Arbeiter in einer Kläranlage
Die als „Ewigkeits­chemikalien“ bekannten PFAS-Stoffe können nicht natürlich abgebaut werden, sind sehr mobil und verbreiten sich weltweit über Luft und Wasser.
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Kläranlagen

Die vierte Reinigungsstufe – Betonlösung oder Denkfehler?

15. April 2026
Kaum ein Begriff löst in Gemeinderatssitzungen so zuverlässig Unruhe aus wie dieser: „die vierte Reinigungsstufe.“ Er steht für strengere Anforderungen, für zusätzliche Technik – und vor allem für Kosten.

Die politische Übersetzung ist klar: Nachrüstung bedeutet ­Millioneninvestitionen, langfristige Bindungen und oft auch steigenden Energiebedarf. Und jetzt kommen noch PFAS dazu.

Ewigkeitschemikalien als kommunale Herausforderung

Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, kurz PFAS, sind nicht nur ein industrielles Problem – sie betreffen unmittelbar die kommunale Infrastruktur. Wie österreichische und deutsche Experten vielfach darlegten, gelangen diese sogenannten „Ewigkeitschemikalien“ über industrielle Abwässer, Deponiesickerwässer oder PFAS-haltige Feuerlöschschäume oder auch über landwirtschaftliche Einträge (Pestizide) und häusliches Abwasser (Kosmetika, Antihaft-Beschichtungen, Reinigungsprodukte etc.) in den Wasserkreislauf – und kaum eine Kläranlage ist darauf vorbereitet.

Ob die geplante vierte Reinigungsstufe bei kommunalen Kläranlagen hier wirksam helfen kann, ist derzeit noch völlig offen.

Wie kann die Abwasserreinigung besser werden?

Die eigentliche Frage lautet nicht „ob“, sondern „wie“. Niemand stellt ernsthaft infrage, dass die Qualität der Abwasserreinigung weiter steigen muss. Die entscheidende Frage ist vielmehr: Auf welchem Weg?

Genau hier verdient ein Ansatz Aufmerksamkeit, der bislang wenig im kommunalpolitischen Rampenlicht steht: der Einsatz von Nanocarbon-Technologie im bestehenden Klärsystem. Der oberösterreichische Umweltkonzern VTA belegt, mit dem Einsatz flüssiger Nanotechnologie bis zu 99 Prozent aller Schadstoffe aus dem Abwasser entfernen zu können – und zwar im laufenden Betrieb, ohne bauliche Erweiterung.

Aktuelle Untersuchungsergebnisse belegen: VTA Nanocarbon kann eine vierte Reinigungsstufe vollständig ersetzten.

Warum Gemeinden hier besonders vorsichtig sind

Doch je größer das Einsparpotenzial, desto höher das Risiko – zumindest aus kommunaler Sicht. Kläranlagen sind kritische Infrastruktur. Fehler führen nicht nur zu Mehrkosten, sondern zu Grenzwertüberschreitungen, Auflagen und Vertrauensverlust.

Deshalb entscheidet sich die Frage nicht im Imagefilm, sondern in Messreihen, Betriebsdaten und Monitoringkonzepten – wie die VTA sie vorlegt. Wer Alternativen zum klassischen Ausbau diskutiert, muss belegen können, dass sie stabil, nachvollziehbar und dauerhaft funktionieren – und im Fall von PFAS: dass die Stoffe tatsächlich gebunden und nicht nur verschoben werden. Damit verschiebt sich der Fokus erneut: weg von der Vision – hin zur Kontrolle.

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