Grünflächenanteil von 38,3 Prozent deutlich vor Linz mit 33,4 Prozent und Graz mit 32,2 Prozent. Im Mittelfeld rangieren Salzburg, Klagenfurt und Eisenstadt mit jeweils knapp unter 30 Prozent. Am unteren Ende landen Wien mit 26,3 Prozent, St. Pölten mit 25,3 Prozent und das letztplatzierte Innsbruck mit 25,0 Prozent.
Stadt für Stadt: Stärken und Defizite
- Bregenz (38,3 %) punktet vor allem mit der baumreichen Seepromenade am Bodensee. In den Fußgängerzonen, besonders rund um den neu gestalteten Leutbühel, fehlen Bäume und Begrünung dennoch fast vollständig.
- Linz (33,4 %) profitiert von begrünten Innenhöfen und einzelnen Gründächern rund um den Bahnhof. Am Hauptplatz und in den umliegenden Fußgängerzonen bleibt dringender Nachholbedarf. Die über 60.000 Quadratmeter versiegelte Fläche des Urfahranermarktgeländes ist den größten Teil des Jahres ungenutzt.
- Graz (32,2 %) verfügt mit Schlossberg, Volksgarten und Stadtpark über verhältnismäßig große Grünzonen. Rund um den Hauptplatz und in den Fußgängerzonen fehlen jedoch Bäume und Schatten – und auch viele Innenhöfe sind noch grau.
- Salzburg (knapp unter 30 %) überzeugt im neueren Stadtteil mit begrünten Innenhöfen und ersten Grünflächen. In der Altstadt rund um den Dom sowie im Bereich des Bahnhofs fehlen kühlende Bäume und Grünflächen fast vollständig.
- Klagenfurt (knapp unter 30 %) verfügt am Rande des Zentrums über größere Grünflächen. In der Kernzone rund um den Neuen Platz dominieren jedoch graue Flächen – Bäume und kühlendes Grün fehlen fast vollständig.
- Eisenstadt (knapp unter 30 %) profitiert von grünen Randflächen und Sportplätzen im Norden und Osten. Rund um Rathaus und Domplatz zeigt sich ein graues Bild: Bäume und ökologisch wertvolles Grün fehlen massiv.
- Wien (26,3 %) profitiert von großflächigen Grünzonen wie Prater, Stadtpark und Augarten. In den stark frequentierten Innenbezirken sowie auf Plätzen und in Fußgängerzonen besteht jedoch dringender Nachholbedarf an schattenspendenden Bäumen.
- St. Pölten (25,3 %) verfügt über mehrere kleine Parkanlagen im Stadtgebiet. Im historischen Kern, besonders rund um den Rathausplatz, bleibt das Stadtbild weitgehend grau – Begrünung und schattenspendende Bäume fehlen massiv.
- Innsbruck (25,0 %) bildet das Schlusslicht. Der Inn ist zwar größtenteils von Grün gesäumt und der Hofgarten bietet im Norden einen Rückzugsort – in der historischen Altstadt und den Fußgängerzonen bleibt das Potenzial jedoch ungenutzt. Auch die vielen Innenhöfe sind kaum begrünt.
Klimafolgen und Forderungen
Die Zahl der Hitzetage hat sich in den vergangenen Jahrzehnten drastisch erhöht. In Innsbruck etwa stieg sie von durchschnittlich neun Hitzetagen pro Jahr im Zeitraum 1961–1990 auf 32 in den Jahren 2021–2025.
Melanie Ebner, Bodenschutz-Expertin bei Greenpeace, fordert Konsequenzen: „Mehr Natur in der Stadt ist die beste Medizin gegen die Auswirkungen der Klimakrise. Große Bäume, grüne Parks und blühende Wiesen wirken wie natürliche Klimaanlagen in Stadtzentren und können die Temperatur an Hitzetagen spürbar senken." Als Richtwert nennt Landschaftsarchitekt Furchtlehner einen Radius von 300 Metern: Innerhalb dieser Distanz sollte jede Person Zugang zu einem Park haben.
Den rechtlichen Rahmen liefert die EU-Renaturierungsverordnung: Sie schreibt vor, dass Grünraum und Baumkronenfläche in Städten bis 2030 nicht schrumpfen dürfen – ab 2030 müssen sie sogar wachsen.
Was Greenpeace fordert
- Die Bürgermeister der Landeshauptstädte müssen eine gezielte Entsiegelungsoffensive starten: Asphalt und Beton in historischen Stadtkernen, auf Hauptplätzen und in Fußgängerzonen müssen systematisch aufgebrochen und durch Bäume, Parks und Blühflächen ersetzt werden. Begrünung muss als flächendeckendes, vernetztes System gedacht werden – nicht als Einzelmaßnahme.
- Die Bundesregierung muss klarstellen, dass Grünverluste lokal ausgeglichen werden müssen. Was in Wien an Bäumen verloren geht, darf nicht erst in Graz kompensiert werden. Die Renaturierungsverordnung muss für jedes Stadtgebiet individuell gelten. Rechentricks auf nationaler Ebene dürfen nicht zugelassen werden.
- Begrünungsprojekte, die gleichzeitig die Biodiversität erhöhen, der Klimaanpassung dienen, den Wasserhaushalt stärken und der Naherholung der Menschen zugutekommen, müssen absolute Priorität in der Stadtplanung erhalten und entsprechend finanziert werden.