Die Bundesländer geben um 41 Prozent mehr aus als 2022. Der Neubau bleibt trotzdem schwach, Sanierungen legen kräftig zu.
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Wohnbauförderung stemmt sich gegen die Baukrise
Die Wohnungs- und Bauwirtschaft steckt seit fünf Jahren in einer Krise. Die Zahl der Wohnungsbewilligungen hat sich in dieser Zeit halbiert. Die Länder haben ihre Förderungen deutlich erhöht und so gegengesteuert. Das zeigt der aktuelle Bericht „Wohnbauförderung in Österreich 2025“ des Instituts für Immobilien, Bauen und Wohnen (IIBW) im Auftrag des Fachverbands der Stein- und keramischen Industrie. Für 2026 zeichnen sich wegen knapper Budgets bei Bund und Ländern allerdings wieder sinkende Förderzahlen ab.
Zu Jahresbeginn 2026 lebten 9,24 Millionen Menschen in Österreich. In zehn Jahren wuchs die Bevölkerung um 5,7 Prozent. Das Wachstum hat aber stark nachgelassen. 2015 und 2021 kamen jeweils noch über 100.000 Menschen dazu, 2025 waren es weniger als 30.000. Für das Jahrzehnt bis 2036 erwartet die Statistik Austria nur noch ein Plus von 1,7 Prozent. Den Höhepunkt der Bevölkerungszahl erwartet sie in den frühen 2040er Jahren.
Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind groß. Wien wuchs in den vergangenen zehn Jahren um 10,7 Prozent und soll auch künftig überdurchschnittlich zulegen. Für Kärnten wird bis 2036 ein Rückgang um 2,1 Prozent erwartet, für Salzburg und die Steiermark ein leichter Rückgang.
Die Bevölkerung altert. 2024 lebten erstmals mehr als 2,5 Millionen Menschen über 60 Jahre in Österreich. Ende der 2030er Jahre sollen es 3 Millionen sein. Gleichzeitig schrumpft seit 2023 die Gruppe der 30- bis 60-Jährigen, also der Kern der Erwerbstätigen. Die Zahl der Haushalte stieg von 2016 bis 2026 um 8,7 Prozent auf 4,2 Millionen. Die durchschnittliche Haushaltsgröße sank von 2,3 auf 2,2 Personen.
Gemeinnützige Mieten deutlich günstiger
Die Bestandsmieten stiegen 2025 um knapp 4 Prozent auf 10,20 Euro pro Quadratmeter. Für regulierte Mieten galt 2025 ein Mietenstopp. Bei gemeinnützigen und kommunalen Wohnungen blieben die Anstiege deshalb unter der Inflationsrate von 3,6 Prozent.
Gemeinnützige Mietwohnungen kosten im Schnitt 8,80 Euro pro Quadratmeter inklusive Betriebskosten und Umsatzsteuer. Das ist um 28 Prozent weniger als bei privaten Mietwohnungen mit 12,10 Euro.
Im gemeinnützigen Bereich liegen die meisten Bundesländer nahe am Schnitt. Günstiger ist es in Kärnten mit 7,30 Euro und im Burgenland mit 7,50 Euro, teurer in Salzburg mit 10 Euro. Bei privaten Mietwohnungen sind die Unterschiede größer. Hohe Werte gibt es etwa in Salzburg mit 13,90 Euro, in Vorarlberg mit 13,30 Euro und in Wien mit 12,90 Euro. Große gemeinnützige Bestände dämpfen laut Bericht auch die Kosten privater Mietwohnungen. Einmalzahlungen bei Mietantritt sind in den Werten für gemeinnützige Wohnungen allerdings nicht enthalten.
Baubewilligungen auf Tiefstand
Bis in die späten 2010er Jahre wurden pro Jahr bis zu 90.000 Wohnungen bewilligt. 2025 waren es nur noch 47.800. Besonders stark traf es den großvolumigen Wohnbau. 2017 wurden noch über 54.000 Geschoßwohnungen bewilligt, 2025 weniger als 22.000. Bei Eigentum bremsen die strengen Kreditbedingungen. Bei freifinanzierten Mietwohnungen haben sich internationale Investoren zurückgezogen. Für 2026 erwartet das IIBW einen weiteren Rückgang auf unter 45.000 Einheiten.
Bezogen auf die Einwohnerzahl wurde 2025 in Tirol, im Burgenland, in Vorarlberg und in Wien überdurchschnittlich viel gebaut. Unter dem Schnitt lagen Niederösterreich, Kärnten, die Steiermark und Salzburg. Nach Berechnungen des IIBW braucht Österreich in den kommenden zehn Jahren durchschnittlich etwa 45.000 neue Wohnungen pro Jahr, um ausgeglichene Märkte zu sichern.
Eigenheime wieder stärker gefördert
2025 sicherten die Länder die Förderung von 19.800 neuen Wohneinheiten zu. Das ist um 3 Prozent mehr als im Vorjahr, aber um 13 Prozent weniger als im Zehnjahresschnitt. Auffällig ist die Entwicklung bei den Eigenheimen. Ihre Förderung war jahrzehntelang rückläufig. In den 1990er Jahren wurden jährlich weit über 15.000 Eigenheime gefördert, Anfang der 2020er Jahre nur noch 3.000 bis 4.000. 2025 waren es 5.200 und damit um ein Drittel mehr als im Vorjahr. Besonders deutlich ist dieser Anstieg in Ober- und Niederösterreich.
