Schleedorfs Bürgermeisterin Martina Berger bei den Platzlgesprächen auf der Kommunalmesse 2026
Schleedorfs Bürgermeisterin Martina Berger bei den Platzlgesprächen auf der Kommunalmesse 2026.
© KOMMUNAL/Jürg Christandl

Kommunalmesse 2026

Kleinkindbetreuung trotz knapper Kassen: Das Schleedorfer Modell

Ohne eigenen Architekten, dafür mit Bauhof, 30 Freiwilligen und gespendetem Holz: Schleedorf hat seine erste Kleinkindbetreuung in vier Monaten gebaut. Bürgermeisterin Martina Berger erklärt, wie die Gemeinde vorgegangen ist und was andere daraus mitnehmen können.

Eine Betreuung für Kinder unter drei Jahren gab es in Schleedorf bisher nicht. Ab Oktober hat die Flachgauer Gemeinde mit ihren rund 1.170 Einwohnerinnen und Einwohnern eine eigene Kleinkindgruppe, untergebracht in einem Zubau zum Kindergarten. Die Bauzeit betrug nur vier Monate. Dass das Projekt so rasch und günstig umgesetzt werden konnte, liegt an der Eigeninitiative der Gemeinde, von der ersten Planskizze bis zur Mitarbeit auf der Baustelle. Von den veranschlagten rund 300.000 Euro muss Schleedorf voraussichtlich nur etwa 30.000 Euro aus dem eigenen Budget zahlen. Wie die Gemeinde vorgegangen ist, schilderte Bürgermeisterin Martina Berger auf der Kommunalmesse in Salzburg.

„Wir wissen, dass bei uns die Bäume nicht in den Himmel wachsen“, sagt Berger, die seit zweieinhalb Jahren im Amt ist. Zusammenhelfen sei man in Schleedorf gewohnt. Die Kleinkindbetreuung gehörte zu ihren ersten Vorhaben als Bürgermeisterin.

Der erste Entwurf entsteht im Bauausschuss

Zunächst überlegte die Gemeinde in Eigenregie. „Wir hätten einfach sagen können, ja holen wir unseren Architekten und fertig, aber wir haben gewusst, das können wir uns eigentlich nicht leisten, also müssen wir selber handeln“, sagt Berger. Die Mitglieder des Bauausschusses, der monatlich tagt und an dessen Sitzungen sie immer teilnimmt, beugten sich über Kopien der Bestandspläne des Kindergartens. Schon die alten Pläne aufzutreiben, dauerte eine Weile. Mit Papier und Stift zeichneten die Ausschussmitglieder dann ein, wo und wie der Zubau Platz finden könnte. Auf Basis dieser Skizzen ließ die Gemeinde einen Entwurf ausarbeiten und legte ihn dem Land vor, das grünes Licht gab.

Diesen Weg empfiehlt Berger auch anderen Gemeinden: „Ich glaube, oft ist es gescheiter, man setzt sich zusammen, macht sich zuerst mal selbst Gedanken, und überlegt einfach mal mit Hausverstand.“ Voraussetzung ist, dass die Gemeindevertretung harmonisch zusammenarbeitet, wie es in Schleedorf der Fall ist.

Rechtzeitig das Land ins Boot holen

Eine Anleitung, wie man zu einer Kleinkindbetreuung kommt, gibt es nicht. Am Anfang habe sie sich gefragt: „Gibt es da To-Do-Listen oder wie funktioniert das?“ Als besonders hilfreich bezeichnet Berger, dass die Gemeinde gleich zu Beginn einen Termin mit der Abteilung 2 des Landes Salzburg vereinbart hat, die für Kinderbetreuung zuständig ist. Eine Mitarbeiterin kam nach Schleedorf, sah sich die Situation vor Ort an, ging das Vorhaben mit der Gemeinde durch und gab Tipps.

Dazu kommen die Wege zu den Förderstellen von Bund, Land und Gemeindeausgleichsfonds, für die man einige Zeit einplanen muss. Berger rät, diesen Aufwand von vornherein zu berücksichtigen und rechtzeitig zu beginnen. „Je länger und je besser geplant, desto besser funktioniert es dann auch.“

Bis alles geklärt war, verging rund ein Jahr, auch weil sich manche Anträge nur zu bestimmten Terminen einreichen lassen. Dazu kam eine fixe Frist: Spätestens am 15. Oktober 2026 musste die Kleinkindgruppe öffnen. Im Mai fand die Bauverhandlung bei der Bezirkshauptmannschaft statt, am 8. Juni begann der Bau.

