Vorstellungsgespräch
Ein Vorstellungsgespräch wird heute als gegenseitiges Kennenlernen auf Augenhöhe verstanden.
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Recruiting

Was Gemeinden Bewerbern bieten müssen

Viele Gemeinden suchen neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Jobsuche hat sich stark ins Internet verlagert, und Bewerberinnen und Bewerber erwarten heute mehr Informationen als früher. Sandra Kern, Landesgeschäftsführerin des AMS Niederösterreich, erklärt, worauf es bei Stellenausschreibungen und Vorstellungsgesprächen ankommt.
Sandra Kern
Sandra Kern, Landesgeschäftsführerin des AMS Niederösterreich: „Wer heute ausschließlich auf Printmedien oder Aushänge setzt, erreicht viele potenzielle Bewerberinnen und Bewerber nicht mehr.“ Foto: AMS NÖ by Daniel Shaked

Wer heute eine neue Stelle sucht, sucht in erster Linie im Internet. Für viele Menschen ist die AMS-Jobplattform „alle jobs“ inzwischen die erste Adresse. Dort werden aktuell rund 140.000 offene Stellen angeboten. 

Die Plattform bündelt nicht nur Stellen des AMS. Sie enthält auch Angebote von Unternehmen, Institutionen und der öffentlichen Verwaltung. 

Für Gemeinden sieht AMS-Chefin Sandra Kern darin eine große Chance. Ihre offenen Stellen werden so auch von Menschen gefunden, die außerhalb ihres unmittelbaren Wohnumfeldes aktiv nach einer neuen beruflichen Perspektive suchen. Der Kreis möglicher Bewerberinnen und Bewerber wird damit größer.

Persönliche Kontakte bleiben wichtig

Die klassischen Wege haben aber nicht ausgedient. Persönliche Empfehlungen, das eigene Netzwerk und Hinweise aus dem Bekanntenkreis haben nach wie vor einen hohen Stellenwert. Gerade in Gemeinden spielen sie oft eine wichtige Rolle. Dennoch hat sich die Stellensuche in den vergangenen Jahren ganz überwiegend ins Digitale verlagert. 

„Wer heute ausschließlich auf Printmedien oder Aushänge setzt, erreicht viele potenzielle Bewerberinnen und Bewerber nicht mehr“, sagt Kern. Die größte Reichweite entsteht laut der AMS-Landesgeschäftsführerin durch eine Kombination: persönliche Kontakte auf der einen Seite und eine professionelle Online-Präsenz der freien Stelle auf der anderen.

Ein Wechsel der Perspektive

Auch die Stellenanzeige selbst hat sich verändert. „Eine zeitgemäße Stellenanzeige ist heute weniger ein Anforderungskatalog, sondern ein Angebot an potenzielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, erklärt Kern. Erfolgreiche Anzeigen haben klare Jobtitel und beschreiben konkrete Aufgaben. Sie nennen transparente Rahmenbedingungen und stellen realistische Anforderungen. Außerdem ist der Bewerbungsprozess einfach gestaltet.

Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels braucht es laut Kern für eine erfolgreiche Stellenbesetzung einen Wechsel der Perspektive. Früher stand die Frage im Mittelpunkt, warum ein Arbeitgeber eine bestimmte Person einstellen sollte. Heute sollte die Leitfrage anders lauten: Warum sollte eine qualifizierte Person gerade hier arbeiten wollen?

Welche Informationen Bewerberinnen und Bewerber erwarten

Bewerberinnen und Bewerber wollen nicht erst am Ende eines Auswahlprozesses erfahren, ob die Rahmenbedingungen grundsätzlich für sie passen. Schon vor der Bewerbung möchten sie wissen, welche Tätigkeiten sie ausüben werden und welche Qualifikationen erforderlich sind. Dazu gehören auch klare Angaben zu Arbeitszeit und Arbeitsort. 

Wichtig sind zudem Informationen zur Möglichkeit von Homeoffice oder mobilem Arbeiten, zu Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten, zur Entlohnung und zu den Bewerbungsmodalitäten. Je transparenter diese Informationen dargestellt sind, desto leichter können Interessierte vorab einschätzen, ob die Stelle zu ihren Erwartungen und Lebensumständen passt.

Muss-Kriterien und Wunschqualifikationen

Kern hält eine klare Trennung zwischen unbedingt erforderlichen Kriterien und sogenannten „nice to haves“ für sinnvoll. Der Grund: Bewerberinnen und Bewerber orientieren sich stark an den Anforderungen, die in einer Ausschreibung aufgezählt werden. „Bei zu vielen Kriterien verzichten manche qualifizierte Personen bereits auf eine Bewerbung“, sagt Kern. Sie empfiehlt daher, klar zwischen unverzichtbaren Voraussetzungen und zusätzlichen Wunschqualifikationen zu unterscheiden.

Auch bei der Wortwahl rät sie zu Genauigkeit. Begriffe wie „belastbar“ oder „flexibel“ sind oft wenig konkret. Aussagekräftiger ist es, die tatsächlichen Anforderungen zu beschreiben. Beispiele dafür sind selbstständiges Arbeiten, Parteienverkehr oder die Mitarbeit bei Veranstaltungen außerhalb der üblichen Dienstzeiten.

Gehaltsspanne schafft Klarheit

Beim Gehalt spricht sich Kern für eine möglichst konkrete Angabe in der Stellenanzeige aus. „Transparenz beim Gehalt wird von Bewerberinnen und Bewerbern zunehmend erwartet“, betont sie. Das Gleichbehandlungsgesetz schreibt die Angabe des Mindestentgelts vor. 

Gerade für qualifizierte Fachkräfte kann diese Angabe aber zu wenig konkret sein. Mehr Klarheit schafft eine mögliche Gehaltsspanne, die sich nach Qualifikation und Erfahrung richtet. Dann bewerben sich vor allem jene Personen, deren Vorstellungen mit den tatsächlichen Rahmenbedingungen zusammenpassen. Das macht den gesamten Auswahlprozess effizienter.

Das Vorstellungsgespräch auf Augenhöhe

Auch beim Vorstellungsgespräch haben sich die Erwartungen verändert. „Ein Vorstellungsgespräch wird heute zunehmend als gegenseitiges Kennenlernen auf Augenhöhe verstanden“, sagt Sandra Kern. Bewerberinnen und Bewerber erwarten Offenheit und Wertschätzung. Sie wollen transparente Informationen zur Tätigkeit, zum Team, zur Führungskultur, zu Entwicklungsmöglichkeiten und zu den Arbeitsbedingungen. Gemeinden können hier laut Kern punkten: mit ihrer regionalen Verankerung, der Sinnhaftigkeit der Aufgaben und einer langfristigen Perspektive.

Unterstützung durch das AMS

Bei der Gestaltung von Stellenausschreibungen und bei Auswahlverfahren können Gemeinden auf das AMS zurückgreifen. Die Unterstützung erfolgt laut Kern in sehr umfassender Form. Das AMS hilft Gemeinden und Betrieben bei der Formulierung von Stellenangeboten und veröffentlicht diese über die eigenen Kanäle. Es unterstützt außerdem dabei, passende Kandidatinnen und Kandidaten zu finden. Auf Wunsch ist auch eine Vorauswahl von Bewerbungen möglich. Gerade für Gemeinden, die häufig mit einem begrenzten Bewerbermarkt konfrontiert sind, ist das Service für Unternehmen des AMS laut Kern ein wertvoller Partner bei der Personalsuche. 

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