Bernhard Auinger
„Ein Baum darf sicher wichtiger werden als ein Parkplatz, denn ein Parkplatz spendet den Menschen keinen Schatten.“ Bernhard Auinger über Salzburgs Maßnahmen zur Klimaanpas-sung.
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Für die Managerin und die Kassiererin

Vom Porsche-Betriebsrat ins Rathaus: Bernhard Auinger regiert Salzburg im Team mit dem einstigen Gegner. Er erklärt, warum ein Baum mehr wert sein kann als ein Parkplatz, wie er den Tourismus lenken will und woran er sich in zehn Jahren messen lassen möchte.

Bernhard Auinger ist ein Mann in Bewegung. Der 52-Jährige joggt seine zehn Kilometer, sitzt seit Kindertagen im Sattel und ist dem Eishockey eng verbunden. Seinen Weg begann er als Lehrling bei der Porsche Holding, wo er fast drei Jahrzehnte blieb, als Betriebsrat die Belegschaft vertrat und es bis in den Europa- und Weltbetriebsrat brachte. 

In den Salzburger Gemeinderat kam er 2005, und nachdem er zweimal vergeblich angetreten war, gewann er im März 2024 im dritten Anlauf die Stichwahl mit 62,5 Prozent, was der SPÖ nach sechseinhalb Jahren das Bürgermeisteramt zurückbrachte. Eine Erkenntnis hat ihn dabei überrascht. „Man muss sehr viele Probleme lösen, für die man gar nicht verantwortlich ist“, sagt er und räumt ein, als früherer Vizebürgermeister unterschätzt zu haben, wie viel Zeit das kostet.

Salzburg
Der strenge Denkmalschutz, insbesondere der barocken Altstadt, ist für Salzburg beim Ausarbeiten und Umsetzen von Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel eine große Herausforderung. Foto: naturenow - stock.adobe.com

Den Job liebt er, einen schöneren kann er sich nicht vorstellen. Salzburg klinge international und bleibe doch überschaubar, sagt er, das halte ihn nah an den Menschen und lasse ihn jene Projekte vorantreiben, für die er brennt. Sein liebstes ist die Kinderbetreuung, die er samt Bildung als eigenes Ressort führt und die für ihn immer auch eine Frage der Chancengleichheit ist. Wenn bei der Eröffnung eines neuen Kindergartens die Kinder bei ihren Pädagoginnen sitzen, gut aufgehoben in ihrer ersten Bildungseinrichtung, dann weiß er, wofür er die Arbeit macht. „Das sind die Glücksmomente. Dafür mache ich es“, sagt er. Die Kehrseite kennt er ebenso, in Salzburg ist er nicht mehr privat, und das reicht bis in die Familie hinein, zu seiner Frau und den zwei Töchtern, die ihn tragen.

Aufgewachsen ist Auinger im Süden der Stadt, als jüngstes von vier Kindern. Am stärksten verändert hat sich seit damals das Wohnen, das extrem teuer geworden ist. Salzburg gilt inzwischen als teuerste Großstadt des Landes. Ansonsten sieht er die Qualität der Stadt gut erhalten, getragen von Kultur, Sport und Tourismus und von großen Konzernen, die seit Langem auf den Standort setzen und weiter investieren. Der Immobilienmarkt aber treibt ihn um.

Kommunisten zum Vize gemacht

Regiert wird in Salzburg seit der Wahl in einer breiten Konstellation. Ausgerechnet Kay-Michael Dankl, den Kommunisten, gegen den er angetreten war, holte Auinger in die Stadtregierung, wo dieser heute als Vizebürgermeister das Wohnressort führt, an seiner Seite Florian Kreibich von der Volkspartei als zweiter Vize. Eine eigene Mehrheit hat die SPÖ im Gemeinderat nicht, insofern ist die Zusammenarbeit auch Notwendigkeit. 

Inhaltlich zieht Auinger dennoch eine klare Grenze. Er wolle Bürgermeister „auch für die alleinerziehende Managerin, die gut verdient und einen Kinderbetreuungsplatz braucht“ sein, „und für die Kassiererin, die eine leistbare Wohnung sucht“. Sein Regierungspartner, findet er, konzentriere sich zu sehr auf die eine Seite, für die KPÖ sei jeder Großkonzern der Böse, dabei finanzierten gerade die Kommunalsteuern der großen Betriebe viele gute Löhne und Sozialleistungen. Das trennt die beiden ideologisch, die Zusammenarbeit selbst nennt er trotzdem sehr gut. Und doch ist ihm gerade dieses Miteinander das wichtigste Anliegen, „Salzburg neu regieren“, wie er es nennt, mit mehr Zusammenarbeit und weniger Parteiideologie im Tagesgeschäft.

Das Wohnen bleibt seine größte Baustelle. Als größte Gefahren für die Stadt nennt Auinger die steigenden Wohnkosten und die Polarisierung, dazu von außen den Klimawandel und die wachsenden finanziellen Lasten. Er gibt sich betont gelassen, doch gerade beim Wohnen weiß er um die Sprengkraft. Für Grundstücksankäufe hat die Stadt zuletzt zehn Millionen Euro bereitgestellt, und bei neuen Umwidmungen sollen zu vier Fünfteln geförderte Mietwohnungen entstehen. Große Sprünge verspricht er für diese Periode nicht, zuerst gehe es darum, Flächen und Widmungen für die kommenden Jahre zu sichern. Leistbares Wohnen ist für ihn die Nagelprobe seines Anspruchs, Bürgermeister für alle zu sein.