Die Eigenheimförderung ist umstritten. Dagegen sprechen Nachteile bei Energieeffizienz und Verkehr. Dafür sprechen die Beliebtheit, der geringe Förderaufwand und die Bedeutung für den ländlichen Raum, wenn sparsam mit Boden umgegangen und innerhalb bestehender Siedlungsgrenzen gebaut wird.
Im großvolumigen Bereich wurden 14.600 Wohnungen gefördert. Das sind annähernd so viele wie 2024, aber um 20 Prozent weniger als im Zehnjahresschnitt. Zwischen den Ländern gibt es große Unterschiede. Vorarlberg und Tirol legten insgesamt um 23 bzw. 20 Prozent zu, Oberösterreich um 18 Prozent. Im Burgenland gingen die Zusicherungen um 27 Prozent zurück. Niederösterreich lag 37 Prozent unter seinem Zehnjahresschnitt. Mittlerweile stehen 56 Prozent der bewilligten Wohnungen eine Förderzusage gegenüber. Grund dafür ist aber vor allem der Rückgang im freifinanzierten Wohnbau.
Ausgaben um 41 Prozent gestiegen
Die Länder gaben 2025 rund 2,68 Milliarden Euro für die Wohnbauförderung aus. Das sind um 41 Prozent mehr als beim Tiefststand 2022 und fast ein Viertel mehr als im Zehnjahresschnitt. Die Ausgaben stiegen damit stärker als die Zahl der geförderten Wohnungen. Der Grund: Die Förderungsmodelle mussten an höhere Baupreise und Zinsen angepasst werden.
Die Hälfte der Mittel floss in den Neubau von Geschoßwohnungen, 9 Prozent in Eigenheime. Die Ausgaben für Eigenheime stiegen gegenüber dem Vorjahr um 57 Prozent. 28 Prozent gingen in die Sanierung, 13 Prozent in Wohnbeihilfen und andere Subjektförderungen.
Die Finanzierung gerät unter Druck. Die Rückflüsse aus früheren Förderdarlehen betrugen 2025 rund 971 Millionen Euro. Gut 1,7 Milliarden Euro mussten aus den Länderbudgets kommen. In den Jahren davor reichten Rückflüsse und Wohnbauförderungsbeitrag zusammen meist aus, um die Ausgaben zu decken. 2024 und 2025 war das nicht mehr der Fall. Vor allem Niederösterreich, Tirol, Vorarlberg und Oberösterreich brauchten zusätzlich teils erhebliche Mittel aus ihren Budgets. Niederösterreich verkaufte 2025 Förderdarlehen. Das Burgenland kündigte für 2026 Verkäufe im Ausmaß von rund 1 Milliarde Euro an.
Sanierung überholt den Neubau
Die Länder erhöhten 2025 ihre Sanierungsförderung um 15 Prozent auf 740 Millionen Euro. Zusammen mit der Förderung des Bundes, die einen historischen Höchstwert erreichte, flossen rund 2,3 Milliarden Euro in die Wohnhaussanierung. Das ist fast das Zweieinhalbfache des Zehnjahresschnitts und mehr als für den Neubau. Rund 120.000 Sanierungen wurden gefördert, die meisten davon für den Tausch von Heizungen.
Die Rekordausgaben des Bundes gehen auf über 65.000 offene Anmeldungen für den Heizungstausch aus der Förderaktion 2023/24 zurück. Inzwischen wurde ein neues Förderprogramm beschlossen. Die Förderquoten wurden deutlich gesenkt. Der Schwerpunkt verschiebt sich vom Heizungstausch zu Maßnahmen für mehr Energieeffizienz. Die Vollförderung für einkommensschwache Haushalte soll von Eigenheimen auf Geschoßwohnungen ausgeweitet werden. Ab 2027 stehen dafür zusätzliche Mittel aus dem EU-Klima-Sozialfonds bereit.
Die Sanierungsrate lag 2024 bei etwa 1,6 Prozent. Um den Wohnungsbestand bis 2040 klimaneutral zu machen, müsste sie sich rasch verdoppeln. Die Baustoffindustrie fordert von der Bundesregierung deshalb das angekündigte Paket an wohnrechtlichen Reformen für die Dekarbonisierung großer Wohnbauten.
Mehr Haushalte beziehen Wohnbeihilfe
Seit 2023 geben die Länder wieder mehr für die Wohnbeihilfe aus. In drei Jahren stiegen die Ausgaben um mehr als ein Viertel. 2025 bezogen knapp 140.000 Haushalte Wohnbeihilfe, um 13 Prozent mehr als im Jahr davor. Das sind 3,4 Prozent aller Haushalte, international ein geringer Anteil. Die durchschnittliche Beihilfe pro Haushalt und Monat unterscheidet sich stark zwischen den Ländern. Am höchsten ist sie in Vorarlberg mit 370 Euro. Die Ausgaben für das Wohnen innerhalb der Sozialhilfe beziehungsweise Mindestsicherung übersteigen jene der Wohnbeihilfe inzwischen deutlich.
Insgesamt gab die öffentliche Hand 2025 rund 0,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für die Wohnbauförderung der Länder aus. Mit der Sanierungsförderung des Bundes waren es 0,9 Prozent. 2019 lag dieser Wert noch bei 0,4 Prozent. Österreich schließt damit zum Durchschnitt der OECD-Länder auf.