Bauhof, Freiwillige und Nachbargemeinde helfen mit

Dass der Bau in vier Monaten über die Bühne ging, führt Berger auf die Menschen zurück, die mitgearbeitet haben. „Das geht nur, wenn man gute Leute hat.“ An erster Stelle nennt sie den Bauhof mit einem Vollzeit- und zwei Teilzeitmitarbeitern, der sehr viel Eigenleistung eingebracht hat. „Und da sind wir sehr gesegnet, weil die eigentlich alles können.“

Wie schon bei früheren Projekten rief die Gemeinde außerdem über Gemeindezeitung, Flyer, Plakate und WhatsApp-Status zur Mithilfe auf. Gesucht wurden helfende Hände für einfache Bauarbeiten. Gerechnet hatte man mit zwei oder drei Meldungen, gekommen sind 30 Freiwillige. Darunter waren Mütter, Väter und Großväter der Kinder, die künftig betreut werden, aber ebenso Bürgerinnen und Bürger ohne persönlichen Bezug zur Einrichtung. Landwirte spendeten das gesamte Bauholz für Dachstuhl und Dachschalung, was auch den Holzbau günstiger machte. Mit angepackt haben zudem die Amtsleiterin und die Bürgermeisterin persönlich, die Holz schnitt, die Räume weißelte und beim Aufräumen half. „Man kann doch nicht die Leute animieren mitzuhelfen, und dann selbst nicht mittun. Das geht nicht.“

Unterstützung kam auch aus Ebenau. Bürgermeister Johannes Fürstaller, dessen Gemeinde vor Kurzem ebenfalls eine Kleinkindbetreuung gebaut hat, bot Schleedorf übrig gebliebenes Baumaterial an, das sonst entsorgt worden wäre. Die Schleedorfer holten es ab und verbauten unter anderem XPS-Dämmplatten für den Untergrund. „Das ist für mich so ein Beispiel echter Gemeindekooperation“, sagt Berger. Die Gemeinde habe damit Geld gespart, zugleich sei es ein Beitrag zur Kreislaufwirtschaft.

Viele Aufträge gingen an heimische und regionale Firmen. Dass diese engagiert und gut abgestimmt gearbeitet haben, hat laut Berger wesentlich zur kurzen Bauzeit beigetragen. Eng eingebunden war von Beginn an auch die langjährige Kindergartenleiterin. Der Kindergarten blieb während der gesamten Bauzeit in Betrieb.

Die Endabrechnung steht noch aus. Den größten Teil der Finanzierung macht die Bundesförderung von 125.000 Euro aus. Dazu kommen Mittel aus dem Gemeindeausgleichsfonds und aus dem Kommunalen Investitionsprogramm (KIP). Rechnet man die Förderungen, die freiwilligen Arbeitsstunden und das gespendete Holz ein, wird die Gemeinde nur noch rund 30.000 Euro selbst finanzieren müssen.

Erst den Bedarf erheben

Bei der Einschreibung im Frühjahr fragte die Gemeinde die Eltern, zu welchen Zeiten und an wie vielen Tagen sie eine Betreuung brauchen. Danach richten sich nun die Öffnungszeiten von 7 bis 14 Uhr. Für die längerfristige Planung zog sie die Geburtenzahlen heran, die mit acht bis neun pro Jahr konstant sind. Weil Schleedorf nur mäßig wächst und manche Familien weiterhin Tageseltern oder Betriebskindergärten nutzen werden, dürfte eine Gruppe für die nächsten Jahre reichen.

Ausgelegt ist sie für acht Ganztagesplätze bei einem Betreuungsschlüssel von eins zu vier. Betreut werden die Kinder von einer gruppenführenden Pädagogin und einer Helferin. Bei der Personalsuche hatte Schleedorf Glück. Bewerbungen gab es genug. Kein Kind kommt die ganze Woche, die meisten zwei bis vier Tage. Deshalb starten zehn Kinder, anwesend sind meist fünf bis sieben, und ein, zwei Plätze sind noch frei. Die meisten Kinder sind zwischen einem und zwei Jahren alt. Steigt die Nachfrage, haben ältere Vorrang.

Auch den Eltern gegenüber spielte die Gemeinde mit offenen Karten, obwohl sie den Eröffnungstermin lange selbst nicht kannte: „Liebe Eltern, wir wissen nicht einmal, wann wir aufsperren, wir können es euch nicht sagen, wir müssen bis zum 15. Oktober aufsperren, aber wann genau, das wissen wir jetzt nicht.“ Die Eltern hätten bis zuletzt Geduld gezeigt, erzählt Berger. Gemeinden, die Ähnliches vorhaben, lädt sie ein, sich bei ihr zu melden.