Beim Verkehr, dem zweiten großen Reizthema, hat Auinger eine klare Linie. Den unterirdischen S-Link, über den die Stadt lange gestritten hat und den eine Befragung im November 2024 kippte, hält er für zu teuer und angesichts der bekannten Kosten trauere kaum jemand dem Projekt noch nach, auch unter den einstigen Befürwortern nicht. Gemeinsam mit dem Land arbeitet die Stadt nun an einem Nahverkehrsplan, denn die Pendler müssen ja ebenso hereinkommen. 

Gesetzt wird auf das Vorhandene, auf Obus, S-Bahn und Bus. Ein neues Leihradsystem und zusätzliche Buslinien sind bereits eingeführt, die Fahrgastzahlen 2025 um zehn Prozent gestiegen, im Mai 2027 wird das Liniennetz umgestellt, „das alles in nur zwei Jahren“, wie er betont. Langfristig setzt er auf eine flächendeckende Parkraumbewirtschaftung, um den Autoverkehr zu dämpfen, und auf den Ausbau der Fahrradstadt. Sein Ziel für 2040 fällt schlicht aus: Das Verkehrsproblem ist gelöst und die Besucher steigen dort aus, wo sie bequem in die Stadt gelangen.

 Maxglaner Hauptstraße
Ungewohnter Anblick: Die Maxglaner Hauptstraße wurde am autofreien Tag Mitte September zur Flaniermeile. Die Stadt Salzburg informierte dabei über aktuelle und geplante Verkehrsänderungen und weitere Entwicklungen im Bereich Mobilität. Foto: Herbert Rohrer/wildbild

Auch bei der Klimaanpassung ist seine Haltung eindeutig. Ob ein Baum wichtiger sein dürfe als ein Parkplatz, wird er gefragt, und die Antwort kommt prompt: „Ein Baum darf sicher wichtiger werden als ein Parkplatz, denn der Parkplatz spendet den Menschen keinen Schatten.“ 

Dafür ist er sogar bereit, den strengen Denkmalschutz der barocken Innenstadt ein Stück weit zu lockern. Riskieren will das Weltkulturerbe natürlich niemand, schon gar nicht die barocke Altstadt im Kern umbauen, doch an die Erwärmung anpassen müsse sich die Stadt können. Die mobile Begrünung rund um den Dom im heurigen Sommer nennt er einen großen Erfolg, „das muss möglich sein“. Einen Vorteil hat Salzburg dabei ohnehin: Es liegt auf gut 400 Metern, die Nächte bleiben kühl, hier lässt es sich schlafen.

Getreidegasse
Selbst wenn andere Branchen schwächeln, „der Tourismus funktioniert im Grunde immer“, sagt Bernhard Auinger. Die Bestätigung liefert ein Blick in die Getreidegasse. Foto: TSG Tourismus Salzburg GmbH

Beim Tourismus setzt Auinger ebenfalls auf Steuerung. Qualität heißt für ihn Aufenthaltsqualität und lenken lässt sie sich vor allem über die Zeit, weg von den sechs Festspielwochen hin zu den ruhigeren und günstigeren Monaten, was er über die Tourismusgesellschaft der Stadt ausbauen will. Manche Reisebusse würden nur durchgeschleust, ihm seien die Nächtigungsgäste lieber, und steuern lasse sich das über Slots und Aufenthaltsdauern. „Mir ist es lieber, es kommen 50 Leute mit einem Bus als 50 mit 25 Autos“, sagt er. Bestimmte grüne Rückzugsräume in den Außenbezirken will er den Salzburgern vorbehalten und gar nicht erst touristisch bewerben. Bei allem Streit um den Andrang bleibt der Tourismus für ihn ein Stabilitätsanker der ganzen Region, „der Tourismus funktioniert im Grunde immer“, sagt er, auch wenn andere Branchen schwächeln, und genau das gebe der Stadt Halt in Wirtschaft und Beschäftigung.

Gemeindetag und Kommunalmesse als Gewinn für die Stadt

Dass Salzburg den Österreichischen Gemeindetag und die Kommunalmesse ausrichtete, ist für Auinger ein echter Gewinn, und auf den Städtetag 2027 ist die Stadt ohnehin stolz. Solche Treffen fallen in die touristische Nebensaison und bringen Nächtigungen, wenn Hotellerie und Gastronomie sie gut gebrauchen können. Vor allem wird über die Probleme der Städte und Gemeinden diskutiert, „das eint uns“, sagt er, und ein Bürgermeister holt sich dort überparteilichen Rückenwind. Der fachliche Austausch mit Kollegen aus dem ganzen Land zählt für ihn ebenso.

Gemeindetag
Salzburg war Anfang Oktober Gastgeber des heurigen Gemeindetages sowie der Kommunalmesse. Bernhard Auinger hieß seine Kolleginnen und Kollegen und Spitzenpolitiker aus ganz Österreich herzlich willkommen. Foto: Christandl

Woran er sich einmal wird messen lassen wollen, hat Auinger klar vor Augen. Wenn die Salzburger nach zehn Jahren sagen, dass jedes Kind einen ordentlichen Betreuungsplatz hat, das Verkehrsproblem im Griff ist, die Stadt lebendig und finanziell handlungsfähig geblieben ist und die Zusammenarbeit in der Regierung reformiert wurde, dann habe sich die Arbeit gelohnt. Länger als eine Periode will er dafür bleiben. Den Bürgermeisterkollegen gibt er zum Gemeindetag einen Wunsch mit: Alle mögen über ihren politischen Schatten springen, damit Städte und Gemeinden handlungsfähig bleiben. Am Ende, das weiß er, wird er an dem gemessen, was davon tatsächlich steht. 

Bernhard Auinger

Alter: 52
Gemeinde: Salzburg
Einwohnerzahl: 158.535 (September 2026)
Bürgermeisterin: 8. Mai 2024
Partei: SPÖ

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